Lehrkräfte sollten fürs Alter vorsorgen
Wie man in der Euro-Krise anlegt - Tipps einer Expertin

Einmal nachgezählt: Die Mehrzahl der Lehrkräfte geht vor Erreichen der Altersgrenze in Pension. Das ist mit finanziellen Einbußen verbunden. Lehrkräfte sollten deshalb vorsorgen. Foto: Rike / pixelio.de
Lehrkräfte sollten sich Gedanken um ihre Altersvorsorge machen. Immer mehr scheiden vorzeitig aus dem Beruf aus, viele Junglehrer müssen sich anfangs mit Teilzeitverträgen über Wasser halten. Die Überalterung der Gesellschaft könnte zu weiteren Einbußen bei den Pensionen führen. Vermögensberaterin Constanze Hintze gibt im Interview Tipps, wie man in Zeiten der Euro-Krise sein Geld vernünftig anlegt. Am Dienstag, 9. Oktober referiert die Expertin auf Einladung des BLLV-Wirtschaftsdienstes in der BLLV-Geschäftsstelle.
Die Eurokrise beschert uns ein steigendes Inflationsrisiko, gleichzeitig schrumpfen die Renditen bei Sparkonten, Lebens- und Rentenversicherungen. Muss ich als sicherheitsbewusster Anleger meine Altersvorsorge abschreiben?
Nein, abschreiben müssen Sie sie nicht. Aber es ist notwendig, die Vorsorge in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob die getroffenen Maßnahmen reichen – und ob die Renditen stimmen. Ein Sparkonto ist heute jedenfalls ein Verlustgeschäft.
Können Sachwerte wie Aktien und Immobilien vor Inflation schützen?
Zum Teil, es kommt auch auf die Lebensplanung an. Auch wenn ich zur eigenen, selbst genutzten Immobilie rate, ist mit Immobilien Geld langfristig gebunden. Doch das Leben ist voller Wechselfälle. Mit Wohnungseigentum setzen Sie alles auf eine Karte und können nicht flexibel auf Veränderungen in ihrem Leben reagieren. Zudem sind die Preise zurzeit oftmals völlig überteuert. Besser sind Aktienanlagen, denn damit profitieren Anleger von erfolgreichen Volkswirtschaften rund um den Globus. Etablierte Aktienkonzepte sind eine solide und langfristige Geldanlage, sie haben noch jede Menge Potenzial.
Als Lehrer ist meine Pension ist doch sicher. Oder sollte ich mich dennoch zusätzlich absichern?
Der Lehrerberuf ist sehr anstrengend und die Belastung steigt ständig. Nur ein geringer Teil – nach meinen letzten Informationen 6,7 Prozent – kann tatsächlich bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze arbeiten. Das wirkt sich natürlich nachteilig auf die Altersversorgung aus. Zudem dauert die Ausbildung lange, und viele Junglehrer erhalten zunächst nur Teilzeitverträge auf Angestelltenbasis, bis sie verbeamtet werden. So ist eine ausreichend lange Dienstdauer nur schwer zu schaffen. Auch verbeamteten Lehrern kann ich nur raten, sich um frühzeitig um die finanziellen Fragen zu kümmern. Selbst im Optimalfall muss jeder Pensionär einkalkulieren, dass aufgrund der Überalterung der Gesellschaft das Ruhegehalt in den nächsten Jahren reduziert wird.
Warum sollten gerade Lehrerinnen vorsorgen?
Lehrerinnen haben das gleiche Problem wie alle Frauen anderer Berufe. Wer Kinder hat, arbeitet oft nur noch in Teilzeit und nimmt sich Auszeiten. Und das wirkt sich auf die Altersvorsorgeansprüche aus. Damit reduziert sich die gemeinsam zu erwartende Rente. Und natürlich muss jede Frau ihre Vorsorge unabhängig für sich planen. Ehen scheitern leider immer häufiger. Und der Ausgleich im Rahmen einer Scheidung genügt oft nicht für ein auskömmliches Leben im Alter.
Frauen legen ihr Geld eher defensiv an. Damit stecken sie in der gegenwärtigen Situation in einem Dilemma. Was würden Sie ihnen raten?
Es ist gut, dass Frauen vorsichtig anlegen. Doch oft sind sie zu ängstlich. Mit Tagesgeld, Sparkonto oder Bundesanleihen erwirtschaftet man nur noch Zinsen unterhalb der Inflationsrate und das Vermögen schrumpft von Jahr zu Jahr. Deshalb ist es notwendig, die Scheu vor Aktien zu verlieren. Hier rate ich zu guten, risikobewusst geführten Aktienfonds. Schauen Sie sich die Ergebnisse der Vergangenheit an. Wenn ein Produkt auf lange Sicht die Krisen der letzten Jahre gut überstanden hat, spricht das dafür, dass das Management verantwortungsbewusst handelt, in schlechten Phasen Verluste vermeidet und in Aufwärtsphasen Chancen achtsam nutzt.
Zur Person: Constanze Hintze ist Geschäftsführerin von "Svea Kuschel + Kolleginnen – Finanzdienstleistungen für Frauen". Das Unternehmen berät seit mehr als 25 Jahre Frauen in ihrer Altersvorsorge- und Vermögensplanung. Mehr Infos unter www.svea-kuschel.de
Workshop „Vermögensanlage. Wie schütze ich mich vor der Inflation“
Constanze Hintze referiert am Dienstag, 9.Oktober, um 17 Uhr in der BLLV-Geschäftsstelle in München, Bavariaring 37. Im Workshop spricht sie darüber, wie Frauen ihr Geld erfolgreich anlegen. Dazu lädt der BLLV-Wirtschaftsdienst alle Interessierten ein.
Um Anmeldung unter info(at)bllv-wd.de wird gebeten.
Foto: Rike / pixelio.de



