22. November 2017

Digitales Lernen: Auf die Lehrkraft kommt es an – auch in Zukunft

Zur Studie der bayerischen Wirtschaft

Lernen ohne Lehrkraft? Wohl eher nicht. Lehrerinnen und Lehrer werde auch in Zukunft unersetzlich sein.

Digitale Medien allein machen noch keinen guten Unterricht aus. Auf die Lehrkraft kommt es an. Das sieht auch Bayerns Wirtschaft so und setzt die Staatsregierung unter Druck.

 

Von Birgit Dittmer-Glaubig*

 

Eine neue Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft bringt es auf den Punkt: Eine gute Ausstattung von Schulen mit digitaler Medientechnik ist wichtig, aber ohne eine Lehrkraft, die damit umzugehen weiß, ist das alles nichts. Damit bestätigt die Untersuchung die Ergebnisse der BLLV-Lehrerbefragung, die der Verband im Herbst 2016 veröffentlichte. Auch in Zukunft wird die Kompetenz von Lehrerinnen und Lehrern über den Lernerfolg entscheiden. So sah es damals die überwältigende Mehrheit der BLLV-Mitglieder.

 

Technische Hemmnisse
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich längst auf den Weg gemacht, die Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen. Sie wollen die Möglichkeiten des digitalen Lernens nutzen. Doch sie kämpfen mit zahllosen Hemmnissen. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Auch wenn die Zufriedenheit von Lehrkräften mit der technischen Ausstattung ihrer Schulen zugenommen hat, wie die vbw-Untersuchung suggeriert, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch ein weiter Weg ist, bis interaktives Lernen mit digitalen Medien allgemein üblich geworden ist.

 

Dafür bräuchten wir nicht nur viel mehr mobile Endgeräte wie Tablets an den Schulen, sondern auch eine zuverlässig funktionierende IT-Infrastruktur und eine optimale technische und medienpädagogische Betreuung. Auch das zeigt die vbw-Studie auf.

 

Fehlende Fortbildungen
Im Lernen mit digitalen Medien steckt Potenzial. Sie können uns helfen, Unterricht zu individualisieren und Lernangebote auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers zuzuschneiden. Lehrerinnen und Lehrer müssen allerdings im Umgang damit geschult werden. Nur dann können sie die darin steckenden Möglichkeiten ausschöpfen. Der Freistaat muss deshalb massiv in die Aus- und Fortbildung investieren. Das fordert der BLLV, und jetzt verlangt das auch die bayerische Wirtschaft.

 

Digitalisierung kein Allheilmittel
Die Digitalisierung ist für uns Lehrerinnen und Lehrer aber nicht so nebenbei zu stemmen. Dazu brauchen wir Zeit. Zeit, um das Neue zu erlernen und in der Praxis zu vertiefen. Zeit in Form zusätzlicher Ressourcen.

 

Wir brauchen auch Zeit für unsere Schüler. Schließlich geht es beim digitalen Lernen nicht nur um die Vermittlung von Wissen. Digitale Medien werden eine Lehrkraft niemals ersetzen können, denn Lernen hat sehr viel mit der Gestaltung von Beziehungen zu tun. Eine Herausforderung wie die Inklusion wird sich nicht mit Tablets und Smartphones bewältigen lassen. Das sollten alle, die in digitalen Medien ein Allheilmittel sehen, bedenken. Deshalb wird es auch in Zukunft auf die Lehrkraft ankommen. Mehr noch als jetzt.

 

*Birgit Dittmer-Glaubig ist Leiterin der BLLV-Abteilung Berufswissenschaft

 

 

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