3. Juli 2012

BLLV lehnt teilweise Wiedereinführung des G9 ab

Erneute unausgegorene Reform würde weiter verunsichern

Die angedachte Wiedereinführung des G9 parallel zum G8 löst die Probleme nicht. Eine erneute Reform würde Eltern, Schüler und Lehrer weiter verunsichern. BLL-Präsident Klaus Wenzel fordert eine grundlegende Reform des Gymnasiums.

 

Pressemitteilung vom 03. Juli 2012

 

Die von CSU-Ministerpräsident Seehofer und vom Bayerischen Philologenverband in die Diskussion gebrachte teilweise Wiedereinführung des G9 bezeichnete Klaus Wenzel, Präsident des BLLV, als „Kartoffelpolitik“. Es ist unzumutbar, dass die Schulpolitik inzwischen nach dem Motto „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ gemacht wird. Die übereilte Einführung des G8 war ein Fehler, wie heute alle wissen. Ein noch größerer Fehler wäre es, in das Gymnasium durch eine weitere Eilreform noch mehr Unruhe zu treiben. Die große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer sieht in einer teilweisen Wiedereinführung des G9 keinen sinnvollen Weg für das bayerische Gymnasium.

 

Entschleunigung und Entrümpelung nötig
Der BLLV-Präsident forderte erneut eine konsequente Überarbeitung und Entlastung der Lehrpläne am G8 und eine stärkere Orientierung an kompetenzorientiertem Lernen. Es gehe um eine Entschleunigung für Schüler und Lehrer und um mehr Nachhaltigkeit. Die überstürzte teilweise Wiedereinführung des G9 würde nach seiner Einschätzung zu unzumutbaren Zuständen an den Gymnasien führen. Wenzel: „Wer soll solche Schulen denn noch sinnvoll organisieren? Eine erneute Strukturänderung am Gymnasium führt zu großem Unmut bei den Lehrerinnen und Lehrern und zu großer Verunsicherung bei den Schülern und Eltern. Das ist keine Antwort auf die Probleme des G8, sondern sie wird das Reformchaos noch weiter treiben.“ Hinzu kommt, dass es an Ressourcen und Lehrerplanstellen fehle. Die durch die Einführung des G8 eingesparten Stellen wurden nicht am Gymnasium belassen, sondern  vor einem Jahr teilweise an die Universitäten verlagert. 

 

Heftig kritisierte Klaus Wenzel eine Schulpolitik, die ohne übergeordnete bildungspolitische Perspektive handelt. Der BLLV-Präsident forderte eine  Entschleunigung des Lernens im G8 und die Überführung des Gymnasiums in eine qualitätsvolle, gebundene Ganztagsschule. 

 

Für G9 wären mehr Lehrkräfte nötig
Der BLLV-Präsident: „Wir können es weder der Schulverwaltung noch den Schülern, Lehrern und Eltern zumuten, dass alle zehn Jahre eine neue unausgegorene Systemveränderung durchgeführt wird. Wir brauchen eine innere Reform des Gymnasiums und keine billige Strukturdiskussion. Und vor allem brauchen wir eine entsprechende personelle Ausstattung. Es ist völlig ungeklärt, wie eine erneute Aufstockung mit G9-Zügen bei der jetzt schon angespannten Personalsituation finanziert werden soll. 

 

Eine Einführung von zwei unterschiedlich langen Gymnasialformen würde zudem dazu führen, dass die Realschulen und Mittelschulen an Akzeptanz und Anerkennung verlören: „Dann hätten wir an den Gymnasien alleine das zweigliedrige Schulsystem, wie es in allen anderen Bundesländern eingeführt wird. Eine andere Schulart sei in einem solchen System eigentlich nicht mehr notwendig, das Gymnasium wäre die Schule für alle.“ Aus Sicht des BLLV gelte es, neben dem Gymnasium eine attraktive weitere Schule zu schaffen, die für alle, die nach der 10. Klasse das Abitur anstreben, eine ausgebaute dreijährige Oberstufe anbietet. An einer solchen Schule könnte dann stärker anwendungsorientiertes Lernen in den Mittelpunkt gestellt werden. Dies wäre eine sinnvolle und akzeptable Alternative zum Gymnasium.