29. November 2011

500 Schulen vor dem Aus?

BLLV stellt Studie mit alarmierenden Prognosen vor

Leere Klassenzimmer könnten bald vielerorts ein gewohntes Bild werden. Ländlichen Regionen droht ein Schulsterben, sollten neue Schulmodelle weiterhin nicht genehmigt werden. Das geht aus der neuen BLLV-Studie "Zukunft der wohnortnahen Schule" vor.

Dem ländlichen Raum in Bayern droht ein beispielloses Schulsterben, wenn es beim dreigliedrigen Schulsystem mit Hauptschule bleibt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Diese weist nach, dass bis zum Jahr 2015 fast ein Viertel und bis zum Jahr 2030 mit mehr als die Hälfte aller heute noch bestehenden 1.075 Haupt- und Mittelschulstandorte wegbrechen werden. Besonders stark vom Schulsterben betroffen sind die kleinen Schulen auf dem Land.

 

Gründe für diese alarmierende Entwicklung sind der demografische Wandel und das Schulwahlverhalten. „In unserer Studie wird erschreckend schnell klar, dass die Schullandschaft erheblich ausdünnen wird, wenn das Kultusministerium keine Alternativen zulässt. Die Folge wird eine zentralisierte Schulstruktur mit allen negativen Folgen sein“, erklärt  BLLV-Präsident Klaus Wenzel.

 

Die BLLV-Studie mit dem Titel „Die Zukunft der wohnortnahen Schule in Bayern“ untersucht, was im Freistaat mit Schulstandorten geschieht, wenn am dreigliedrigen Schulsystem festgehalten wird oder aber Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen zusammengeführt werden könnten. Die dritte Variante beschreibt die Situation, wenn eine gemeinsame Schule vor Ort etabliert werden dürfte. Die drei möglichen Szenarien wurden für sämtliche Schulstandorte in allen 25 kreisfreien Städten und 71 bayerischen Landkreisen durchgespielt. „Die Untersuchung steht ab sofort allen interessierten Landkreisen, Städten und Gemeinden zur Verfügung“, erklärte Wenzel.

 

Neue, bislang verbotene Schulmodelle könnten viele Schulen retten
Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Auch die Einführung von Mittelschulen kann ein weiteres Schulsterben nicht aufhalten. „Sie haben keinen Einfluss auf das Schulwahlverhalten. Durch die Umetikettierung von Haupt- in Mittelschulen wurde jedenfalls kein einziger zusätzlicher Schüler gewonnen, sagt Wenzel.  Der Chef des BLLV appelliert an das Kultusministerium, ideologische Barrieren zu überwinden: „Landkreise, Städte und Gemeinden brauchen Lösungen, um die schul- und bildungspolitische Krise zu überwinden, möglichst viele Schulstandorte möglichst lange halten und attraktive Schulangebote wohnortnah anbieten zu können.“ 

 

Umgekehrt weist die Studie nach, dass sich Hunderte Schulstandorte sichern lassen, wenn Schüler alternative Schulmodelle besuchen dürfen und nicht auf verschiedene Schularten verteilt werden müssen. „Entscheidend ist, dass die Gemeinden gestalten und passgenaue Konzepte etablieren dürfen.“

 

Wenzel fordert das Kultusministerium auf, rasch Maßnahmen einzuleiten, um möglichst viele der noch bestehenden Schulstandorte halten zu können. Dazu sei es auch erforderlich, Schulmodelle zu zulassen, die derzeit aus ideologischen Gründen verboten seien. „Andere Bundesländer machen uns bereits vor, wie dieser Prozess gelingen kann. Wir müssen aufpassen, dass wir schulpolitisch nicht abgehängt werden.“

 

»Ergebnisse der Studie (ausführliche Darstellung) 
»Ergebnisse als Flash-Animation
»Wo droht eine Schließungswelle? Prognose für jeden Bezirk und Landkreis
»Themen-Spezial: Die Zukunft der wohnortnahen Schule

 

 

 

Die Studie im Überblick

Zusammenfassung:
2009 weist die Statistik noch 1.075 Hauptschulen in Bayern aus. Demografischer Rückgang und vermehrte Übertritte in Realschulen und Gymnasien werden bewirken, dass 2015 an rund 250 Schulen (23%) keine siebten und achten Klassen mehr gebildet werden können. Diese Schulen sind akut von Schließung bedroht. 2020 wird die Zahl der Schulschließungen auf knapp 400 (37%) anwachsen und 2030 mehr als 500 betragen (48%).

 

In Oberbayern ist die Situation noch relativ günstig: dort werden bis 2020 von 311 ehemaligen Hauptschulen 93 zu schließen sein (30%). Dramatischere Formen nehmen die Schulschließungen bis 2020 in der Oberpfalz mit 51 Schulen (45%), in Unterfranken 63 Schulen (47%) und in Oberfranken mit 50 Schulen (50%) an. In Oberfranken wird es bis 2030 zu weiteren Schließungen kommen, so dass von ehemals 101 Hauptschulen 2030 noch 31 Schulen übrig bleiben, acht davon in den vier kreisfreien Städten, 23 in den neun Landkreisen, wo 2009 noch 84 Hauptschulen bestanden.

 



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