22. Juni 2015

Bayerns Lehrer/innen wollen keine Turboschule

BLLV-Präsidentin Fleischmann stellt Studie "Zeit für Bildung" vor

 

 

Pressemitteilung - Die gute Nachricht zuerst: Bayerns Lehrkräfte lieben ihren Job.  So geben in der Studie „Zeit für Bildung“ des BLLV 73% der befragten Lehrkräfte und Schulleiter an, „große Freude an ihrem Beruf“ zu haben. 84% sagen aus, dass ihnen der Umgang mit Schüler/innen ein „gutes Gefühl“ vermittelt. Die schlechte Nachricht allerdings lässt aufhorchen: Fast 70% beklagen, sich „im Schulalltag gehetzt zu fühlen“. 65% haben werden ständig von dem Empfinden begleitet „niemals fertig zu werden“. Fast 60% sagen von sich, „erschöpft“ zu sein. Besonders alarmierend ist der Befund, dass sich annähernd 90% einem „ständigen Handlungsdruck im beruflichen Alltag ausgesetzt“ sehen. Für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, die heute auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse vorstellte, ist klar, dass Lehrerinnen und Lehrer keine Turboschule wollen. „Sie leiden darunter, dass sich an den Schulen alles um Geschwindigkeit und Effizienz dreht. Und doch müssen sie Lernprozesse beschleunigen und schnelle Ergebnisse liefern. „Die meisten wünschen sich Zeit für individuelle Förderung, für einen kompetenzorientierten Unterricht, für Reflexion des Stoffes, für Gespräche mit Eltern oder für den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen“, erklärte sie. Das alles komme an den Schulen aber viel zu kurz.

Die BLLV-Studie „Zeit für Bildung“ wurde in den Monaten März und April erhoben. Über 3500 Lehrkräfte aller Schularten beteiligten sich daran. „Allein die große Zahl der Studienteilnehmer zeigt, dass wir mit dem Thema einen Nerv getroffen haben“, sagte Fleischmann.

Sie wies darauf hin, dass Zeit besonders im Umfeld Schule als pädagogischer Faktor in direkter Weise auf den beruflichen Alltag einwirke. „Pädagogen brauchen Zeit, um guten Unterricht und wirksames Lernen zu ermöglichen, um Schule zu einem Ort der Begegnung, der Vertiefung und des Miteinanders zu machen.“ Doch der alles dominierende Zeitmangel führe dazu, dass viele Lehrerinnen und Lehrer hektisch würden, sich gestresst fühlten und letztlich ausbrennen würden. Die negative Atmosphäre übertrage sich schließlich auch auf die Schülerinnen und Schüler - und auf ihre Eltern. „Sie erschwert Lernprozesse und sie kostet viel Kraft. Sie verdirbt den Schülern die Freude am Lernen und den Lehrern die Freude am Beruf.“ So geben in der BLLV-Studie nur 28% der Lehrkräfte an, ausreichend Zeit  für die Bewältigung der alltäglichen Aufgaben an der Schule zu haben. Nur 55% sagen aus, dass die Unterrichtsversorgung an der eigenen Schule gesichert ist und 74% der Lehrerinnen und Lehrer meinen, dass der Begriff „Turboschule“ den heutigen Schulalltag treffend beschreibt. 

„Die sich daraus ableitenden Forderungen sind einfach“, folgert Fleischmann. In der Studie formulierten es die Lehrerinnen und Lehrer so: Erstens bedarf es zusätzlicher Lehrkräfte und Fachkräfte (94%) sowie mehr mobiler Reserven (96%), Zweitens sollte eine Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation (84%) angestrebt und drittens eine individuelle Lebensarbeitszeitgestaltung ermöglicht werden (95%).

Um Schulen langfristig zu entschleunigen müssen aus Sicht Fleischmanns aber auch Veränderungsprozesse vorangetrieben werden, die den Unterricht, die Gestaltung der Lehrpläne und das Lernen betreffen: „Die hohe Prüfungsdichte, die enge Stundentaktung und die zu vollen Lehrpläne führen dazu, dass Lehrerinnen und Lehrer hektisch werden und gestresst sind, weil sie dauernd das Gefühl haben, die Zeit reicht nicht.“. All dies müsse auf den Prüfstand und kritisch hinterfragt werden. Ansonsten müsse die Bayerische Staatsregierung die Verantwortung dafür übernehmen, dass Lehrerinnen und Lehrer erkranken, sich chronisch überlastet und ausgebrannt fühlen.

Andrea Schwarz, BLLV-Pressereferentin M.A. Tel: 089/ 72 100 129, presse (at) bllv.de

Mehr Informationen dazu

BLLV-Studie "Zeit für Bildung"

 




 

 


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