20. April 2015

Das Gymnasium braucht Reformen - keine neue Pleite

BLLV-Präsident Wenzel stellt Grundzüge des BLLV-Gymnasialkonzepts vor und fordert rasche Umsetzung



Pressemitteilung - Der BLLV hat sein Konzept für ein Gymnasium der Zukunft vorgestellt. Es umfasst Änderungen im Lehrplan, in der Fächerstruktur und der Abiturprüfung. Schwerpunkt der BLLV-Reformpläne bilden neben dem Ausbau der individuellen Förderung aller Schüler eine Reduzierung der Fächerzersplitterung in der Mittelstufe, eine völlig neu konzipierte Prüfungskultur sowie Korrekturen in der Lehrerbildung. Er mache sich große Sorgen um die Qualität des bayerischen Gymnasiums, erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel, der das Konzept bei einer Pressekonferenz in München vorstellte. Er forderte das Kultusministerium auf, endlich mutige Schritte zu gehen und echte pädagogische und didaktische Reformen zuzulassen sowie in Modellversuchen zu erproben. Das Kultusministerium habe im Herbst als Ergebnis des Dialogprozesses vier Säulen einer Reform verkündet. Bisher fehle für die Säulen Pädagogik, Lehrplan und Lehrerbildung jede Konkretisierung. „Nach dem, was wir über den heute veröffentlichten Entwurf für den Lehrplan plus schon sagen können, wurde hier die versprochene Stoffreduzierung nicht im erforderlichen Umfang konsequent genug umgesetzt. Es wird Zeit, dass das Kultusministerium liefert und nicht nur ankündigt“, so der BLLV-Präsident.

 

Aus Sicht des BLLV müssen in einem erfolgreichen Gymnasium alle Schülerinnen und Schüler individuell gefördert werden. Die Intensivierungsstunden sollten daher zu stärker individualisierten Angeboten weiterentwickelt und die individuelle Lernzeit ausgebaut werden. Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sieht das BLLV-Konzept eine systematische und qualifizierte zusätzliche Sprachförderung vor. Coaching für Schüler ist integraler und praktizierter Bestandteil eines neuen Lehrplans. „Darunter stellen wir uns zum Beispiel die Vermittlung von Lernstrategien oder von Wissen rund um das Zeitmanagement vor“, erläuterte Wenzel. Für die Lehrkräfte müsse es künftig Möglichkeiten für Team-Teaching geben.

 

Ohne eine neu ausgerichtete Prüfungskultur können Reformen am Gymnasium nicht erfolgreich sein - davon ist der BLLV überzeugt. Daher darf es in einem neu ausgerichteten Gymnasium keine unangekündigten Leistungsnachweise mehr geben, Lern- und Prüfungssituationen müssen stärker und verbindlicher voneinander getrennt und stattdessen alternative Prüfungsformen, z.B. die Arbeit mit Portfolios, verstärkt werden. Dafür und für eine individuelle und förderorientierte Diagnostik brauchen Lehrkräfte deutlich mehr zeitliche Ressourcen.

 

Der BLLV verlangt zudem tiefgreifende Veränderungen im Lehrplan: Gymnasiale Bildung zeichne sich durch Analyse und Reflexion aus, sie verlange, nach dem „Warum“ zu fragen und nicht nur nach dem „Wie“, sagte Wenzel. „Es darf nicht  darum gehen, möglichst viele Fakten möglichst vieler Fächer anzuhäufen. Schülerinnen und Schüler müssen vielmehr in die Lage versetzt werden, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Es gelte daher, die Anzahl der Themen im Lehrplan deutlich zu reduzieren. Hier müsse der heute vorgelegte Entwurf für den Lehrplan Plus noch deutlich nachgebessert werden. Darüber hinaus müsse die hohe Anzahl der verschiedenen Fächer in einer Jahrgangsstufe verringert werden. „Die Lösung liegt aber nicht darin, ein freiwilliges Zusatzjahr einzuschieben, bei dem im Kern alles beim Alten bleibt. Vielmehr müssten in einem Projektfach in der Mittelstufe Inhalte aus den Sachfächern in Jahresthemen vernetzt und gebündelt werden.“ Wenzel mahnte auch obligatorische Zeitfenster für außerschulisches Lernen an, die nicht mit parallel laufendem Fachunterricht kollidieren.

 

Um die Schüler zu entlasten, fordert Wenzel den Verzicht auf das 5-Fächer-Abitur und eine Abkehr von der verpflichtenden Deutsch- und Matheprüfung für alle Schüler. Auch in Bayern sollte die Abiturprüfung der Mindestanforderung der KMK entsprechen und damit vier Fächer mit zwei verpflichtenden Prüfungen aus dem Bereich Deutsch/Mathematik/Fremdsprache umfassen.

 

Auch in der Lehrerbildung muss es nach Meinung des BLLV tiefgreifende Veränderungen geben. „Wir wollen, dass es zu einer Stärkung der Studieninhalte in Pädagogik, Psychologie und Didaktik kommt und fachwissenschaftliche Studieninhalte stärker auf die Unterrichtsfächer orientiert werden“, sagte Wenzel. Er regte auch mehrere wissenschaftlich und selbstreflexiv begleitete Praxisphasen während des Studiums an. „Die Lehrkräfte werden künftig deutlich mehr auf Kompetenzen im Umgang mit psychischen Störungen, mit Inklusion, alternativen Prüfungsformen und förderorientierter Diagnostik zurückgreifen müssen.“

 

„Verdichtung des Stoffes, überhöhter Fachlichkeitsanspruch, der zu einem zu schnellen Wechsel von Unterrichtsfächern führt, Mangel an persönlichen Beziehungen, zu hoher Prüfungsdruck - die Schwachstellen des bayerischen Gymnasiums sind bekannt. Was es braucht sind keine weiteren Erkenntnisse, sondern Lösungen.“ Der BLLV erwarte, dass das vorgelegte Konzept zur Neugestaltung des Gymnasiums ernsthaft geprüft und umgesetzt wird.

 

Andrea Schwarz, BLLV-Pressereferentin M.A. Tel: 089/ 72 100 129, presse (at) bllv.de

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