25. Juli 2017

Schüler-Boom und Lehrermangel

Bertelsmann-Studie „Demographischer Wandel adé“: Konsequenzen für Bayern

Foto: Bertelsmann Stiftung

Entgegen bisheriger Prognosen werden in Deutschland im Jahr 2030 gut eine halbe Million Kinder mehr zur Schule gehen, als angenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung: „Demographischer Wandel adé“*. Vorgestellt wurde sie am vergangenen Mittwoch (12. 07. 2017). Der BLLV sieht sich bestätigt: „Wir brauchen dringend mehr Personal“, forderte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Die Studienautoren, der Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Klemm und der Organisationssoziologe Dr. Dirk Zorn, wiedersprechen damit den errechneten Schülerbedarfszahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Geburtenrate des Statistischen Bundesamts.

Höhere Geburten- und Zuwanderungszahlen

Laut Studienautor Zorn beruht die offizielle Schülerprognose der KMK noch auf Zahlen aus dem Jahr 2012. „Seitdem sind aber zwei Dinge passiert: Fünfmal in Folge ist die Zahl der Geburten gestiegen, und wir hatten deutlich höhere Zuwanderungszahlen als erwartet“, sagt der Autor.

Konkret gehen die beiden Wissenschaftler für das Jahr 2030 von einer Zunahme der Bevölkerung um 15 Millionen Menschen im Vergleich zu 2015 aus. Unter ihnen werden etwa 554.000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren sein.

Eine halbe Million Kinder mehr als gedacht

Die Zahl der Grundschüler wachse demnach auf von 2,8 Millionen Schülern (2015) auf 3,2 Millionen Schüler (2030). In der Sekundarstufe I erwarte man eine Zunahme von rund 400.000 Schüler. Nur in der Sekundarstufe II werde die Zahl der Schüler von etwa 1 Million im Jahr 2015 auf 927.000 Schüler im Jahr 2030 leicht sinken.

 

Quelle: Bertelsmann Stiftung


Damit werden laut Studie im Jahr 2030 etwa 28.100 zusätzliche Klassen und rund 42.800 zusätzliche Lehrkräfte in Vollzeit nötig. Im Fall der Grundschulen würden sogar die Schulstandorte knapp: deutschlandweit brauche es bis 2030 rund 2000 neue Primarschulen. – Das entspreche in etwa der Menge, die in den Jahren zwischen 2000 und 2015 wegen irrtümlicher Bedarfszahlen eingespart worden war.

„Der Handlungsdruck ist hoch“

Das Szenario der Bertelsmann-Stiftung verleiht der BLLV-Forderung nach mehr Personal in den Schulen zusätzliches Gewicht. Gerade an Grund-, Mittel- und Förderschulen gibt es bereits heute enorme Lücken. „Es brennt lichterloh - der Handlungsdruck ist hoch“, fasst BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann die Lage zusammen.

Quelle: Bertelsmann Stiftung


Die Situation in Bayern

Das Bayerische Kultusministerium erstellt unabhängig von der Kultusministerkonferenz eine eigene Schülerprognose. Diese wird jährlich aktualisiert. Das Bayerische Kultusministerium habe bereits 2014 auf eine im Wandel befindliche Situation hingewiesen, so das Ministerium. Auch auf den zu erwartenden Schülerzuwachs in den Grundschulen habe man rechtzeitig aufmerksam gemacht.

Um auch den Unterricht für Flüchtlingskinder zu gewährleisten, habe Bayern allein 2016 rund 1700 zusätzliche Stellen und Beschäftigungsmöglichkeiten für Lehrer geschaffen. Außerdem würden besondere Fortbildungsangebote gemacht.

Schülerzahlen lange rückläufig

Rückblickend auf die Statistiken der vergangenen Jahre lasse sich ein Schülermaximum von 1,88 Millionen Kindern und Jugendlichen für das Schuljahr 2004/05 feststellen. Im aktuellen Schuljahr 2015/16 lag die Schülerzahl nur noch bei 1,68 Millionen.

Nach den Ergebnissen der Modellrechnung sei damit der Tiefpunkt gegenwärtig auch schon erreicht. Für die kommenden Jahre rechne man wieder mit mehr Schülerinnen und Schülern. Für 2030/31 geht das Bayerische Kultusministerium von rund 1,76 Millionen Schülern aus.

Nur Hochrechnung, keine Garantie 

Den Berechnungen zugrunde liegen die amtlichen Schuldaten aus den sieben Regierungsbezirken und Erhebungen des Bayerischen Landesamts für Statistik (LfStat). Die Statistiker betonen aber, dass es sich für das Jahr 2030 nur um die ungefähre Hochrechnung einer Modellrechnung handelt. Belastbare Zahlen könne es über so einen langen Zeitraum hinweg nicht geben.

Für das Schuljahr 2030/31 rechnet das Ministerium für die bayerischen Grundschulen mit 920 neuen benötigten Lehrerstellen. Die Nachfrage auf Seiten der Lehramtsabsolventen schätzt man auf 1160 Bewerber. Für die Mittelschulen rechnet man mit 580 zusätzlichen Stellen und 700 Bewerbern, für die Förderschulen mit 410 zusätzlich notwendigen Stellen bei 310 Bewerbern.

„Run“ aufs Gymnasium auch 2030

Einen Bewerbermangel macht das Ministerium nur für die weiterführenden Schulen aus: Bei den Realschulen rechnet man mit 360 neuen Stellen bei 290 Bewerbern, bei den Gymnasien mit 850 neuen Stellen bei 870 Bewerbern. Der „Run“ auf die weiterführenden Schulen wird demnach auch für die kommenden Jahrzehnte weiter anhalten.

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