15. Dezember 2011

Streit um "Schultrojaner": Was darf man kopieren?

Urheberrecht: Was Lehrkräfte beachten sollten

Auszugsweises Kopieren aus Schulbüchern für den Unterricht ist erlaubt, das Einscannen der Seiten und deren Weiterverarbeitung im Computer aber nicht.

Der Streit um den Schultrojaner sorgt für Verunsicherung. Mit einer Spezial-Software wollen die Kultusminister der Länder gegen unerlaubte Plagiate von Unterrichtsmaterialien vorgehen. Für viele Lehrkräfte stellt sich nun die Frage, was erlaubt und was verboten ist. Denn ohne Kopien ist im Schulalltag kaum ein vernünftiger Unterricht möglich. 

 

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen digitale Kopien von Schulbüchern, die in Form von Dateien auf Servern und Rechnern der Schulen gespeichert sind. Diese stellen einen Verstoß gegen geltendes Recht dar.  Das erlaubt nämlich nur Fotokopien in Papierform, und das auch nur in begrenztem Umfang. Ein komplettes Buch durchzukopieren und dann die Kopien im Unterricht einzusetzen, würde einen klaren Verstoß dagegen darstellen. Darauf weist BLLV-Medienexperte Johannes Philipp hin.

 

In einem im Jahr 2010 mit den urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften abgeschlossenen Vertrag über die Nutzung und Vervielfältigung von Unterrichtsmaterialen haben sich die Kultusministerien aller Bundesländer dazu verpflichtet, mit Hilfe einer sogenannten Plagiatssoftware stichprobenartig Schulcomputer auf illegale Kopien hin zu überprüfen. Im Gegenzug haben die Verlage den Schulen das Recht eingeräumt, in begrenztem Umfang aus Schulbüchern auf Papier zu  kopieren. Dafür zahlen die 16 Bundesländer laut Vertrag zwischen sieben und neun Millionen Euro jährlich. Denn eigentlich verbietet das Urheberrechtsgesetz das Anfertigen von Kopien aus „Werken, die für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt“ sind, wie es in §§ 53 des Urheberrechtsgesetzes heißt -  egal ob sie in analoger oder digitaler Form vorliegen. Mit dem Vertrag ermöglichen die Länder Kopien für den Unterricht in bestimmten, genau festgelegten Grenzen. 

 

Ob die Plagiats-Software jemals eingesetzt wird, ist offen 
Nur: Welcher Lehrer hat noch nicht irgendwann einmal Texte aus einem Schulbuch in den Rechner eingescannt, weiterverarbeitet und dann im Unterricht benutzt? Das dürften ziemlich viele sein. „Digitale Kopien macht wohl jeder“, vermutet Johannes Philipp. „Anders ist eine zeitgemäße Unterrichtsvorbereitung gar nicht möglich.“ Der Leiter des BLLV-Referats Medien erwartet, dass sich auf fast jedem Schulrechner digitale Plagiate aufspüren lassen. Haben nun diejenigen Schulen und Lehrkräfte, auf deren Rechner sich Kopien von Schulbüchern befinden, mit rechtlichem Ärger zu rechnen? Philipp geht davon aus, dass Lehrkräfte und Schulen zunächst nicht dafür belangt werden. Nachdem, was bislang bekannt ist,  sammelt die Plagiatssoftware, wenn sie denn eines Tages zum Einsatz kommen sollte, nur statistische Daten, also ob und in welchem Umfang gegen das Urheberrecht verstoßen worden ist. Überprüft werden sollen stichprobenartig ein Prozent der Schulen. Namen von Schulen, Personen oder Daten, mit denen einzelnen Rechner identifiziert werden könnten, sollen nicht weitergegeben werden. Die Schulbehörden melden lediglich, welche Werke in welchem Umfang betroffen sind, teilte das Bayerische Kultusministerium auf Anfrage des BLLV mit. „Das Ganze wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass die Verlage bei den Verhandlungen über die Verlängerung des Nutzungsvertrags mehr Geld einfordern werden“, schätzt Philipp.

 

Ob die Software überhaupt jemals zum Einsatz kommt, ist allerdings noch völlig unklar. Das Programm befindet sich zurzeit in der Entwicklung. Und das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben ohnehin die obersten Datenschützer der Länder. Sie müssen dem Einsatz des „Schultrojaners“,  wie die Software von ihren Kritikern genannt wird, zustimmen.

 

Kopieren und Scannen: Was ist erlaubt, was nicht?
Um erst gar nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, rät Philipp Lehrkräften, auf digitale Kopien aus Schulbüchern und Workbooks zu verzichten.  „Wenn Arbeitshefte notwendig sind, sollten Lehrer nicht am falschen Platz sparen und vorher mit den Eltern besprechen, ob diese gekauft werden können“, sagt Philipp. Für ihn ist das auch eine Frage der Fairness. Die Verlage und Autoren sollten bekommen, „was ihnen zusteht“.

 

Außerdem können Lehrerinnen und Lehrer jederzeit auf Presseartikel und gewöhnliche Bücher zurückgreifen, diese auszugsweise kopieren oder digitalisieren und unter Angabe der Quelle im Unterricht einsetzen.  Ohne Einschränkung dürfen auch elektronische Inhalte genutzt werden, die einer Creative Commons Lizenz unterliegen, wie zum Beispiel Texte aus Wikipedia – aber auch hier immer nur mit Quellenangabe, wie Philipp betont.

 

Digitale Medien und Dateien sollten Lehrkräfte am besten bei sich zu Hause aufbewahren und nicht auf dem Schulrechner, rät der BLLV-Medienexperte. Die Schulen sollten nur Daten, Medien und Software speichern und verwenden, die mit der richtigen Lizenz gekauft oder kostenlos erworben worden sind. 

 

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