26. April 2012

„Lehrerbildung fristet ein stiefmütterliches Dasein“

BLLV-Präsident fordert mehr Berufspraxis

Die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften steckt in der Krise. Gut die Hälfte der deutschen Lehrkräfte fühlt sich durch das Studium umzureichend auf die Praxis vorbereitet. BLLV-Präsident Klaus Wenzel fordert mehr Berufsfeldorientierung während des Studiums und mehr Fortbildungsmöglichkeiten.



Lehrerbildung friste ein stiefmütterliches Dasein im universitären Alltag, kritisierte Wenzel im Interview mit der Nürnberger Zeitung. Derzeit muss ein Student des Lehramts Gymnasium insgesamt nur drei Praktika absolvieren. Oft sitzen dabei die Studenten  nur stumm in der Klasse und beobachten den Unterricht, anstatt selbst Unterrichtserfahrung zu sammeln. Das ist aus Sicht von Wenzel „absolut nicht ausreichend“.  Er schlug vor, dass angehende Lehrkräfte gemeinsam mit einem Betreuungslehrer über längere Zeit eine Klasse begleiten dürften. Vorbild für diese Idee ist das „Intensivpraktikum und Lehrwerkstatt“ des Zentrums für Lehrerbildung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, das dieses Schuljahr gestartet ist.

 

Schlechte Vorbereitung auf den angemessenen Umgang mit Eltern

Wenzel rennt mit seiner Forderung bei vielen Lehrkräften offene Türen ein. Jeder zweite Lehrer fühlt sich durch die universitäre Ausbildung nur unzureichend auf die berufliche Praxis vorbereitet. Das geht aus der neuen respräsentativen Befragung „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik“  hervor, die im Auftrag dre Vodafone-Stiftung durchgeführt worden ist. Insbesondere fehlt den Befragten die Vorbereitung auf den angemessenen Umgang mit Schülern und Eltern.



Auch im Fortbildungsbereich liegt nach Wenzels Ansicht vieles im Argen. „Die Angebote reichen hinten und vorne nicht.“ Der Freistaat bräuchte neben der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen mindestens zwei weitere Akademien, um den Bedarf zu decken, sagte Wenzel. Lehrkräfte müssten teilweise bis zu fünf Jahre warten, um den Zuschlag für eine Fortbildung zu erhalten. 

 

Mehr zum Thema:
»Studie der Vodafone-Stiftung "Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik"
»Interview mit Klaus Wenzel

 



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