27. Januar 2014

1000 Euro für den Schulleiter, der keine Lehrkräfte braucht

Junglehrer protestieren gegen Stellenstreichungen

Foto: Uwe Schlick / pixelio.de

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerische Junglehrer im BLLV (ABJ) geht wegen der angekündigten Stellenstreichung in die Offensive: Der erste Schulleiter in Bayern, der sagt, er brauche kein zusätzliches Personal, bekommt 1000 Euro in die Hand.

 

Pressemitteilung vom 27. Januar 2014

 

Knock-out für die bayerische Bildung

„Eine Hiobsbotschaft ist wohl nicht genug“ - mit diesen Worten kommentiert die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ), Kerstin Polster, die am Wochenende bekannt gewordene Nachricht, wonach zum kommenden Schuljahr über 800 Planstellen an allen Schularten gestrichen werden sollen. „Wir stehen noch wegen der Einstellungsnote an den Gymnasien und der Tatsache, dass selbst ein 1,0 Notenschnitt nicht mehr gut genug ist, unter Schock - und jetzt das“, erklärte Polster heute in München. Das Kultusministerium habe noch vor wenigen Tagen verlauten lassen, dass der Ausbau der individuellen Förderung und die Einführung einer stärker individuellen Lernzeit für die Schülerinnen und Schüler (...) im Mittelpunkt der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Bayerischen Gymnasiums" stehe – „mit der angekündigten Streichung der Lehrerstellen und der rigiden Anstellungspolitik katapultiert der Kultusminister das bayerische Schulwesen aber ins Knock-out“, kritisierte Polster. Sie kündigte an, die ABJ wolle dem ersten Schulleiter einer staatlichen Schule 1000 Euro schenken, der sich bei ihr meldet und folgende Bedingung erfüllt: „Er muss öffentlich sagen, dass er an seiner Schule keine weiteren Lehrkräfte mehr braucht, weil er ausreichend versorgt ist, um alle Reformvorhaben umzusetzen.“

 

„Das Angebot gilt, ich glaube aber, dass sich niemand bei uns melden wird, denn die Lern- und Arbeitsvoraussetzungen sind an allen öffentlichen Schulen schlecht“, so die ABJ-Vorsitzende. In der ABJ sind derzeit über 14.400 junge Lehrerinnen und Lehrer organisiert. Die ABJ gehört zum BLLV.

 

Die besten Pädagogen dürfen nicht unterrichten

Auch die Vertreterinnen und Vertreter der Landestudentengruppe im BLLV (LSG) sind tiefst enttäuscht und verärgert. Für sie sei der Abbruch der universitären Ausbildung nach einer langen, theoretischen Phase verantwortungslos und dürfe kein Lösungsansatz für die angebliche Überbesetzung von Lehrern und Lehrerinnen sein. „Wenn sich diese Überlegung des Kultusministers durchsetze, wäre dies für die Studierenden eine Katastrophe“, erklärte die LSG-Vorsitzende Tamara Thum. Stellenstreichungen mit rückläufigen Schülerzahlen zu begründen, sei ein Trugschluss, denn die Forderung des Kultusministeriums sind klar: z.B. die optimale Betreuung und individuelle Förderung aller Schüler, der Ausbau von Ganztagschulen oder die Umsetzung der Inklusion. Außerdem würde eine Zugangsbeschränkung des Referendariats ausschließlich abhängig vom ersten Staatsexamen bedeuten, dass der Anspruch des Kultusministeriums, nur die besten Pädagogen für die Schulen zu gewinnen, hinfällig wäre. Der Grund: Erst im Referendariat werde die pädagogische Eignung geprüft, sagte Thum. An der Universität würden ohnehin zu viele fachwissenschaftliche Inhalte gelehrt.    

 

Neuer Lehrplan Plus geht nur mit mehr Personal

Die ABJ-Vorsitzende Polster erinnerte auch an den neuen Grundschullehrplan „LehrplanPlus“, der zum neuen Schuljahr eingeführt werden soll. „Mit ihm soll das kompetenzorientierte Lernen der Kinder auf den Weg gebracht werden. Doch auch dafür braucht es Zeit und Personal.“ Es sei tragisch, dass in Bayern an der Bildung trotz anderslautender Beteuerungen gespart werde, zumal die finanziellen Mittel für eine Stärkung der Schulen zur Verfügung stünden. „Der Freistaat erwirtschaftete 2013 nicht nur 408 Millionen Euro aus Lotterieeinnahmen, sondern hat auch nach dem Länderfinanzausgleich noch etwa 594 Millionen Euro mehr zur Verfügung als im Stammhaushalt veranschlagt.“

 

 

Foto: Uwe Schlick / pixelio.de