30. Januar 2017

Gewalt gegen Lehrkräfte: Was ist der beste Schutz?

Interview mit Lehrer-Coach und Supervisor

Werden Lehrer in der Schule beleidigt, bedroht oder gemobbt, ist das oft das traurige Ende eines eskalierenden Konflikts. Lehrkräfte, Schulleiter und Eltern können dazu beitragen, dass es nicht soweit kommt. Wie, erklärt Lehrer-Coach und Supervisor Wolf-Dieter Schuster.

 

Ich werde von einem Schüler beleidigt, vielleicht versucht er mich sogar systematisch zu ärgern. Was kann ich tun?

Wolf-Dieter Schuster: Ich würde als ersten Schritt das Gespräch mit dem Schüler suchen. Wichtig ist herauszufinden, was er mit seinem Verhalten erreichen will, warum er das macht. Dazu muss ich analysieren, in welchen Situationen er stört und wann sein Verhalten einwandfrei war. 

 

Und wenn ich damit nicht weiterkomme?

Dann würde ich jemanden hinzuziehen, der vermitteln könnte, einen Verbindungslehrer, Beratungslehrer oder Schulpsychologen. Es sollte eine Person sein, die das Vertrauen des Schülers gewinnen kann.

 

Manchmal kommt es zu einem regelrechten Kesseltreiben von Schülern und Eltern gegen eine Lehrkraft. Wie gehe ich damit um?

Ich rate dazu, sich frühzeitig Hilfe zu holen und Einrichtungen wie kollegiale Fallbesprechungen, Supervision oder Mediation zu nützen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Die betroffene Lehrkraft muss in so einem Fall unbedingt von den Kollegen und von der Aufsicht unterstützt werden. Oder ich hole mir Personalräte, wenn von oben vielleicht nicht die erhoffte Unterstützung kommt.

 


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Können klare Spielregeln im Umgang mit Schülern helfen?

Ja, ich muss klären, was die Spielregeln sind, wie wir miteinander umgehen wollen, wo die Grenzen liegen und welche Konsequenzen Regelverstöße nach sich ziehen. Das ist natürlich umso schwieriger, wenn Kollegen unterschiedlich damit umgehen. Die Kinder kapieren das und gehen bewusst mit der Situation um.

 

Braucht es deshalb klare Regeln im Umgang miteinander für die ganze Schule?

Kinder brauchen einheitliche und klare Regeln. Ein erster Schritt wäre, im Kollegium gemeinsame Leitlinien aufzustellen. Was für die Klasse gilt, kann man aber auch auf das Kollegium und die Elternarbeit übertragen.

 

Das heißt, die Erwachsenen, Eltern und Lehrkräfte, haben hier Vorbildfunktion.

Genau. Für das Schulklima ist die gesamte Schulfamilie verantwortlich, Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Das ist ein System und jeder kann seinen Teil zum Gelingen beitragen. Auch der Umgang der Erwachsenen miteinander sollte ein Modell für Schüler zur Lösung von Konflikten sein.

 

Erwachsene verhalten sich hier nicht immer gerade vorbildlich. So scheinen Eltern im Umgang mit Lehrkräften eine zunehmend härtere Gangart einzuschlagen, vor allem wenn es um den Übertritt geht.

Eltern wollen natürlich immer das Beste für ihr Kind. Gerade die Frage der Schullaufbahn ist oft ein heikles Thema. Eine Lehrkraft braucht hier viel Fingerspitzengefühl, um bei Eltern Offenheit für andere Sichtweisen zu erreichen. Das muss man lernen. Wie man Gespräche mit Eltern führt oder mit Verhaltensauffälligkeiten von Schülern umgeht, kommt aber in der ersten Phase der Lehrerbildung zu kurz. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf.

 

Was wäre die beste Gewaltprävention?

Konflikte frühzeitig zu lösen. Die Art und Weise, wie wir mit Konflikten umgehen, ist das Entscheidende. Konflikte gehören zum Leben, aber Konfliktkultur muss man lernen.

Fragen: Robert Haberer

 

 

Zur Person:
Wolf-Dieter Schuster ist als Schulpsychologe, Beratungslehrer, Supervisor, Gesprächstrainer und Mediator tätig. Zudem ist er Referent an der Akademie für Lehrerbildung in Dilligen.

Wolf-Dieter Schuster kann über die BLLV-Akademie auch für SchilFs gebucht werden.

 

 

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