Ein Schlag ins Gesicht junger Lehrkräfte

Einstellungssituation ist für viele Referendare eine Katastrophe / BLLV-Präsidentin: „Die Herausforderungen, vor denen die Gymnasien stehen, erfordern mehr Personal“

Die Einstellungszahlen für den Einstellungstermin Februar 2016 für das Lehramt Gymnasium wertet der BLLV als Schlag ins Gesicht junger Nachwuchslehrkräfte. „Er wird dazu führen, dass Gymnasien weiter geschwächt werden und die Qualität der Schulen dauerhaft gefährdet ist“, erklärte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann heute in München. Nur etwa 17 Prozent aller Bewerber/innen werden unbefristet in den Staatsdienst übernommen. Damit signalisiere die Politik vielen jungen Lehrkräften, nicht gebraucht zu werden - obwohl sie sich intensiv und mit großen Anstrengungen auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet haben.

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Unterrichtspflichtzeit für Referendare senken!

Auf Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der Landtagsfraktion von Bündins90/Die Grünen, Thomas Gehring, hat die Staatsregierung die Auswirkung der hohen UPZ von Referendaren konkretisiert. Demnach könnten pro Wochenstunde Reduzierung der Unterrichtspflichtzeit im 2. Ausbildungsabschnitt am Gymnasium 90 zusätzliche Stellenäquivalente geschaffen werden (Realschule: je 40, Berufliche Schulen: je 14 Stellenäquivalente).

 

Alle Oppositionsfraktionen im Landtag haben mittlerweile Maßnahmen beantragt, um mehr Einstellungsmöglichkeiten zu schaffen. So fordern die Freien Wähler eine Reduzierung auf 14 Wochenstunden im 2. Ausbildungsabschnitt (270 Stellenäquivalente), die SPD gar auf 11 Stunden (540 Stellenäquivalente). Auch die Grünen fordern eine Reduzierung im 2. Ausbildungsabschnitt. Daneben fordern sie, qualifizierte Junglehrerinnen und Junglehrer mit Unterrichtsfach Deutsch im Fach „Deutsch als Zweitsprache“ zum Schulhalbjahr 2013/14 fortzubilden, um diese für eine bayernweite systematische Sprachförderung an allen Schularten einzusetzen, sowie eine Abschaffung des eigenverantwortlichen Unterrichts im 3. Ausbildungsabschnitt. Durch diese „Notmaßnahme“ spart die Staatsregierung derzeit ca. 140 Stellenäquivalente ein, die ansonsten mit Planstellen besetzt werden könnten.

 

Nun liegt es am Landtag, bei der Verabschiedung des Nachtragshaushaltes die nötigen Beschlüsse zu fassen. Doch sieht es derzeit nicht so aus, als würden sich CSU und Staatsregierung bewegen. So rechtfertigt das Kultusministerium in seiner Antwort auf die Anfrage von Thomas Gehring die hohe Unterrichtsverpflichtung der Referendare damit, „dass die Studienreferendare nach Möglichkeit in allen Jahrgangsstufen der Schulart eingesetzt werden sollen, damit sie die jeweiligen Unterrichtsinhalte, die Anspruchsniveaus und die Entwicklungsstufen der Schüler sowie die daraus resultierenden pädagogischen Herausforderungen in der Unterrichtspraxis kennen lernen. Darüber hinaus trägt ein angemessener Umfang im Unterrichtseinsatz dazu bei, einen etwaigen ‚Praxisschock‘ bei der späteren Anstellung mit einem Vollzeitdeputat von 23 bis 28 Wochenstunden zu vermeiden und eine maßvolle Hinführung zu ermöglichen.

Da fehlen einem die Worte.

 

Die genauen Zahlen im Überblick

 

 

Schreiben von Klaus Wenzel an Staatsminister Ludwig Spaenle (16.01.2014)

Anstellungssituation für Referendare

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

 

im Februar 2014 können nur sehr wenige Absolventen des Referendariats Gymnasium in den gymnasialen Staatsdienst übernommen werden. In einer Pressemitteilung Ihres Ministeriums wird dies auf den begrenzten Bedarf der Schulen wegen der nach wie vor hohen Zahl an Referendaren zurückgeführt. .

 

Wir stimmen dieser Analyse zu, dass dies ein Grund für die ungünstige Einstellungssituation ist. Wir halten es ebenfalls für richtig, dass der Freistaat Bayern weiterhin den Zugang zum Referendariat nicht einschränkt und somit allen Absolventen der 1. Staatsprüfung ermöglicht, ihre Ausbildung zu beenden.

 

Aus unserer Sicht ist es aber nicht zu rechtfertigen, einerseits Bewerber mit teilweise exzellenten Examensnoten in die Arbeitslosigkeit zu entlassen und andererseits auch weiterhin Notmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Unterrichtsversorgung durchzuführen. Dies gilt insbesondere für solche Maßnahmen, durch die die Referendare selbst während ihrer Ausbildungszeit zusätzlichen Belastungen ausgesetzt werden, um den Bedarf Ihrer eigenen Planstelle weg zu rationalisieren. Deshalb muss die Verpflichtung für Referendare zur Unterrichtsaushilfe umgehend gesenkt werden.

 

Konkret fordern wir umgehend eine deutliche Reduzierung der maximalen Unterrichtsverpflichtung von Referendaren im 2. Ausbildungsabschnitt, die 2007 wegen der angespannten Personalsituation auf 17 Stunden angehoben wurde.

 

Daneben sollen Referendare im 3. Ausbildungsabschnitt ab sofort nicht mehr eigenverantwortlich unterrichten. Diese Unterrichtsverpflichtung wurde vor knapp zehn Jahren als vorübergehende Notmaßnahme gegen den Lehrermangel eingeführt. Diese Grundlage ist schon lange hinfällig. Wir verweisen auch auf die berechtigten Klagen von Seiten der Seminarschulen, die unter dieser nicht mehr notwendigen Verschlechterung der Ausbildungssituation und der erschwerten Unterrichtsverteilung stark leiden.

Namens des BLLV und im Namen aller Referendare bitte ich Sie, diese Forderungen umgehend umzusetzen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Klaus Wenzel

 

 

CSU/FDP hat Reduzierung verhindert

2011 hätte die Unterrichtspflichtzeit im Referendariat gesenkt werden können – wenn der Landtag einem Antrag der Freien Wähler zugestimmt hätte.

Hat er aber nicht.

Warum? Wegen des Praxisschocks.

Hier die Hintergründe weiterlesen.

 

 


Wenn 1,0 zu schlecht ist

„Das Kultusministerium praktiziert aber ganz bewusst für die Jahrgangsbesten einen Einstellungskorridor, so dass die besten Absolventen auch dieser Fächer eingestellt werden.“ So zu lesen in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums vom 17.07.2013. Na prima, wird sich da mancher Referendar gedacht haben. Wenn aber der Jahrgangsbeste mit Notenbonus auf Null Komma irgendwas kommt, dann ist selbst 1,0 zu schlecht für eine Planstelle. Nach einer dem BLLV vorliegenden (unvollständigen) Liste hat in etwa 20 Fächerkombinationen die Eins vor dem Komma nicht für eine Planstelle gereicht.

 

Nachdem im Februar 2013 noch 40 Prozent der Bewerber eine Planstelle erhielten, sind es diesmal – so hat das Ministerium bestätigt – nur 170 Bewerber und damit nur noch 20%. Für die Schulen ist diese Entwicklung aber fatal: Wenn von ganzen Jahrgängen kaum Lehrer eingestellt werden, führt das in ein paar Jahren (wieder) zu einer extremen Überalterung der Kollegien – und wieder zu einem Lehrermangel.

 

„Ich frage mich, wie es sein kann, dass Referendare mit einer glatten Eins keine Stelle bekommen, wenn für alle Fächerkombinationen ein Einstellungskorridor zugesagt wurde“, so Klaus Wenzel, BLLV-Präsident, in einer Pressemitteilung vom 15. Januar. Die Vorgehensweise der Staatsregierung trage in keiner Weise dazu bei, die gebeutelten Gymnasien zu stärken, die Unterrichtssituation zu verbessern und die Belastungen der Kollegien abzubauen, kritisierte er. Die jungen Lehrerinnen und Lehrer würden dringend benötigt, um die Klassenstärken zu reduzieren und echte individuelle Förderung zu ermöglichen.

 

Das ohnehin gebeutelte Gymnasium werde nun weiter massiv geschwächt, die Qualität der Schulen dauerhaft gefährde. Die Politik signalisiere jungen Lehrkräften, die sich intensiv und mit großen Anstrengungen auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet haben, nach ihrem Referendariat nicht gebraucht zu werden. Das sei verheerend.

 

 

In einer Pressemitteilung vom 15. Januar führt das Kultusministerium die katastrophale Einstellungssituation auf den geringen Bedarf der Schulen in Deutsch und Englisch zurück: „Dies liegt unter anderem auch an der nach wie vor hohen Zahl der Referendare.“

 

Fakt ist: Je mehr eigenverantwortlich von Referendaren unterrichtet wird, desto weniger Unterricht muss durch Planstellen abgedeckt werden. Somit lässt sich durch den Einsatz von Referendaren leicht Unterrichtsausfall durch Lehrermangel vermeiden, indem bspw. die Unterrichtspflichtzeit im Einsatzjahr angehoben wird oder Referendare im 3. Ausbildungsabschnitt eigenverantwortlich unterrichten müssen.

Beides wurde in Zeiten des Lehrermangels auch umgesetzt – gegen den Widerstand des BLLV. Daher unterrichten Referendare im Einsatzjahr seit 2007 bis zu 17 Stunden eigenverantwortlich. Etwa 2003 wurde der eigenverantwortliche Unterricht an der Seminarschule eingeführt.

Nachdem der BLLV am 15. Januar die aktuelle Einstellungssituation publik gemacht hat, hat BLLV-Präsident Klaus Wenzel am 16. Januar Kultusminister Ludwig Spaenle (zum wiederholten Mal) aufgefordert, die UPZ für Referendare zu senken.

 

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