21. Juni 2012

Gute Unis brauchen gute Lehrer

Passaus Uni-Präsident will Lehrerbildung verbessern

Die Lehrerbildung an den Hochschulen fristet vielerorts ein stiefmütterliches Dasein. Das will der BLLV ändern und Bayerns Hochschulrektoren für den Stellenwert der Lehrerbildung sensibilisieren. Den Auftakt zur Gesprächsreihe bildete ein Treffen mit den Verantwortlichen der Uni Passau.

 

Dass die Lehrerbildung eher ein Schattendasein führt, hat einen einfachen Grund. Anders als zum Beispiel die Naturwissenschaften taugt die Lehrerbildung nicht für Veröffentlichung in prestigeträchtigen wissenschaftlichen Publikationen. In den Augen mancher Hochschulverantwortlichen trägt sie dadurch weder zum Renommee einer Universität bei noch kann man mit ihr Drittmittel einwerben.

 

Gute Lehrer - gute wissenschaftlicher Nachwuchs
„Ohne gute Lehrer gibt es aber keine guten Schüler, die später gute Studenten oder wissenschaftliche Nachwuchskräfte werden könnten, die wiederum mit ihren Leistungen zum Ruf einer Hochschulen beitragen“, sagt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Mit seinem Wunsch, der Lehrerausbildung einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, stieß er bei Passaus Hochschulpräsident Prof. Dr. Burkhard Freitag auf offene Ohren. „Prof. Freitag legte ein klares Bekenntnis zur Lehrerbildung ab. Er hat die Bedeutung einer guten Lehrerausbildung für seine Uni erkannt. Für ihn ist sie eine Selbstverständlichkeit.“

 

Wenzel war zusammen mit Dr. Klaus Wild, der sich gemeinsam mit Simone Fleischmann im BLLV um die Lehrerbildung kümmert und BLLV-Hochschulreferentin Catrin Seegerer nach Niederbayern gefahren, um sich mit Prof. Freitag und Dr. Dirk Uffelmann, Vizepräsident für Lehre und Studium an der Uni Passau, auszutauschen. Gesprächspunkte waren unter anderem die Modularisierung, die Berufsfeldorientierung und Eignungsfeststellung sowie die Verzahnung von Fachwissenschaft und Didaktik. 

 

Uni Passau regt Zusammenarbeit mit BLLV an
Einig waren sich beide Seiten darin, das man das Nebeneinander von Fachwissenschaft und Didaktik aufbrechen und beide Disziplinen besser miteinander vernetzen müsse. Die BLLV-Delegation diskutierte mit Prof. Freitag auch über die enorme Arbeitsbelastung für die Studenten, die die Modularisierung mit sich gebracht hat, und wie man das Studium entzerren und flexibler gestalten könnte. Eine Reduzierung des Stoffumfangs sah Prof. Freitag aber kritisch. Er betonte, dass Studienanfänger immer weniger Grundwissen mitbrächten. Angesichts der zunehmenden Arbeitslosigkeit unter Jungelehrern sprach er sich dafür aus, Studium und Praktika so zu gestalten, dass sich den Absolventen damit auch andere berufliche Perspektiven eröffneten.

 

Im Gespräch regte Freitag mehrfach eine Zusammenarbeit von BLLV und Universität Passau im Bereich der Lehrerbildung an. Konkrete Projekte vereinbarten beide Seiten aber zunächst noch nicht. 

 

 

Hintergrund: 
Die Lehrerausbildung krankt zurzeit an vielen Stellen. Die Modularisierung hat weder zur erhofften Vergleichbarkeit von Studienleistungen noch zu einer Verkürzung der Studiendauer geführt. Das Studium ist stark verschult und im Ablauf wenig flexibel organisiert. Nach wie vor orientieren sich die Studiengänge inhaltlich zu wenig an den berufpraktischen Erfordernissen, die Didaktik spielt gegenüber der Fachwissenschaft noch immer eine untergeordnete Rolle und die Auswahl und Gewinnung der für das Lehramt geeigneten Studenten ist weiter eine offene Frage. Zudem ist inhaltliche Vergleichbarkeit der Studiengänge, ehemals das große Ziel der Modularisierung und des Bologna-Prozesses, nicht erreicht worden. Bei einem Wechsel der Uni müssen Studenten damit rechnen, dass Studienleistungen mitunter nicht anerkannt werden. Im Laufe der nächsten Monate wird der BLLV Gespräche mit den Präsidenten und Rektoren der bayerischen Universitäten führen, um sie auf diese Probleme hinzuweisen und mit ihnen nach Lösungen zu suchen.