18. Juli 2017

Pauschale Aussagen vermeiden

Der BLLV stellt zehn Thesen zur Inklusion auf

Mit dem Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (2011) ist die Inklusion auch in bayerischen Schulen ein Kernanliegen. Doch deren Qualität ist umstritten und die Debatte darum wird oft ideologisch geführt. Der BLLV will dazu beitragen, die Diskussion zu versachlichen, und hat zehn Thesen aufgestellt.

 

Die zehn Thesen

Der BLLV bekennt sich zum Ziel der schulischen Inklusion und zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Der gemeinsame Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung ist elementarer Bestandteil einer guten Schule. Angesichts der aktuellen Diskussion um den Stand der schulischen Inklusion in Deutschland stellen wir fest, dass eine erfolgreiche Inklusion es erfordert, dass folgende Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt sind:

 

1. Die Vielfalt der Art und des Grades der Behinderungen macht pauschale Aussagen über die Ausgestaltung eines inklusiven Schulsystems unmöglich.

 

2. Inklusion verträgt sich nicht mit einem auf Konkurrenz ausgelegten Leistungsverständnis, wie es sich durch Zwang zur Notengebung im gegliederten Schulwesen darstellt.

 

3. Derzeit konzentriert sich Inklusion in den weiterführenden Schulen fast ausschließlich auf die Mittelschule. Es kann nicht sein, dass diese wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe ausschließlich an eine einzige Schulart delegiert wird.

 

4. Schulische Inklusion in den Regelschulen findet in Einzelfällen ihre Grenzen bei Kindern, deren individueller Förderbedarf so hoch ist, dass er dort nicht erfüllt werden kann.

 

5. Inklusion bedarf zusätzlicher Mittel und darf auf keinen Fall zur Einsparung von Ressourcen missbraucht werden.

 

6. Inklusion braucht ausreichende sonderpädagogische Kompetenz an den Regelschulen.

 

7. Inklusion braucht multiprofessionelle Teams, die kontinuierlich zusammenarbeiten und denen sowohl ausreichend Zeit als auch Strukturen zur Kooperation zur Verfügung stehen.

 

8. Schulbegleitung muss ergänzt werden durch eine qualifizierte und kontinuierlich beschäftigte Schulassistenz, die auch Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zugutekommen muss.

 

9. Inklusion braucht sowohl auf Seiten der Ministerien als auch in der Region enge Kooperation und Vernetzung zwischen Jugendhilfe und schulischem Bereich.

 

10. Inklusion verträgt sich nicht mit Besitzstandsdenken und Konkurrenz zwischen den beteiligten Institutionen und Körperschaften.

Einstimmiger Beschluss des BLLV-Landesvorstands vom 12.07.2017

 



 

Bayern vorn – auch bei der Inklusion?

Ein Kommentar von Fritz Schäffer, Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik

 

Regelmäßig liegt Bayern auf den vorderen Plätzen bei Rankings und Leistungstests der Bundesländer. Nur bei einem Thema halten wir stets das Schlusslicht in unseren Händen: wenn es um die Inklusion von Kindern mit Behinderung geht. Und genauso regelmäßig, wie das Kultusministerium (KM) sich sonst für die Triumphe über die anderen selbst feiert, erklärt es dann, dass der bayerische Weg der einzig richtige sei, was die anderen, insbesondere die Macher der verschiedenen Studien; nur noch nicht begriffen hätten. So weit, so gut, so funktioniert das rituelle Spiel der öffentlichen Debatte in der Bildungspolitik nun mal.

Doch so völlig falsch liegt das KM mit seiner Einschätzung gar nicht. Schließlich kann man sich schon fragen, ob die bloße Zahl der Kinder mit Förderbedarf, die nun eine Regelschule besuchen, allein tatsächlich viel über die Qualität eines inklusiven Unterrichts aussagt. Sicher liegt gerade in den Bundesländern, die eine kompromisslose und schnelle Auflösung des Förderschulwesens betrieben haben, vieles im Argen.

Inklusionsrate in Bayern niedriger

Das Tempo der Inklusion dort überforderte die Schulen ebenso wie die Eltern und die Schulträger. Vor allem wurde dort versäumt, die für eine erfolgreiche Inklusion notwendigen Ressourcen bereit zu stellen. Doch das heißt noch lange nicht, dass Bayern nun auch hier wieder vorne läge! Bei uns ist lediglich die Inklusionsquote deutlich niedriger, doch auch in Bayern lässt die Ausstattung der Inklusion sehr zu wünschen übrig.

Dies gilt insbesondere für die Regelschulen, die keine so genannten Profilschulen sind und trotzdem immer mehr Kinder mit Förderbedarf unterrichten. Der BLLV Landesvorstand hat deshalb in seiner letzten Sitzung Mitte Juli 2017 einstimmig zehn Thesen zur Inklusion verabschiedet, die die wichtigsten Aussagen für eine gelingende Inklusion noch einmal kurz zusammenfassen.

Hier geht's zum Standpunkt des Bayerischen Kultusministeriums

 



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