27. Juli 2016

„Fordert mehr Unterstützung!“

Trauma-Experte und BLLV coachen Lehrkräfte

Gefangen im Trauma - das muss nicht sein. Prof. Dr. Willi Butollo gab BLLV-Mitgliedern Ratschläge, wie sie Flüchtlingskindern helfen können.

Manchmal laufen sie plötzlich schreiend aus dem Klassenzimmer und niemand weiß warum. Der Umgang mit traumatisierten Schülern ist herausfordernd, aber wir Lehrkräfte können uns dafür stärken – brauchen aber Unterstützung von oben.

 

Von Birgit Dittmer-Glaubig

 

„Der Feueralarm in unserer Schule – für viele unserer Schüler eine willkommene Unterbrechung des Unterrichts  - löste in dem Flüchtlingskind in meiner Klasse eine unvorstellbare  Angstreaktion aus“.   Was die Lehrerin der Seminarrunde schilderte, war eine der zahlreichen Schwierigkeiten aus dem Alltag, mit denen sich Lehrkräfte, die geflüchtete Schüler unterrichten, konfrontiert sehen. Doch wie sollen wir solchen Situationen umgehen? Rund 30 Frauen und Männer hofften auf Antworten beim BLLV-Wochenendseminar „Traumatisierte Kinder in meiner Klasse“.

 

Die Arbeit mit den Flüchtlingskindern ist für unsere Kolleginnen und Kollegen neben der Integrationsaufgabe eine besondere pädagogische Herausforderung: Viele der uns anvertrauten Kinder sind traumatisiert. Lehrerinnen und Lehrer sind aber dafür nicht ausgebildet. Wir fühlen uns dadurch in unserem Tun verunsichert, da wir nicht wissen, ob unser Handeln weitreichende Folgen haben kann.  

 

"Keine Angst vor dem Umgang mit traumatiserten Kindern"

Das Seminar unter der Leitung des Traumaexperten Prof. Dr. Willi Butollo, Leiter des renommierten Münchner Instituts für Traumatherapie, hatte zum Ziel,  konkrete Maßnahmen für den Schulalltag zu erarbeiten, die den Umgang mit traumatisierten Kindern erleichtern können. Sein Motto: „Keine Angst vor dem Umgang mit traumatisierten Kindern.“

 

Zuerst führte Butollo in leicht verständlicher Weise in die Theorie der verschiedenen Traumatypen ein, anschließend erarbeiteten die Teilnehmer anhand praktischer Beispiele aus ihrem Alltag Lösungsansätze und erprobten die Vorgehensweisen. Schwerpunkt war die Frage, wie sich die Sprachbarriere überwinden lässt.

 

Ganz konkrete Tipps waren:

  • Lehrer brauchen sich nicht schuldig fühlen, wenn das Trösten nicht klappt.
  • Sich nicht auf die Ausprägungen des Traumas konzentrieren, sondern sich darüber im Klaren werden, welche Ressourcen zur Verfügung stehen, um ein gutes Umfeld zu schaffen.
  • Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit im Team erhalten. Das Team, das sich um traumatisierte Kinder kümmert, braucht deswegen Supervision.

 

Prof. Butollo gab den Teilnehmern nicht nur Handwerkszeug mit auf dem Weg, er stärkte sie auch in ihrem Tun und in ihrer Professionalität. „ Wir Lehrer müssen uns unbedingt Grenzen setzen und uns schützen“, appellierte er an die Seminarrunde. Deshalb müssten wir uns stark machen für die Forderung nach mehr Unterstützung. Eine Forderung, die der BLLV nachhaltig verfolgen wird! 

 

* Birgit Dittmer-Glaubig ist Leiterin der BLLV-Abteilung Berufswissenschaft

 

 



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