Schlechtere Noten für Lehrerinnen: Beurteilungspraxis in der Kritik
BLLV fordert Reform statt Verschiebung der Verantwortung
Lehrerinnen kommen bei der Dienstlichen Beurteilung schlechter weg als ihre männlichen Kollegen. Der Bayerische Landtag will das ändern und nimmt jetzt die Schulleiter in die Pflicht. Diese sind aus Sicht des BLLV aber selbst Opfer eines Systems, das grundlegend reformiert werden müsste.
Das Problem ist ein altbekanntes: Seit Jahrzehnten werden Lehrerinnen im Zuge der Dienstlichen Beurteilung schlechter benotet als Männer. Eine Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag hatte dies im Sommer erneut zu Tage gefördert. Das Kultusministerium musste damals nicht nur Unterschiede in der Bewertung zwischen den Geschlechtern einräumen, sondern auch zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Wer in Teilzeit arbeitet, kommt also ebenfalls schlechter weg, und das betrifft mehrheitlich Frauen.
Die Fraktionen im Bayerischen Landtag wollen nun für mehr Gerechtigkeit sorgen und haben Maßnahmen auf den Weg gebracht, um bis 2014 die Schieflage zu beseitigen.
In der Pflicht sehen sie vor allem die Schulleiter. Diese sollen stärker auf die Gleichbehandlung achten und müssen künftig in Übersichten darlegen, wie Männer und Frauen sowie in Vollzeit- und Teilzeit tätige Lehrkräfte an ihrer Schule beurteilt werden. Die Beurteilung wird nicht mehr allein der Schulleiter vornehmen, sondern erweiterte Schulleitungsteams kümmern sich um das Verfahren. Bei Auffälligkeiten müssen die Schulleiter darlegen, wie die Beurteilungen zustande gekommen sind.
Auch weibliche Chefs geben keine besseren Noten
Aus Sicht des BLLV werden für die Ungleichbehandlung die Falschen in die Haftung genommen. „Schulleitern wird erneut mehr Verantwortung zugeschoben, ohne ihnen die dafür notwendigen zeitlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen“, kritisiert BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Er weist darauf hin, dass die schlechtere Bewertung von Frauen seit Jahrzehnten Tradition hat. Dies sei schon der Fall gewesen, als noch die Schulverwaltungen dafür zuständig waren und hat sich, seitdem die Beurteilung in die Hände von Schulleitern gelegt wurde, nicht gebessert. Wenzel: „Es ist keiner Lehrerin damit geholfen, dass dieses Problem hin- und hergeschoben wird. Das Problem muss gelöst werden“.
Die Beurteilungen fallen offenbar auch dann nicht anders aus, wenn Schulleiterinnen sie vornehmen. Im Grund- und Mittelschulbereich ist Wenzel zufolge mittlerweile fast jeder zweite Rektor weiblich. An den im Durchschnitt schlechteren Bewertungen von Lehrerinnen hat sich dennoch nichts geändert.
Schulleitung müsste anders organisiert werden
Klaus Wenzel macht dafür das System verantwortlich. Für eine vernünftige Personalführung und -entwicklung fehlten Schulleitern schlicht die Ressourcen. „Sie müssten dafür weitestgehend vom Unterricht freigestellt sein, damit sie Zeit für kollegiale Begegnungen, ausführliche Fachgespräche und professionelle Reflexionsprozesse haben“, fordert der BLLV-Präsident. Nur so könne man die Stärken und Schwächen einer Mitarbeiterin feststellen und sie gezielt fördern. Zurzeit sei die dienstliche Beurteilung aber eine Aufgabe, die man den Rektoren zusätzlich aufgebürdet habe, ohne ihnen die nötige Zeit dafür zur Verfügung zu stellen.
Wie der Landtag das Problem der Ungleichbehandlung zu lösen versucht, zeigt nach Wenzels Meinung, dass das Konzept der eigenverantwortlichen Schule allmählich zum Sparmodell verkommt. „Sie bringt Schulleitern keine Entlastung, sondern nur Schwierigkeiten.“


