09. Dezember 2016

Hildegard Hamm-Brücher - Kämpferin für eine starke Demokratie

Politikerin ist im Alter von 95 Jahren gestorben

Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Das Bild wurde 2012 bei einer BLLV-Veranstaltung aufgenommen.

Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Mit ihr verlieren wir eine der profiliertesten Politikerinnen der Nachkriegszeit und eine starke Kämpferin für Demokratie und Toleranz. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus haben sie tief und nachhaltig geprägt. Sie war wohl eine der letzten, die die Geschwister Scholl noch persönlich kennengelernt hatte. Ihre tiefste Überzeugung: Nie wieder sollten (junge) Menschen zusehen, wie die Demokratie ausgehöhlt, geschwächt und kaputt gemacht wird. Als sie mit 25 Jahren in die Politik eintrat, war ihr größtes Bestreben, am Aufbau einer stabilen Demokratie mitzuwirken, die geprägt ist von Gerechtigkeit, Freiheit und den Werten und Ideen der Aufklärung. Ihr politisches Wirken fand auf allen politischen Ebenen statt, vom Stadtrat in München, über die Arbeit im Bayerischen Landtag, als Staatssekretärin im hessischen Kulturministerium und im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und als Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

 

Von den 95 Jahren ihrer Lebenszeit hat sie über sechs Jahrzehnte Kontakte zum Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) gepflegt. Seite an Seite kämpfte Hildegard Hamm-Brücher und Ehrenpräsident Wilhelm Ebert leidenschaftlich und gegen massive Widerstände hier in Bayern gegen Klerikalismus und kirchliche Intoleranz. Seitdem war sie dem BLLV immer verbunden. Dabei war sie nicht immer einer Meinung mit dem BLLV, schätzte jedoch die große Unabhängigkeit und Geradlinigkeit des Verbandes und seine Bemühungen um die Schaffung einer „Demokratischen Erziehungsschule“. Die Kooperation mit dem BLLV wurde unter der Präsidentschaft Albin Dannhäusers fortgesetzt und noch einmal intensiviert, als sie 1990 gemeinsam mit Andreas Flitner, Peter Fauser und mir das „Förderprogramm Demokratisch Handeln“ gründete. Dieses Programm unterstützt Kinder und Jugendliche, die innerhalb und außerhalb der Schule politische Impulse setzen und demokratiepädagogische Projekte organisieren und reflektieren. Als Zeichen der besonderen Anerkennung demokratischen Engagements stiftete Hildegard Hamm-Brücher 2009 den nach ihr benannten Preis, der seitdem einmal jährlich an prominente Persönlichkeiten und an Schulen verliehen wird.

 

Zwei Wochen vor ihrem Tod habe ich Hildegard Hamm-Brücher in einem Schreiben versichert, dass sich der BLLV auch weiterhin mit aller Kraft für eine starke Demokratie einsetzen wird, wobei ich als Belege das Manifest HALTUNG zählt und die Gründung einer Arbeitsgruppe „Demokratiepädagogik“ genannt habe. Wir alle verlieren mit Hildegard Hamm-Brücher in dieser schwierigen Zeit ein großes Vorbild in demokratischer Zielstrebigkeit und liberaler Unerschrockenheit. Wir werden Hildegard Hamm-Brücher ein ehrendes Gedenken bewahren. Klaus Wenzel 

 

 

 



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