17. Juli 2017

„Die Lehrerpersönlichkeit wird immer wichtiger“

Interview mit Christian Marek, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande

Christian Marek versteht sich als Stimme der Lehrer wie der Schüler

Der langjährige MLLV-Vorsitzende Christian Marek, bis zu seinem Ruhestand Rektor der Grundschule an der Oselstraße in München-Pasing, hat das Verdienstkreuz am Bande der Bayerischen Staatsregierung erhalten. Vorgeschlagen wurde er von der MLLV-Vorsitzenden Waltraud Lucic. Ohne den BLLV im Rücken wäre nicht nur die Auszeichnung, sondern auch der nachhaltige Erfolg seines Engagements nicht denkbar gewesen, sagt er. Mehr dazu im BLLV-Interview. 

 

Herr Marek, was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Ich betrachte sie als ehrenvollen Abschied aus meiner aktiven Dienstzeit und als Anerkennung meiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit im BLLV. Ich war über die Auszeichnung überrascht, denn ich bin niemand, der sich mit Blick auf eine mögliche öffentliche Anerkennung engagiert. Zu verdanken habe ich das Verdienstkreuz auch der großen Unterstützung durch die Kollegen im Schuldienst, dem BLLV und nicht zuletzt meiner Familie.

 

Man kennt Sie als Initiator der Kerschensteiner Medaille oder für Ihren Widerstand gegen die 6-stufige Realschule in den 1990er Jahren. Worin sehen Sie selbst Ihre größten Erfolge als Mitgestalter bayerischer Bildungspolitik?

Mit Blick auf Bayern würde ich sagen, war die Einführung einer mobilen Reserve an den Schulen ein großer Erfolg. Das war noch zu Zeiten von Albin Dannhäuser als BLLV-Präsident, ich war damals noch Junglehrer und engagierter Mitverfechter dieser Idee. Schon damals gab es genug junge Kollegen, die nicht sofort auf eine feste Stelle kamen, genauso wie es auch damals schon Personalengpässe in den Schulen gab. Daran, dass der Bedarf an mobiler Reserve seitdem nicht nachgelassen hat, sieht man, dass wir mit dieser Innovation damals richtig lagen.  

 

Mit Blick auf München würde ich mein ehrgeiziges Bestreben nennen, den Kollegen in der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern gegenüber eine Stimme zu geben. München hat als Großstadt eine besonders komplexe Sozialstruktur, ein Beispiel ist die hohe Zahl an Schülern mit Migrationshintergrund. Auch der Anteil der Schüler, die auf eine Mittelschule gehen, liegt nicht wie im bayernweiten Durchschnitt bei 40 Prozent, sondern weit darunter bei nur 15 bis 20 Prozent. Vor diesem Hintergrund war es mir ein Anliegen, für mehr Wertschätzung für die Hauptschulen zu werben und die Schüler stark zu machen. Auch der heutigen Mittelschule muss ein besonderes Augenmerk gelten.

 

Wie kann man angehende Lehrer heute für den Einsatz an der Grund- und Mittelschule begeistern?

Man muss Kinder und Jugendliche mögen, auch wenn diese die Schule nicht immer mögen. Der Beruf erfordert eine hohe Sozialkompetenz, die man nicht erst im Studium erwerben kann. Man muss Teamplayer sein. Wer gut im Team arbeitet, kann sich übrigens über den Rückhalt des Teams in Zeiten mit hohem Stressaufkommen auch gut entlasten. Lehrer sein ist ein hochanstrengender Traumberuf.

 

Was hat Sie damals an die Grundschule geführt?

Ich wollte Klassenlehrer sein, ich wollte mich einer Gruppe von Schülern zuwenden. Die Schüler waren mir immer wichtiger als der Stoff. Heute kommt etwas Drittes hinzu: Man muss der jeweiligen Individualität des einzelnen Schülers noch mehr als früher gerecht werden. Damit kommt auch der Persönlichkeit des Lehrers eine neue Bedeutung zu.

 

Mehr zur Person Christian Marek lesen Sie hier



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