17. Oktober 2017

Mehr Unterstützung für Demokratiepädagogik

BLLV-Präsidentin Fleischmann legt im Bayerischen Landtag Forderungskatalog zur Aufwertung des Bildungsziels Demokratie an Schulen vor

 

„Haltung zeigen kann nur, wer eine Haltung hat. Die Aufgabe von Schule ist es, dafür zu sorgen, dass Schüler/innen eine demokratische Haltung entwickeln können - und damit auch nachfolgende Generationen.“ Davon ist die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann, überzeugt. Sie präsentierte heute gemeinsam mit dem Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik im BLLV, Dr. Fritz Schäffer, das Positionspapier „HALTUNG ZÄHLT: Schule für die Demokratie“ im Bayerischen Landtag vor Abgeordneten aller Fraktionen und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Fleischmann und Schäffer forderten für die Umsetzung erfolgreicher demokratiepädagogischer Prozesse an Schulen ein Umdenken: Demokratie an Schulen dürfe nicht länger nur Lerngegenstand sein. Vielmehr müsse sie im Unterricht und in den Schulen gelebt werden. Doch dazu fehle es im Moment vor allem an der notwendigen Zeit. Die Dominanz des fachlich-inhaltlichen Lernens müsse deshalb kritisch hinterfragt werden. Eine Forderung, der sich über 80% der Befragten einer BLLV-Umfrage unter den Mitgliedern anschließen. Aus Sicht Fleischmanns und Schäffers müssten auch die Partizipationsrechte für Schüler, Eltern und Lehrer ausgeweitet werden. Beteiligungsformen wie Schulparlamente und Klassenrat seien an jeder Schule notwendig.

 

Ohne Zweifel gibt es sie: die Leuchtturm-Projekte. „Sie basieren aber zu sehr auf der Initiative Einzelner“, kritisierte Fleischmann. Was fehle, sei die flächendeckende und systematische Unterstützung für alle Schulen. In Zeiten einer sich verrohenden politischen Kultur und Sprache müssten alle Heranwachsenden möglichst früh lernen, Haltung zu zeigen. „Sie müssen erfahren dürfen, wie es sich anfühlt, einen Standpunkt zu vertreten und andere Standpunkte zu zulassen, Erfolge und Misserfolge zu verarbeiten, respektvoll und wertschätzend mit dem Gegenüber umzugehen.“ Darauf habe der BLLV mit dem Manifest: HALTUNG ZÄHLT bereits im September 2016 aufmerksam gemacht.

 

Ein Beispiel: „Es ist ein Unterschied, wie eine Klassensprecherwahl durchgeführt wird“, so Fleischmann. „Wird sie nebenbei abgewickelt? Haben die Schüler/innen das Gefühl, eine lästige Pflicht erfüllen zu müssen? Und sind die zur Wahl stehenden Mitschüler/innen Verlegenheitskandidaten, weil den Job eigentlich gar keiner machen will? Oder läuft die Wahl für dieses Amt anders ab: Können junge Leute selber bestimmen, wie die Wahl ablaufen soll? Gibt es entsprechenden Raum dafür, dass sich die zur Wahl Stehenden vor der Klasse präsentieren, ihre Vorstellungen und Ziele formulieren? Gibt es Zeit, diese Inhalte zu diskutieren, Argumente abzuwägen und eine reflektierte Entscheidung zu treffen?“ Eine so veranstaltete Klassensprecherwahl hinterlasse Spuren. „Sie ist gelebte Demokratie mit allem, was dazu gehört - auch mit der Enttäuschung darüber, dass es der gewünschte Kandidat nicht geschafft hat und sich die Mehrheit eben durchsetzt.“

 

Weil Schulen aber zu stark darauf ausgerichtet seien, Fachinhalte zu vermitteln, die Schüler/innen reproduzieren sollen, mangele es an der dafür nötigen Zeit, bemängelte Schäffer. „Weil sich alles um Noten und Bewertungen dreht, ist für Demokratiepädagogik zu häufig wenig Platz.“

 

Das belegten auch die Ergebnisse einer internen Mitgliederbefragung, die der BLLV im Sommer dieses Jahres durchgeführt hatte. 95% der rund 400 Befragten geben an, mehr Zeit zur Förderung demokratischen Bewusstseins und Verhaltens im Unterricht zu brauchen. 81% wünschen sich eine Reduzierung des Unterrichtsstoffs, um häufiger offene und partizipative Unterrichtsmethoden zu praktizieren. 90% sprechen sich für mehr Zeitdeputate aus, um Beteiligungsmöglichkeiten für Schüler auszuweiten. Knapp 90 Prozent geben an, mehr Partizipationsrechte für eine demokratisch gestaltete Schulentwicklung zu benötigen und über 77 Prozent sagen, die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler müssen ausgeweitet werden. „Die Befragung ist nicht repräsentativ“, betonte Schäffer. Dennoch würden die Ergebnisse klar in eine Richtung weisen: „Es gibt an den Schulen den Wunsch nach mehr Demokratie.“

 

Lösungsvorschläge bietet das BLLV-Positionspapier. Es umfasst neben der Aufwertung der Bedeutung des Bildungszieles Demokratie und der Forderung nach mehr Partizipationsmöglichkeiten noch weitere vier Handlungsfelder. Dazu gehören neben der Stärkung der politischen Bildung und politischen Medienkompetenz auch die Einführung demokratischer Unterrichtsprinzipien wie z.B. eine Feedback-Kultur, sowie eine feste Verankerung der Demokratiepädagogik in allen drei Phasen der Lehrerbildung - unabhängig vom studierten Lehramt oder Fach.

 

Das BLLV-Positionspapier ist nachzulesen unter: http://www.bllv.de/Demokratiepaedagogik.13064.0.html

 

 

 



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