Bayerns Schulleitungen sind bitter enttäuscht
BLLV-Petition: Landtag beschließt keine Verbesserungen

Eine Schule zu leiten bedeutet auch Personal zu führen. Doch für Mitarbeitergespräche haben Schulleiter kaum Zeit. Foto: Jan Roeder
Trotz Offenem Brief und Petition müssen sich Bayerns Schulleiterinnen und -leiter nach der heutigen Sitzung im Bildungsausschuss erneut mit Vertröstungen zufrieden geben. Anstatt die vom BLLV geforderten Verbesserungen auf den Weg zu bringen, belässt es der Petitionsauschuss bei Verständnisbekundungen. Die Regierungsmehrheit von CSU und FDP wollte die Petition nicht befürworten und setzte sich gegen die Opposition durch
Pressemitteilung vom 27. September 2012
München - Erneut müssen sich Bayerns Schulleiterinnen und -leiter mit Vertröstungen zufrieden geben. In einer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) im Mai diesen Jahres eingereichten Petition an den Bayerischen Landtag mit dem Titel „Mängelverwaltung statt Schulmanagement“ fordern sie deutliche Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen - die ihnen auch heute wieder verwehrt wurden. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes(BLLV), Klaus Wenzel, zeigte sich nach der heutigen Diskussion im Bildungsausschuss enttäuscht. „Ich hätte mir mehr erwartet“, erklärte er in einer ersten Reaktion. „Die Schulleiterinnen und -leiter werden nun ein weiteres Mal vertröstet. Wir fordern, dass spätestens bei der Behandlung des Doppelhaushaltes den Worten kräftige Taten folgen. Von Verständnisbekundungen haben die Betroffenen nun wirklich genug. Das haben sie in der Petition und in einem zusätzlich verfassten Offenen Brief an Kultusminister Spaenle klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht.“
Schulleiter haben Verantwortung wie Manager in der Wirtschaft
Nicht nur Art und Umfang der Aufgaben, die Schulleiterinnen und -leiter erledigen müssten, hätten drastisch zugenommen, auch Verwaltung und Organisation von Unterricht und Schulleben hätten an Komplexität gewonnen. Verantwortung und Kommunikationsaufgaben gegenüber der Schulverwaltung, den Eltern, externen Partnern und der Öffentlichkeit seien stark gestiegen, führte Wenzel aus. Gleich-zeitig seien die Schulen unterfinanziert - es fehle an allem. Fazit: „Die rund 5000 bayerischen Schulleiterinnen und -leiter an Grund- und Mittelschulen, an Real-schulen und Gymnasien, an Förder- und Berufsschulen müssen unter immer schwierigeren Bedingungen immer mehr leisten. Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden pro Woche sind keine Ausnahme. Sie wollen keine Durchhalteparolen hören, sie wollen Taten sehen - und zwar jetzt.“
Neben den traditionellen Aufgaben der Schulorganisation müssen Aufgaben wie die Organisation von Ganztagsangeboten, jahrgangsübergreifender Klassen und Schulverbünde erledigt werden. Hinzu kommen Aufgaben wie die verpflichtende Kooperationen mit Partnern außerhalb der Schule, die Bildung von Schulprofilen, die Ausarbeitung von Schulprogrammen, die Begleitung der Inklusion, die Führung regelmäßiger Mitarbeitergespräche oder die zusätzlichen dienstlichen Beurteilungen in Folge des neuen Dienstrechts. Die überbordende Bürokratie durch Dutzende von Statistiken und Erhebungen sowie die Bewältigung der täglichen E-Mail-Flut stellen eine weitere Belastung dar. „Eine zeitliche Neubewertung der Schulleitungstätigkeiten aller Schulen ist daher bitter nötig“, betonte Wenzel. Das Zeitbudget müsse so stark ausgeweitet werden, dass die Aufgaben erledigt werden könnten. Eine unabhängige Forschungseinrichtung müsse umgehend eine realistische und transparente Analyse der Zeitbelastung erstellen.
Mehr Verwaltungspersonal und Beratung in Rechtsfragen nötig
Entlastung braucht es auch in juristischen Fragen: „Schulleiterinnen und -leiter sind Behördenleiter und in dieser Aufgabe verantwortlich für alle Verwaltungsentscheidungen der Schule. Beschwerden, Anfechtungen, Widersprüche bis hin zu Klagen vor dem Verwaltungsgericht würden erheblich zunehmen. Das zeige, welchen Stellenwert die rechtliche Dimension schulischen Handelns inzwischen inne habe. In einem hoch selektiven Schulsystem würden Rechtsfragen notwendigerweise weiter zunehmen.
Dringend erforderlich sei auch die Verbesserung der Situation des Verwaltungspersonals. Ihre Tätigkeiten hätten in allen Schulen deutlich zugenommen. Immer wieder neu eingeführte und höherwertige Aufgaben erforderten zusätzliche Arbeitskraft. „Qualifizierte Schulleitung ist darauf angewiesen, von kompetentem und vor allem während der Unterrichtszeit anwesendem Verwaltungspersonal unterstützt zu werden“, erklärte Wenzel. „Qualifiziertes Personal lässt sich aber nur dann gewinnen, wenn die Bezahlung stimmt.“ Es sei zudem skandalös, dass es an vielen Schulen während der Unterrichtszeit keine Ansprechpartner im Sekretariat gebe. Im Haushalt der Staatsregierung seien auch keine Mittel für Fortbildungen im Bereich des Verwaltungspersonals an Grund-, Förder-, Haupt- und Mittelschulen eingestellt. „Dieser Mangel ist auszugleichen.“ Gefordert wird auch die umgehende Abschaffung der Wiederbesetzungssperre, um so Funktionsstellen attraktiver zu machen und die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in Führungspositionen zu honorieren.
Rektoren werden schlichtweg ausgebeutet
Die Schulleitungen wünschen sich auch eine Gleichbehandlung: „Dazu müssen Disparitäten der Arbeitsbedingungen zwischen den Schularten abgebaut werden“, so der BLLV-Präsident. Die Anforderungen an allen Schulen seien ver-gleichbar. Das vom Kultusministerium im Jahr 1995 in Auftrag gegebene Kienbaum-Gutachten habe bereits auf die Ungleichbehandlung der Ausstattung der Schulleitung hingewiesen. Bis heute hätten weder das Parlament, noch die Staatsregierung, noch das Kultusministerium ausreichende Schritte unternommen, die unzureichenden Arbeitsbedingungen der Schulleitungen an Grund-, Haupt-, Mittel- und Förderschulen zu überwinden. In der Petition heißt es dazu wörtlich: „Das ist ein Affront gegen Tausende von Schulleiterinnen und Schullei-tern, Konrektoren und Verwaltungsangestellten an den Grund-, Haupt-, Mittel- und Förderschulen, die vom Dienstherrn nach Gutsherrenart schlichtweg missbraucht und ausgebeutet werden.“
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