Erzieherinnen fordern bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen
Ex-Sozialministerin Stewens bei BLLV-Diskussion

Musste sich deutliche Kritik und viele Klagen von Erzieherinnen anhören: Bayerns Ex-Sozialministerin Christa Stewens (CSU) bei der Podiumsdiskussion BLLV-kontrovers. Foto: Fotostudio Röder.
Zu große Gruppen, zu wenig Personal, obendrein miese Bezahlung. Erzieherinnen haben einen anspruchsvollen Job, der kaum wertgeschätzt wird. Das müsse sich dringendst ändern, forderte das Publikum bei der BLLV-Podiumsdiskussion „Fachakademie oder Hochschule: Welche Ausbildung brauchen Erzieherinnen?“.
Über das Thema stritten die Landtagsabgeordnete Christa Stewens (CSU), ehemalige Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Frauen, und Prof. Dr. Hans-Günter Roßbach von der Universität Bamberg, der zugleich Mitglied im Aktionsrat Bildung ist. Während Stewens ein Studium nur für Führungskräfte für sinnvoll hält, würde Roßbach von der Universität Bamberg gerne alle Erzieher und Erzieherinnen auf eine Hochschule schicken. Die Diskussion moderierte BLLV-Vizepräsidenten Waltraud Lucic, die die Veranstaltung auch organisiert hatte.
Roßbach beruft sich auf zahlreiche Studien, die den Stellenwert einer qualitativ hochwertigen Betreuung in Kitas unterstreichen. Denn der spätere Bildungserfolg in der Schule hängt maßgeblich davon ab, ob das Kind umfassend in seinen ersten Lebensjahren gefördert worden ist. Das gilt insbesondere für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Um die richtigen Fördermaßnahmen ergreifen zu können, bräuchte das Personal aus Roßbachs Sicht aber mehr theoretische und diagnostische Kenntnisse.
Stewens: Ausbildung hält internationalem Vergleich stand
Dass eine hochwertige Ausbildung in Theorie und Praxis notwendig ist, bestreitet auch Stewens nicht. Für sie ist aber die fünfjährige Ausbildung von Erzieherinnen an den Fachakademien ausreichend und hält jeden Vergleich mit der akademischen Ausbildung anderer Länder stand. „Mehr als dreiviertel des Personals in Deutschland verfügt über eine einschlägige Ausbildung“, betonte Stewens mit Blick auf die höhere Akademikerquote in den Nachbarländern. Dort ist in den Kitas zwar mehr Personal mit Hochschulausbildung tätig, die übrigen Mitarbeiter verfügen jedoch oft über keine keine fachspezifische Ausbildung.
Bevor man die Erzieherinnenausbildung akademisiert, müssten aber zuerst die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung deutlich verbessert werden. Dass forderten unisono die Wortmeldungen aus dem Publikum. Die Gruppen in den Kitas sind zu groß, Kinder mit Verhaltensstörungen werden im Personalschlüssel nicht ausreichend gewichtet, an allen Ecken fehlt es an Personal: Einige Rednerinnen konfrontierten Stewens mit zum Teil dramatischen Schilderungen aus ihrem Berufsalltag.
Ein Studium bringt nicht automatisch bessere Bezahlung
Zwar ist der Personalbestand an Bayerns Kitas laut Stewens zwischen 2006 und 2011 um 45 Prozent angewachsen. An der Personalnot bei den bestehenden Einrichtungen hat sich vielerorts aber nur wenig geändert. Im Zuge des ab 2013 geltenden Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz wurden zahlreiche neue Einrichtungen eröffnet, was den Widerspruch erklärt.
Zudem müssten Erzieherinnen im Tarifvertrag höher eingruppiert werden, forderten die Rednerinnen. Und nicht nur das: Derzeit rentiert sich ein Studium überhaupt nicht. Eine akademische Ausbildung berücksichtigt das Tarifgefüge nicht, machte eine junge Frau deutlich. Sie hatte nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin ein Studium abgeschlossen. Jetzt arbeitet sie wieder als Erzieherin - zu den alten Konditionen.






