5. Juli 2017

„Wir sind kein Freiwild“

 

Mit der Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ macht die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) auf das Thema Gewalt gegen Beamte aufmerksam. Betroffene können anonym von ihren Erlebnissen berichten. Das Ziel dieser preisgekrönten Kampagne ist, Übergriffe transparent zu machen, das Thema aus der Tabuzone zu holen und so den dringenden Handlungsbedarf noch stärker zu verdeutlichen. 

„Ich war sechseinhalb Jahre an der Front, in der Zulassungsstelle – dort, wo Leute oft grundlos ausrasten.“ Mit diesen Worten eröffnete Moritz Pelzer von der dbb jugend nrw eine Diskussionsrunde zum Thema, die Ende April in Bergisch Gladbach stattfand. Auf dem Podium saßen neben der BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann auch der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, der Medienpädagoge Matthias Felling und Wiltraud Terlinden, die Leiterin des Forums Demokratie Düsseldorf. Die dbb jugend nrw unterzeichnete auch das Manifest HALTUNG ZÄHLT, mit dem sich der BLLV für eine demokratische, gewaltfreie Gesellschaft einsetzt.

Bei der Podiumsdiskussion wurde über die verheerende Wirkung von Beschimpfungen gesprochen. „Uns geht es um Nötigung und Beleidigung. Wir sind kein Freiwild für Bürgerinnen und Bürger. Wir sind kein Opferlamm“, sagte die Vorsitzende der dbb jugend Sandra Kothe. „Worte können mehr anrichten als einen einzelnen tief zu verletzen. Worte prägen unsere Wahrnehmung“, stellte der Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Franz-Josef Lersch-Mense, fest. Eine Minderheit könne den Ton so vergiften, dass andere Meinungen untergehen.

Von Schmähungen berichtete auch Wolfgang Bosbach. Von 10.000 Zuschriften, die Bosbach im Jahr erhalte, sei zwar nur ein kleiner Teil beleidigend. „Dort aber lese ich Vokabeln, von denen ich vorher nicht wusste, dass es sie gibt.“

Der Medienpädagoge Matthias Felling berichtete von einer Methode, die Schülerinnen und Schüler für verbale Gewalt sensibilisieren soll: „Ich habe in der Klasse Zettel mit schlimmen Wörtern verteilt, die die Schüler erst für sich lesen sollten.“ Da hätten noch einige gegrinst. Danach forderte er die Schüler auf, die Wörter laut vorzulesen. Das sei den Kindern und Jugendlichen schon schwerer gefallen. Was Gewalt bedeutet, wurde dann allen bei der dritten Aufgabe klar: Sie sollten sich in Zweiergruppen die Begriffe direkt ins Gesicht sagen. Viele schreckten davor zurück. Genau darin liege der Unterschied zur anonymen Hate Speech, die in Netzwerken und Foren die Runde mache, sagte Felling.

Die BLLV-Präsidentin betonte noch einmal die Bedeutung der Demokratieerziehung an den bayerischen Schulen. „Wir sind mehr denn je aufgerufen, die Demokratie gemeinsam mit den Schülern zu schützen“, sagte Simone Fleischmann. Zuletzt hatte Fleischmann
am 22. Juni 2017 das Bayerische Kultusministerium aufgefordert, durch eine systematische Erfassung von Gewalttaten gegen Lehrkräfte für mehr Transparenz zu sorgen.

Wer über persönliche Erfahrungen sprechen möchte, kann sich anonym unter
www.angegriffen.info an der Kampagne der dbb jugend nrw beteiligen.


Mehr zum Thema

Bundesinitiative zur Strafverschärfung bei Angriffen gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes

Entwurf eines Strafrechtsänderungsgesetzes

Studie Gewalt gegen Lehrkräfte

Manifest: HALTUNG ZÄHLT

Stop Hate Speech

Deutschlandfunk: HALTUNG ZÄHLT - Diskussion mit Simone Fleischmann

SWR: Gewalt gegen Lehrer

ARD: Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

taz: Gewalt gegen Lehrer




Suche

Services/Hilfe

Seminare für angehende Referendare

Sie beginnen im September das Referendariat? Dann kommen Sie zu unseren Dienstanfängerseminaren! Weitere Informationen