Freistaat hinkt Merkel-Vorgaben hinterher

Bildungausgaben sollen bis 2015 auf 10 % des BIP steigen - Bayern gibt deutlich weniger aus

Die Bildungsausgaben von Bund und Ländern sollen bis zum Jahr 2015 bis auf 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Das hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Juni 2010 bei Bildungsgipfel erklärt. Doch der Freistaat Bayern ist davon noch ein gutes Stück entfernt. Was müsste getan werden, um dieses Ziel zu erreichen? Welche Verbesserungen könnten damit erreicht werden?

 

Von Dr. Gerd Hüfner


Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft in Deutschland

  2007 2008 2009 2010 2015
BIP in Mrd. Euro 2.432 2.481 2.397 2.498 2.710
Ziel: 10 % des BIP in Mrd. Euro 243 248 240 250 271
tatsächliche Ausgaben 204 214 224 -- --
Anteil der Ausgaben am BIP 8,4% 8,6% 9,3% -- --
Lücke zum 10%-Ziel in Mrd. Euro 39 33 16 -- --
Anteil Bildung an Gesamtausgaben 72,4% 71,8% 73,1% -- --

Fazit:
Um 2015 das 10%-Ziel zu erreichen, müssten (bei einem unterstellten Wirtschaftswachstum von jährlich 1,7 Prozent) 271 Mrd. Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft von öffentlichen und privaten Geldgebern investiert werden.

 


Entwicklung des Haushalts des bayerischen Kultusministeriums

  Haushaltsplan Differenz zum Vorjahr Differenz zu 2009 Abstand zum 10%- Ziel
  Mio. Euro % % Mio. Euro
2008 8.632 + 5,9 -- 2.410
2009 9.125 + 5,7 -- 1.916
2010 9.482 + 3,9 + 3,9 1.559
2011 Planung 9.558 + 0,8 + 4,7 1.483
2012 Planung 9.788 + 2,4 + 7,3 1.253
2015 10%-Ziel 11.041 -- + 21 --

Fazit:
Um das 10%-Kriterium zu erfüllen, hätte Bayern im Jahr 2010 zusätzlich 1,56 Mrd. Euro in die Bildung investieren müssen. Im Haushaltsplan des Kultusministeriums für 2012 fehlen 1,25 Mrd. Euro, um die 10%-Quote zu erreichen. Das bisher geplante Wachstum des Haushalts reicht nicht aus, um das Kriterium im Jahr 2015 zu erfüllen.

 


Was bringt die demografische Rendite?

Das Kultusministerium prognostiziert einen Schulerrückgang an den allgemeinbildenden und beruflichen Schülern von 1.838.466 im Jahr 2009 auf 1.630.800 Schüler im Jahr 2015. Das entspricht einem Rückgang von 207.500 Schülern oder 11,3 Prozent. Die bayerische Staatsregierung beteuert, dass die sogenannte demografische Rendite im Bildungssystem bleiben soll, d.h. die durch den Schülerrückgang freiwerdenden Mittel sollen nicht eingespart werden. 2008 gaben Länder und Gemeinden pro Schüler 5.400 Euro aus. Rund 80 Prozent davon schoss der Freistaat zu. Das entspricht 4.300 Euro pro Schüler.  Bezogen auf 2025 würden so Mittel in Höhe von rund 900 Millionen Euro frei werden.

 

Fazit:
Mit diesen 900 Mio. Euro und den 1,5 Mrd. Euro könnte die Situation an Bayerns Schulen grundlegend verbessert werden. Die demografische Rendite muss den Schulen aber tatsächlich zur Verfügung stehen und darf nicht dem Wissenschaftsressort zugeschlagen werden.

 


Welche Verbesserungen könnten man mit einem Plus von 1,5 Mrd. Euro im Kultushaushalt erzielen?

Variante A: zusätzlich 21.500 Lehrkräfte, die rund 500.000 Wochenstunden unterrichten

  • In fast jeder 5.500 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen könnten zuätzlich vier Lehrkräfte eingestellt werden.
  • Die Schüler-Lehrer-Relation würd sich von 16,5 auf 13.8 Schüler pro Lehrer verbessern.
  • In jeder der 83.000 Klassen könnte pro Woche eine zusätzliche Lehrkraft 6,5 Unterrichtsstunden abhalten.
  • Es könnten 17.600 Klassen mehr geschaffen werden und damit die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse von 22,2 auf 18,2 gesenkt werden.
  • Es könnten 43.000 Klassen als gebundene Ganztagsklassen geführt werden. Das wäre mehr als die Hälfte aller Schulklassen.

 

Variante B: zusätzlich 13.000 Lehrkräfte (rund 325.000 Wochenstunden) und 5.500 Förderlehrer (rund 140.000 Förderstunden pro Woche) sowie 5.500 Sozialpädagogen

  • Jede der 5.500 Schulen könnte zusätzlich zwei Lehrkräfte, große Schulen drei mehr erhlaten, sowie einen Förderlehrer und einen Sozialpädagogen.
  • Die Schüler-Lehrer-Relation würde sich von 16,5 auf 14,4 Schüler pro Lehrer verbessern.
  • In jeder der 83.000 Klassen könnte pro Woche eine zusätzliche zweite Lehrkraft vier Stunden unterrichten sowie 25 Förderstunden an jeder Schule angeboten werden.
  • Es könnten 10.700 Klassen eingerichtet und die Klassengröße auf 19,6 Schüler gesenkt werden.
  • Es könnten zusätzlich 21.500 gebundene Ganztagsklassen geschaffen werden.

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