7. April 2017

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann zum Bildungspaket

Kommentar


Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnet es als „historische Generationen-Entscheidung“ und Kultusminister Ludwig Spaenle spricht von einer Reform, die „ein Vierteljahrhundert trägt“.

Das Bildungspaket, das die CSU am Mittwochabend (5.4.17) beschlossen hat, ist da. Doch hält es, was die beiden Politiker so vollmundig ankündigen?

Beim Lesen des 12-seitigen Konzeptes mit dem Titel: „Bildungspaket - Für Bildung begeistern! Fördern, Fordern, Forschen“ komme ich schnell zu dem Schluss, dass Anspruch und Realität weit auseinanderklaffen.

Freilich: Die Botschaften des BLLV sind angekommen. Die CSU hat verstanden, dass Bayerns Schulen Hilfe brauchen. Schulleitungen erhalten etwas mehr Leitungszeit und werden mit mehr Verwaltungsangestellten gestärkt. Neue Stellen für Grund- und Mittelschulen sollen die Löcher stopfen. Auch an die Förderzentren und den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst wurde gedacht - mehr Stunden, mehr Personal. Und bei der Integration von Flüchtlingskindern an Grund-, Mittel-und Berufsschulen soll nachgesetzt werden.

Das ausgesendete Signal ist klar: Es dreht sich nicht alles ums Gymnasium. Eigentlich selbstverständlich: Wer für ein gegliedertes Schulwesen steht, muss auch für die Gleichwertigkeit der Schularten sorgen. Genau das hatte ich für den BLLV gefordert. Zuletzt im Gespräch bei Ministerpräsident Horst Seehofer.

Aber werden die im Bildungspaket zugesagten Stellen und die eine Stunde mehr Leitungszeit für die Schulleitungen reichen? Wir kennen die Antwort jetzt schon. Und sie fällt nicht positiv aus. Mit den neuen Stellen kann die höchst angespannte Unterrichtssituation womöglich mittelfristig entkrampft werden. Das Problem ist damit aber noch lange nicht vom Tisch. Die Stellen und Mittel müssen außerdem erst einmal im Haushalt umgesetzt werden. Noch sind sie nicht da.

Das Bildungspaket lässt auch viele grundsätzliche Fragen offen. Zum Beispiel die, wie der Lehrerberuf attraktiver gestaltet und aufgewertet werden kann oder wie die Kolleginnen und Kollegen, die jetzt mit vollem Engagement unterrichten, die erforderliche Unterstützung bekommen. Sie geben jetzt alles, um die „neuen Quereinsteiger“ mitzunehmen. Das belastet und kostet Kraft. Nicht wenige werden krank.

Ich fürchte, Ruhe wird an den Schulen nicht einkehren - auch nicht an den Gymnasien. In dem 12-seitigen Konzept ist an keiner Stelle die Rede von einer neuen Lern- und Leistungskultur. Im Vordergrund steht nach wie vor die Quantität und nicht die Qualität. Genau an diesem Punkt bleiben wir, der BLLV, standhaft. Wir werden nicht aufhören, für die bayerischen Gymnasien pädagogische Reformen einzufordern. Das vom BLLV ins Spiel gebrachte Modulsystem ist noch lange nicht vom Tisch.

Wir haben viele Gespräche geführt, ohne die es dieses Bildungspaket nicht gegeben hätte. Und wir werden viele weitere Gespräche führen.

Es besteht also kein Anlass zum Jubeln. Vielmehr muss sorgfältig beobachtet werden, wie das Bildungspaket konkretisiert wird, wann und wie die Neuerungen implementiert werden, ob dies effizient erfolgt und wo es hakt. Der Erfolg dieses Bildungspakets zeigt sich in der schulischen Realität. Wenn die Schülerinnen und Schüler, die Schulleitungen, die Eltern und die Lehrerinnen und Lehrer echte Verbesserungen erleben, dann ist das Bildungspaket was wert!

Simone Fleischmann
BLLV-Präsidentin

 

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