7. September 2017

Bayern diskutiert über den Lehrermangel

Warnungen des BLLV lösen breites Medienecho aus

Gut besuchtes Pressegespräch: BLLV-Präsidentin Fleischmann informiert Medienvertreter in einem voll besetzten Konferenzraum.

„Notstand an Schulen“, „Neue Wellen von Lehrermangel“ – so titelten führende Medien, nachdem der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband vor Pressevertretern am 5. September Alarm geschlagen hatte.  Der Verband hat allen Grund dazu: Der Lehrermangel hat sich zu einem dauerhaften Problem mit langfristigen Folgen entwickelt.

 

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Das Schuljahr hat noch nicht einmal begonnen, doch der Personalnotstand ist abzusehen. „Die Lehrerstunden werden auch in diesem Jahr zum Schulbeginn für den regulären Unterricht gerade noch reichen. Sobald aber Krankheiten eintreten, kommt es sofort zu Unterrichtsausfällen“, warnte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kurz vor Beginn des Schuljahres gegenüber Medienvertretern. „Die Unterrichtsversorgung für 2017/2018 ist nicht gesichert“, stellte sie fest.

 

Seehofer räumt Probleme ein

Zwar schafft der Freistaat Stellen, kann sie aber nicht mehr alle besetzen. Das räumte vergangene Woche Ministerpräsident Horst Seehofer bei einem Wahlkampfauftritt ein. Kultusminister Spaenle habe ihm berichtet, „dass wir an der Anschlagkante sind mit der Integration von Migrationskindern. Denn wir bekommen ja teilweise gar nicht mehr die Lehrer“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Ministerpräsidenten. Auf der anderen Seite stehen junge Realschul- und Gymnasiallehrkräfte arbeitslos auf der Straße.

 

Steigende Schülerzahlen verschärfen die Situation

Der Lehrermangel wird nicht nur das Schuljahr 2017/18 begleiten. Er hat sich zu einem langfristigen Problem entwickelt und gefährdet damit die Bildungsqualität. Das belegt die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Entwicklung der Schülerzahlen. Demnach sollen 2025 bereits vier Prozent mehr Kinder als bislang angenommen die Schulbank drücken, 2030 sogar acht Prozent. Damit sind alle bisherigen Prognosen und Personalplanungen hinfällig.

 

„Lehrerinnen und Lehrer reißen sich seit Jahren alle Haxn‘ aus, damit der Notstand nicht zu Lasten der Kinder geht. Sie sind für mich Helden des Alltags.“ Simone Fleischmann

 

BLLV: Langfristige Bildungs- und Personalplanung statt "Flickschusterei"

Für den BLLV ist dies Anlass, Gesellschaft und Politik wachzurütteln und zum raschen Handeln zu bewegen. Beim Pressegespräch appellierte die Präsidentin Fleischmann an die Verantwortlichen im Kultusministerium und in der Politik, den Personalbedarf langfristig über die Legislaturperiode hinaus zu planen. Denn die derzeitige Vorgehensweise sei „Flickschusterei“. „Lehrerinnen und Lehrer reißen sich seit Jahren alle Haxn‘ aus, damit der Notstand nicht zu Lasten der Kinder geht“, sagte Fleischmann. „Sie sind für mich Helden des Alltags.“. Die Verwaltung dieser Mangelsituation gehe auf Kosten des pädagogischen Personals und auf Kosten der Schülerinnen und Schüler.

 

Um die Situation kurzfristig zu verbessern, forderte Fleischmann:

  • Zahl der Mobilen Reserve deutlich aufstocken
  • Integrationshelfer, die geflüchteten Kindern zur Seite stehen

 

Langfristig wirkende Maßnahmen:

  • Vorausschauende, langfristige und flexible Personalplanung
  • Lehrerberuf für junge Menschen attraktiver machen – insbesondere durch eine reformierte Lehrerbildung, die ein leichteres Wechseln der Schulart ermöglicht
  • Besoldungsstufe A13 für Lehrerinnen und Lehrer an Grund- und Mittelschulen
  • deutlich mehr Fachkräfte für Inklusion, die beispielsweise in multiprofessionellen zusammenarbeiten

 

In einem Jahr ist Landtagswahl

Die Medien haben auf das Pressegespräch mit einer umfangreichen Berichterstattung reagiert und die Vorschläge und Forderungen des BLLV breit kommuniziert. Nun ist die Politik am Zuge. „In einem Jahr ist Landtagswahl. So lange haben Ministerpräsident Seehofer und Kultusminister Spaenle noch Zeit, um nachhaltige Verbesserungen auf den Weg zu bringen", sagte Fleischmann.

 

 

Medienecho (Auswahl):

 

Reaktion des Kultusministeriums:

Pressemitteilung vom 5. September

 

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