12. Juli 2012

Dank und Anerkennung für einen Visionär

150 Jahre BLLV: Präsident fühlt sich Gründungsvater Karl Heiß verpflichtet.

Der BLLV feiert am Wochenende sein Jubiläumsfest anlässlich seines 150-jährigen Bestehens. Die Probleme von einst sind noch immer aktuell. Damals wie heute stehen Lehrer für eine bessere Bildung zusammen.

 

Pressemitteilung vom 12. Juli 2012


Der Präsident des BLLV) Klaus Wenzel, hat im Vorfeld des am Wochenende in Regensburg stattfindenden 150-jährigen Jubiläumsfestes dem Gründervater des BLLV größten Dank und Anerkennung ausgesprochen: „Karl Heiß hat das Fundament für den BLLV gelegt, das Jahrhunderte überdauert hat. Seine Aussagen sind heute noch aktuell. Wir sind ihm zutiefst verpflichtet.“ Im Dezember 1861 hatten sich rund 200 Lehrer aus ganz Bayern im Regensburger Rathaus versammelt und dort den Bayerischen Lehrerverein gegründet. Den Vorsitz übernahm der Achdorfer Lehrer Karl Heiß. „Das damalige Bildungsverständnis ist auch heute noch für den BLLV bindend“, betonte Wenzel. Damals wie heute gehe es um mehr Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe, um das Überwinden trennender wie fragwürdiger Hierarchien - mit anderen Worten: um Schulen, die eine solide Grundlage für eine gerechte, menschliche und zukunftsfähige Gesellschaft bilden können. „In ihr stehen alle Lehrerinnen und Lehrer zusammen, sie lassen sich nicht von überholten Strukturen auseinanderdividieren. So hatte es Karl Heiß formuliert und so formuliere ich es heute auch - 150 Jahre später.“   

 

„Heiß war ein Visionär, und er hatte einen langen Atem. Er betonte schon damals, dass die Bildung junger Menschen im Vordergrund aller schulischen Bemühungen stehen muss“, führte Wenzel aus. „Er wollte weg vom ‚geistlosen Trichterlernen’ hin zur ‚Veredelung des Geistes.’ Auch heute fordert der BLLV ein neues Lern- und Leistungsverständnis, bei dem es um mehr als um die Wiedergabe reinen Faktenwissens geht. Heiß wollte Bildungsgerechtigkeit schaffen - auch dafür kämpft der BLLV: allen jungen Menschen muss beste Bildung zur Verfügung stehen, ohne soziale, regionale, ethische und ethnische Differenzierung oder Ausgrenzung. Der BLLV ist überzeugt, „dass Bildung eine Gesellschaft zusammenführen und zu gegenseitigem Respekt verhelfen kann.“

 

In seiner Antrittsrede hatte Karl Heiß erklärt, er sehe es als „eine bedauernswerte Erscheinung an, dass zwischen uns und dem Stande, welcher in Bezug auf seinen Beruf uns nahe steht, eine große Kluft besteht, wie sie wohl in keinem anderen Lande vorkommen dürfte“. „Wie recht er hatte - und wie ernüchternd es ist, dass viele auch heute noch immer in ‚Lehrerkasten’ denken“, kommentierte Wenzel die Worte von damals. Angesichts der radikalen Veränderungen in unserer Gesellschaft werde in Zukunft noch viel stärker gelten als bislang: „Pädagogische Verantwortung ist nicht teilbar. Wer Mauern zwischen Schularten und Lehrämtern aufbaut, sorgt für Spannungen und Konflikte. Die Arbeit des BLLV ist mehr denn je geprägt von der Überzeugung, dass es ein gemeinsames Professions- und Berufsverständnis aller Lehrerinnen und Lehrer braucht. Wir sind auf einem guten Weg. Die junge Lehrergeneration startet heute mit der Überzeugung in das Berufsleben, dass Unterschiede im Professionsverständnis anachronistisch und überholt sind.“

 

Heiß bemängelte bereits vor 150 Jahren, dass sich zu viele Menschen in schulische Belange einmischen würden: „Man möchte wohl sagen, dass sich zu viele um die Schule bekümmern; denn fast alles glaubt sich berufen, der Schule und dem Lehrer zu diktieren…“ Aus Sicht Wenzels auch heute noch ein zentrales Problem: „Je größer die Unsicherheiten werden und je schneller die Veränderungen in der Gesellschaft stattfinden, desto lauter wird der Ruf nach der Schule. Jedes gesellschaftliche Problem, das außerhalb der Schule entsteht, soll in der Schule gelöst werden. Das kann Schule nur leisten, wenn sie dafür finanziell und personell ausgestattet ist. Inklusion, Ganztagsschulen, individuelle Förderung, das alles kostet Zeit und erfordert vernünftige Rahmenbedingungen. Auch wenn die politischen Entscheidungsträger es nicht gerne hören: Das Bildungssystem in Bayern ist unterfinanziert, die immer weiter zunehmenden Aufgaben der Schule zwingen viele unserer Kolleginnen und Kollegen in die Knie. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.“ Wie Karl Heiß fordert auch Wenzel mehr Selbstständigkeit für die Schulen: „Das Thema wird noch wichtiger werden, denn ein Megasystem wie die Schule, das ständig im Brennpunkt der Aufmerksamkeit steht, ist zentral immer schwieriger zu steuern.“

 

Die Vision des BLLV im Jahr 2012 sei klar: „Wir brauchen ein modernes Schul- und Bildungssystem mit Selbstständigkeit, Professionalität, Zeit und optimaler personeller und finanzieller Ausstattung. Wir brauchen ein Schul- und Bildungssystem, bei dem junge Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht das Sortieren gestresster Kinder. Wir brauchen ein Schul- und Bildungssystem, das die Jugend von heute stark macht für das Leben von morgen.“

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Am 22. August 1861 ruft der Achdorfer Lehrer Karl Heiß zur Gründung des Bayerischen Lehrervereins auf. Der Gründungsaufruf erscheint in der Bayerischen Schulzeitung. In dem Aufruf heißt es: „Sollten nun wir Lehrer immer und in Ewigkeit isoliert und ohne Vertretung bleiben; wir, die wir für eine höchst wichtige, auf das Volkswohl sehr großen Einfluss ausübende Sache einzustehen haben; wir, die wir durch gehobene Achtung mit Erfolg unserm Beruf uns widmen können ... Auf denn theure Amtsbrüder, in allen Gauen unseres lieben Vaterlandes! Zeigt Euch als Männer, die für ihr Amt begeistert sind; gründet einen 'Bayerischen Lehrerverein', der frei von jeder politischen Tendenz nur das Wohl der Schule und der vaterländischen Jugend im Auge behält." Der Aufruf stößt bayernweit auf rege Resonanz. Am 27. Dezember 1861 versammeln sich etwa 200 Lehrer aus ganz Bayern in dem ehrwürdigen Reichstagssaal des Regensburger Rathauses und gründen den Bayerischen Lehrerverein. Karl Heiß wird zum 1. Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt. Als Vereinsorgan wird die bereits seit 1856 existierende "Bayerische Schulzeitung" festgelegt. Der BLV versteht sich von Anfang an als überkonfessionell. In seinen Reihen finden katholische, evangelische und „israelitische“ Lehrer ihre Heimat. 1951 stößt der Bayerische Lehrerinnenverband dazu, aus dem BLV wird der BLLV - heute sind zu 75% Frauen im BLLV organisiert.