11. Oktober 2017

"Datenschutz muss in der Lehrerbildung Pflicht werden"

Was ein Datenschutzexperte rät

Thomas Floß, zertifizierter Datenschutzbeauftragter.

Das Thema Datenschutz könnte sich als große Hürde bei der Digitalisierung des Lernens erweisen. Thomas Floß (55)*, zertifizierter Datenschutzbeauftragter und Berater von Schulen, erklärt, wo es hakt. Er sprach bei der BLLV-Fachanhörung "Die Sicherheit: Datenschutz, Datensicherheit, Persönlichkeitsschutz".

 

Alle wollen Digitale Medien im Unterricht. Sind Schulen hinsichtlich des Datenschutzes darauf überhaupt vorbereitet?

Thomas Floß: Nicht wirklich. Datenschutz ist für viele Lehrkräfte ein Fremdwort, ohne ihnen zu nahe treten zu wollen. Dafür können sie allerdings nichts. Zwar gibt es ergänzende Verordnungen zum Schulgesetz, aber die Vorschriften werden von oben, von den Schulleitungen oder den Schulbehörden, nicht bzw. kaum kommuniziert.

 

Was sind die häufigsten Probleme, denen sie begegnen?

Die größten Probleme sind eine schlechte IT-Infrastruktur und der korrekte Umgang mit den Daten. Dafür fehlt oft das Bewusstsein. Ich erlebe immer wieder fehlende Bildschirmschoner in Sekretariaten und den arglosen Transport von Daten mit USB-Sticks. Oder Lehrkräfte sprechen sich auf einer Klassenfahrt mit ihren Schülern über Whatsapp ab, was verboten ist. Denn die Daten werden in den USA verarbeitet.

 

Entlässt der Dienstherr Lehrkräfte in Sachen Datenschutz in die Ahnungslosigkeit?

Ja, das kann man wirklich so sagen. In der Industrie ordnen Geschäftsführer Schulungen an. Für Lehrkräfte gibt es die meistens nicht. Ich kenne nur ganz wenige Schulen, an denen das der Fall ist.

 

Muss Datenschutz Pflichtthema in der Aus- und Fortbildung werden?

Definitiv. Der Dienstherr muss dafür sorgen, dass Lehrkräfte regelmäßig Schulungen erhalten. In der Lehrerbildung müsste Datenschutz Pflichtfach werden - neben der Vermittlung von Kompetenzen zu den neuen Medien.

 

Lehrkräfte verarbeiten Schülerdaten auch zu Hause auf ihren PCs. Was müsste auf technischer Seite passieren, um den Datenschutz zu verbessern?

Schulen brauchen eine sichere und moderne IT- Infrastruktur. Im Idealfall bietet eine Schule ein Netzwerk mit einem zentralen Zugang für die Lehrkräfte, die sich darüber mit ihren Zugangsdaten einwählen. Dann bleiben alle Daten in der Schule auf dem Server. Das wäre das Optimum. Wenn das nicht geht, wäre zumindest eine Teilverschlüsselung der Festplatten der Lehrer zu fordern.

 

Die IT-Ausstattung einer Schule wird häufig von Lehrkräften betreut, die das nebenbei machen. Muss hier professionalisiert werden?

Die Lehrer, die dafür verantwortlich sind, bräuchten für ihre Aufgabe eine zusätzliche Ausbildung zum Thema Datenschutz und mehr Zeit, um sich vernünftig darum kümmern zu können. Oder man überträgt die Aufgabe externen Dienstleistern.

 

Datenschutz ist auch eine Frage, die den Lebensalltag von Schülern betrifft, zum Beispiel das Verhalten in sozialen Netzwerken. Muss Schule hier Grundlagenwissen vermitteln?

Ja. Das wird aber nur punktuell gemacht und meistens erst dann, wenn sowieso schon etwas schief gelaufen ist, etwa wenn jemand in sozialen Netzwerken gemobbt wird.

 

Sollte Datenschutz Teil des Lehrplans werden?

Auf jeden Fall. Das Thema müsste aber von Experten unterrichtet werden.

 

Mehr zum Thema:

 

 

* Thomas Floß (55) ist Geschäftsführer der EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH und zertifizierter Datenschutzbeauftrager. Floß berät auch Schulen und klärt als ehrenamtlicher Dozent für die Initiative "Datenschutz geht zur Schule" Lehrkräfte und Schüler in Sachen Datenschutz und Social Media auf.

 

 

Fragen: Robert Haberer

 

 

 

 



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