Bertelsmann- Studie: Bayern fehlen 3400 Erzieherinnen
Stiftung erwartet Verschärfung des Problems

Immer mehr Kinder besuchen Kindertagesstätten. Doch es mangelt an Erzieherinnen und Erziehern. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, wenn die Beschäftigten nicht besser bezahlt werden.
Den Kindertagesstätten in Bayern fehlen rund 3400 Erzieherinnen und Erzieher. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Schuld am Personalnotstand in den Kitas ist aus Sicht des BLLV die schlechte Bezahlung.
Bayern hat zwar in Sachen Kita-Plätze bereits deutlich aufgeholt, wie die Bertelsmann-Stiftung mitteilte. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der pädagogischen Fachkräfte um gut 40 Prozent gestiegen. Zum 1. März arbeiteten in Bayern 62 900 Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Das geht aus der heute vorgestellten Studie “Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme” hervor.
Allerdings klafft nach wie vor eine große Bedarfslücke, die sich angesichts der steigenden Nachfrage nach Ganztagsbetreuung für Kinder ab drei Jahren deutlich vergrößern dürfte. In Bayern werden nach Erhebungen der Bertelsmann-Stiftung derzeit 28 Prozent aller über dreijährigen Kinder bis zur Einschulung ganztags betreut. Der Freistaat steht damit an drittletzter Stelle und hat damit im Vergleich zu anderen Bundesländern erheblichen Nachholbedarf. Zu erwarten ist deshalb, dass in den kommende Jahren die Nachfrage nach Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten deutlich ansteigen wird.
Nur mit einer höheren Eingruppierung der Beschäftigten von Kindertagesstätten kann der Beruf aus Sicht des BLLV attraktiver werden. Ansonsten wird der 2013 in Kraft tretendende Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nicht einzulösen sein.
Zudem müssten die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert werden. Auch im Entwurf zur Novelle des BayKiBig ist der Betreuungsschlüssel immer noch zu hoch angesetzt. So können die Kinder nicht ausreichend gefördert werden und die Beschäftigten haben mit einer hohen Arbeitsbelastung zu kämpfen, was die Attraktivität des Berufs nicht fördert.
Die Autoren der Studie monieren zudem den hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigten in den Kitas. In Bayern arbeiteten derzeit 57 Prozent der pädagogischen Fachkräfte in Teilzeit. Von den zwischen 2006 und 2011 geschaffenen Arbeitsplätzen in Kitas seien mehr als 77 Prozent Teilzeitstellen.
Die Wissenschaftler schlagen vor, mehr Teilzeitbeschäftige in Vollzeit anzustellen. “Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson”, sagt Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Dieser Qualitätsanspruch sei nur einzulösen, wenn mehr Fachkräfte in Vollzeit arbeiteten. Zugleich sei es eine wirksame Strategie gegen den Fachkräftemangel, wenn möglichst viele Teilzeitbeschäftigte ihre Stundenzahl erhöhten. “Politik und Träger sollten deshalb mehr Anreize für Vollzeitbeschäftigung schaffen.” Mit Material von dpa
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