Arbeitslose als Erzieher lösen nicht die Probleme der Kitas
Bund und Freistaat sparen an der Qualität - Demo am 16. Juli in München

Drei Kinder, eine Erzieherin: So könnten die Kleinsten ideal gefördert werden. Leider ist diese Szene nur gestellt. In Bayerns Kindertagesstätten herrscht aktuer Personalmangel.
Die Betreuung von Kindern in Krippen und Kindergärten steckt in der Sackgasse. Es mangelt an Plätzen, Personal und Geld. Nun soll die Lücke auf Kosten der Qualität geschlossen werden. Am Montag, 16. Juli, demonstrieren dagegen Erzieherinnen und Erzieher auf dem Münchner Odeonsplatz.
Ein Kommentar von Klaus Wenzel
Der ab 2013 in Kraft tretende Rechtsanspruch einen Krippen- oder Kindergartenplatz stellt viele Kommunen vor unlösbare Probleme. Doch weder der Vorschlag, geeignete Arbeitslose im Hauruck-Verfahren zu Erzieherinnen und Erziehern umzuschulen noch die Novelle des BayKiBig werden zu deren Lösung beitragen.
Nach Schätzungen der Bundesarbeitsagentur brächten 5.000 arbeitslose Männer und Frauen die Voraussetzungen für eine Umschulung zu Erziehern mit. Weil die Ausbildung allerdings mindestens drei Jahre dauert, denkt die Bundesagentur über eine Sondergenehmigung für eine verkürzte Ausbildung nach.
Bundesagentur für Arbeit spart an der Qualität
Aus Sicht der im BLLV organisierten Erzieher und Erzieherinnen kann dies nur auf Kosten der pädagogischen Qualität der Arbeit gehen. Verlierer wären die Kinder.
Wir brauchen für den Elementarbereich bestens ausgebildetes Personal. Für den BLLV bedeutet dies, dass auch zukünftige Erzieherinnen und Erzieher (!) die Möglichkeit haben müssen, Teile ihrer beruflichen Kompetenz im Rahmen eines Hochschulstudiums zu erwerben.
Dies bedeutet nicht, dass die jetzigen Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen schlecht ausgebildet sind. Tatsache ist jedoch, dass sich die Anforderungen und Herausforderungen in den letzten Jahren erheblich verändert haben. Mit der Einführung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes (BEP) wird der „Kindergarten“ mehr als bisher eindeutig als Bildungseinrichtung definiert. Der Bildungs- und Erziehungsplan ist sehr anspruchsvoll und erfordert vom pädagogischen Fachpersonal hohe Kompetenzen.
Der von der Bundesarbeitsministerin erstmals formulierte und von der Bundesagentur für Arbeit nun aktuell aufgegriffene Vorschlag, arbeitslose Verkäuferin relativ schnell als Fachkräfte für Kindertagesstätten auszubilden, ist daher wenig hilfreich.
Novelle des BayKiBiG bringt keine Verbesserung
Auch die Novelle des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes wird nicht die notwendigen Verbesserungen bringen. Das lässt der jetzt vorgelegte Entwurf befürchten. Ein echtes Mehr an Personal für eine verbesserte Betreuung ist darin nicht vorgesehen.
Dabei bräuchten wir deutlich mehr pädagogisches Fachpersonal in den Kindertagesstätten: Ein Verhältnis von 1: 11 (eine erwachsene Person auf 11 Kinder) ist nicht akzeptabel, selbst das von vielen Verbänden geforderte 1:8 ist noch nicht die Lösung. Zumal es in der Regel so ist, dass eine Gruppe von 20 bis 25 Kindern zwar von zwei erwachsenen Personen betreut wird, aber nur von einer voll ausgebildeten Erzieherin. Die zweite Kraft ist häufig eine Assistenzkraft, also zum Beispiel eine Kinderpflegerin.
Nach wie vor sind die buchungsabhängigen Zeiten im Entwurf so knapp berechnet, dass keine Zeit für eine gewissenhafte Vor- und Nachbereitung bleibt. Zeit, die für eine Beobachtung, Diagnose und Erarbeitung von Fördermaßnahmen für ein Kind aber notwendig wären.
Mehr zum Thema:
»Demo auf dem Münchner Odeonsplatz: Montag, 16. Juli, 16 Uhr.
»Tagesgespräch auf Radio Bayern 2
mit der langjährigen Leiterin der BLLV-Fachgruppe Hildegard Rieder-Aigner.






