Verloren in anderen Welten. Computerspielsucht kann alle Kinder und Jugendlichen treffen. In Seminaren der BLLV-Akademie erhalten Eltern und Lehrer Tipps, was zu tun ist.
Verloren in anderen Welten. Computerspielsucht kann alle Kinder und Jugendlichen treffen. In Seminaren der BLLV-Akademie erhalten Eltern und Lehrer Tipps, was zu tun ist.

Was tun, wenn Kinder computerspielsüchtig sind?

 

Computerspiele machen dann am meisten Spaß, wenn man sie über das Internet mit anderen spielt. Doch was tun, wenn dieser Spaß zur Sucht und einzigen Beschäftigung wird? Claudio von Wiese, der viel Erfahrung mit Mediensucht hat, gibt in Schulhausinternen Lehrerfortbildungen der BLLV-Akademie sowie in Elternseminaren Eltern und Lehrern Tipps, wie sie das verhindern können. Mehr Informationen finden Sie im Dossier zur Computerspielsucht.  

 

 

 

Warum üben diese Rollenspiele wie World of Warcraft oder Ego-Shooter wie „Call of Duty“ eine so große Faszination aus?
Claudio von Wiese: Sie bieten die Möglichkeit zum Wettkampf in einer virtuellen Welt von ungeheurem Ausmaß. Sie können rund um die Uhr spielen und es gibt ständig neue Herausforderungen. Viele der Spiele sind mittlerweile als reine Multiplayer-Spiele ausgelegt. Man tritt online gegen andere Spieler an oder schließt sich mit ihnen zu Teams zusammen. Das macht viel mehr Spaß als ganz allein vor dem PC zu sitzen. Die Teilnehmer tauschen sich via Headset über das Spiel aus. Das bindet sehr stark und man knüpft im Internet Freundschaften. In dieser Welt kann man sich schon heimelig fühlen.

 

Wie entwickelt sich eine Computerspielsucht?
Claudio von Wiese: Langsam und schleichend. Man fängt an zu spielen, hat jede Menge Spass, lernt viele neue Leute kennen. Nur dadurch, dass man Spaß hat, kann die Sucht überhaupt entstehen. Beim Spielen schüttet das Gehirn Endorphine aus, was eine gewisse Euphorie auslöst.

 

Die Erfolgserlebnisse machen also abhängig.
Claudio von Wiese: Genau. Das Gehirn bewertet die Prozesse und schüttet Glückshormone aus, wenn man Erfolgserlebnisse hat.

 

Gibt es bestimmte Risikogruppen, die für Computerspielsucht besonders anfällig sind?
Claudio von Wiese: Betroffen sind vor allem junge Männer zwischen 14 und 20 Jahren in der Pubertät. Aber je sozial integrierter, anerkannter und selbstbewusster jemand ist, desto unwahrscheinlich ist es, das jemand eine Computerspielsucht entwickelt. Wobei man nicht glauben sollte, dass nur Leute, die soziale oder psychische Probleme haben, computerspielsüchtig werden. Man spielt, weil es zunächst einfach verdammt viel Spaß macht, das ist meine Erfahrung.

 

Müssen sich Eltern Vorwürfe machen, wenn sie feststellen, dass ihr Kind computerspielsüchtig ist?
Claudio von Wiese: Die Eltern hätten das vielleicht verhindern können, wenn sie nur den Umgang ihres Sprößlings mit dem Computer zeitlich beschränkt hätten. Wenn ein Kind  nur fünf Stunden in der Woche vor dem PC sitzt, kann sich keine Sucht entwickeln. Die Eltern sollten sich aber auch nicht einreden, dass sie ihr Kind nicht genug geliebt hätten und deswegen süchtig geworden ist. Das wäre eine unzulässige Vereinfachung.

 

Die Sucht könnte also jeden Treffen?
Claudio von Wiese: Ja. Risikofaktoren sind Langeweile und soziale Isolation. Je interessanter das eigene Leben ist, umso weniger wird man am Computer spielen.

 

Sollten Eltern ein wachsames Auge auf die Freizeitgestaltung ihrer Kinder haben?
Claudio von Wiese: Einem 14- oder 15-jährigen wird man kaum jede Stunde seines Lebens vorschreiben können. Ich rate Eltern immer nur, den Computerkonsum ihrer Kinder stark zu reglementieren. Womit die Kinder dann alternativ ihre Freizeit verbringen, sollte ihnen überlassen sein. Im besten Fall haben Sie Hobbys, denen sie mit Leidenschaft nachgehen.

 

Wie macht sich Computerspielsucht in der Schule bemerkbar?
Claudio von Wiese: Ein Süchtiger wird sein Denken total einschränken. Themen, die nichts mit dem Computer zu tun haben, interessieren ihn nicht mehr. Oft ist in der Schule ein sozialer Rückzug und ein generelles Desinteresse an der Gemeinschaft zu beobachten. Betroffene Schüler sind übermüdet und schlafen auf der Schulbank ein. Ob das aber mit einer Sucht oder mit der Pubertät zusammenhängt, ist nur schwer zu unterscheiden. Ein Schüler, der geistig häufig abwesend ist, ständig am Smartphone herumspielt und nur über Computerspiele spricht, zeigt natürlich schon Anzeichen einer Spielsucht.

 

Was soll ich tun, wenn ich als Lehrer das Gefühl habe, das einer meiner Schüler computerspielsüchtig ist?  Spreche ich den Schüler an oder nehme ich besser Kontakt mit seinen Eltern auf?
Claudio von Wiese: Das kommt stark darauf an, ob ich einen guten Draht zum Schüler habe. Ich glaube, dass Pubertierende den Rat eines Lehrers oft nicht annehmen. Die Eltern anzusprechen kann eher sinnvoll sein. Engagierten Müttern und Vätern könnte man Rat anbieten.

 

Glauben Sie, dass Computerspielsucht weiter um sich greifen wird?
Claudio von Wiese: Absolut. Sie wird in der Gesellschaft aber nicht stärker problematisiert werden als jetzt, weil die Akzeptanz von Medien und Computer deutlich zunimmt. Die Politiker von morgen sind die jungen Menschen von heute, und diese sind einem sehr intensiven Medienkontakt ausgesetzt.






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