Was ADHS-Kindern im Unterricht hilft

Auf Kinder mit einer diagnostizierten ADHS muss man individuell eingehen. Allgemein gilt, dass ADHS-Kinder eine starke Struktu rierung und eindeutige Regeln benötigen – insbesondere im Unterricht. Diese Maßnahmen helfen den meisten ADHS-Kindern.

 

Von Simone Fleischmann*

  • Eine starke Gliederung der Anforderungen: umschriebene Aufgabenstellungen, die sowohl zeitlich, als auch inhaltlich überschaubar und somit erreichbar sind. Zum Beispiel Teilziele, die der individuellen Aufmerksamkeits- und Leistungsspanne des Kindes entsprechen.
  • Das Kind allein in die erste Reihe setzen. Man sollte allerdings gut auf sich selbst als Lehrer achten: Nicht jeder kann ein ADHS-Kind jeden Tag durch alle Stunden hindurch immer direkt vor sich ertragen.
  • Zwischen auditivem und visuellem Schwerpunkt der Unterrichtsgestaltung wechseln. So kann die Aufmerksamkeitsspanne erweitert werden.
  • Methodenvielfalt. So können die Kinder Freiräume erfahren. Auch bei Offenen Unterrichtsmethoden wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Stationentraining, Marktplatz, Plakatarbeit müssen klare Regeln („Autobahnen“) vorgegeben sein.
  • Das Klassenzimmer reizarm machen. Natürlich müssen sich auch die übrigen Kinder wohl fühlen, es gilt, einen Mittelweg zu finden.
  • Zeichen mit den Kindern vereinbaren, die sie wieder zurückholen aus der Phase der Träumerei oder Zappeligkeit: Daumen nach oben, Antippen, eine Murmel an den Platz legen.
  • Ein individuelles Token-System zur Verstärkung erwünschter Verhaltensweisen einführen. Die zu erreichenden Ziele müssen kleinschrittig und somit erreichbar sein. Eine Zusammenarbeit mit den Eltern im Bereich der Verstärkersysteme ist hilfreich.
  • Die vielen positiven Eigenschaften der ADHS-Kinder anerkennen. Ihre Offenheit, ihre Zähigkeit, den Gerechtigkeitssinn oder ihre Schaffenskraft.
  • Betroffene Kinder für besondere Dienste einsetzen. Büro-, Tafel- oder Botendienst.
  • Entspannungs- und Bewegungsphasen in den Unterricht integrieren. Aber Achtung: Nicht jedes ADHS-Kind kann Entspannungsübungen annehmen. Deswegen mit dem Therapeuten engen Kontakt pflegen, um zu erfahren, was beim einzelnen Kind wirkt.
  • Das Überschreiten von Grenzen sofort und konsequent sanktionieren. Auch Auszeiten helfen diesen Kindern mehr, als aufgeregtes Schimpfen.
  • Rituale in den Unterricht einführen. So weiß das Kind , was es jeden Tag erwartet. Gerade in Vertretungssituationen haben es ADHS-Kinder schwer.
  • Dem ADHS-Kind in persönlichen Gesprächen immer wieder signalisieren, dass der Lehrer es verstehen und annehmen kann, dass er um seine Schwierigkeiten weiß und sie akzeptiert.
  • Grundsätzlich gilt: ADHS-Kinder wollen angenommen und zum Durchhalten motiviert werden. Sie brauchen unsere Hilfe, wir müssen sie stärken. Sie haben, wie das Kürzel sagt, ein Defizit an Aufmerksamkeit. Was sie vor allem brauchen, ist: Aufmerksamkeit. 

 

* Die Autorin leitet der Abteilung Berufswissenschaft im BLLV.

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