Was nicht passt, wird passend gemacht
Das Kultusministerium und seine Zahlentricksereien

Wie viele Haupt-/Mittelschüler werden wir im Schuljahr 2012/13 haben? 1995 ging das Kultusministerium noch davon aus, dass 2012/13 314.500 Schüler die Haupt-/Mittelschule besuchen werden. 2011 erwartete man nur noch 195.400 Schüler. 2012 dann die überraschende Kehrtwende: Jetzt wächst die Schülerzahl plötzlich wieder an. Auf welcher Datengrundlage diese neueste Prognose erstellt wurde, ist aber kaum nachzuvollziehen. Zum Vergrößern Bild anklicken.
Mit seinen fehlerhaften Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen biegt sich das Kultusministerium die Realität zurecht. Dies ist angesichts der schwierigen Situation an den Haupt- und Mittelschulen untragbar.
Ein Kommentar von BLLV-Präsident Klaus Wenzel
Mit der vom Kultusministerium praktizierten Prognose- und Personalpolitik kann weder eine vernünftige Klassenbildung noch die ohnehin schwierige Konsolidierung der Mittelschule gelingen. Dringend notwendige Maßnahmen zur individuellen Förderung und zum Ausbau der Inklusion, für Arbeitsgemeinschaften und Ganztagesangebote können so nicht umgesetzt werden. Anstatt das eigene Versagen einzugestehen, wird im Kultusministerium versucht, das Ganze zu verschleiern. „Haltet den Dieb“ heißt das Motto und als „Dieb“ soll der BLLV verunglimpft werden.
Das Kultusministerium behauptet im Pressedienst vom 7. August, dass die von ihm vor kurzem noch als Erfolg verkaufte Zahl von 14 000 zusätzlichen Schülern an der Mittelschule „falsch sei“. Es bezieht sich nun auf die neue Prognose, die erst vor wenigen Tagen im Internet zugänglich gemacht wurde. Zugleich bezichtigt das Kultusministerium den BLLV mit falschen Zahlen zu hantieren.
Dabei handelt es sich um dieselben Zahlen, die das Ministerium vor kurzem noch zu Jubelmeldungen veranlasst haben.
Bewusst zu niedrig angesetzte Prognosen?
Am 26. Juli 2012 gab das Kultusministerium bekannt, dass „rund 14 000 Schüler mehr als 2011 prognostiziert“ die Mittelschule besuchen. Der BLLV kritisierte daraufhin, dass diese Prognose aus dem Jahr 2011 viel zu niedrig angesetzt sei, sodass die Schülermehrung nichts über die Akzeptanz der Mittelschule aussage. Es könne sogar der Verdacht entstehen, dass sich hinter der Vorgehensweise eine Absicht verberge, denn wenn Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen an Mittelschulen überschritten werden, lässt sich das prima als schulpolitischer Erfolg feiern.
Dumm nur, dass die Zuweisung der Lehrerstunden auf Basis der zu niedrig angesetzten Prognose vorgenommen wurde: der unerwartete Schülerzuwachs verursachte eine gewaltige Lücke an Lehrern - und sämtliche Planungen für das kommende Schuljahr waren obsolet. Nach Berechnungen des BLLV fehlen rund 850 Stellen, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen.
Um den Schaden zu begrenzen, zaubern die Verantwortlichen im Kultusministerium nun eilends eine neue Prognose aus dem Hut, mit der das eigene Versagen widerlegt werden soll.
Das Vertrauen von Eltern, Schülern, Lehrkräften und Schulleitungen ist so sicher nicht zu erwerben. Letztere müssen in den Ferien nachsitzen und ihre Planungen überarbeiten. Solche Tricksereien machen eine vernünftige Personalplanung unmöglich und werfen bei vielen Lehrerinnen und Lehrern die Frage auf, wie es mit der Kompetenz und Unabhängigkeit hoher KM-Beamten bestellt ist.
Ehrliche Zahlen und vernünftige Berechnungen sind notwendig und keine dubiosen Zahlenspielereien. Übrigens: In der Pressemitteilung Nr.207 des Kultusministeriums heißt es, dass auch 2012/2013 „die Unterrichtsversorgung wie gewohnt und verlässlich sichergestellt“ ist. Soll das beruhigen? Oder ist das eine Drohung?
Mehr zum Thema:
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