"Bayerische Sprache und Kultur kann man nur vorleben"

Realschule bringt Bairisch Bayern und Migranten bei

Multikulti trifft auf Tradition: In Vilsbiburg (Niederbayern) sprechen auch Kinder mit Migrationshintergrund Bairisch. Wie man in Zeiten der Globalisierung  bayerische Sprache und Kultur vermittelt, erzählt Carolina Tschöp. Sie unterrichtet Deutsch an der Realschule Vilsbiburg. Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte (FBSD), hat mir ihr gesprochen.

 

In welchen Fächern kann die Schule Volkskultur und Dialekt vermitteln?

Carolina Tschöp: In fast allen Fächern und in fast allen Jahrgangsstufen besteht der Bezug zur Heimat und zur Mundart – also auch in Biologie, Erdkunde, Geschichte, Werken. Im Deutschunterricht halten Schüler Referate über kulturelle Themen und in den 7. Klassen können sich Heimatgemeinden, Trachten- und Musikvereine vorstellen. Im Fach Musik werden – wenn es passt – auch traditionelle Musiktitel behandelt. In der 5. Klasse ist die Musik unserer Heimat Teil des Lehrplans. Im Religionsunterricht werden vor allem in der 6. Jahrgangsstufe heimatkulturelle Themen vermittelt. So werden etwa im Lehrplanbereich „Das Kirchenjahr“ kirchliche Feiertage vorgestellt und dabei das Brauchtum in unserer Heimat erklärt.

 

Die bayerische Verfassung sieht neben dem Schutz kultureller Überlieferungen auch die Erziehung der Schüler in der Liebe zur bayerischen Heimat vor. Kann die Schule diesem Anspruch gerecht werden?

Natürlich wird in der Schule versucht, kulturelle Überlieferungen zu schützen und die Schüler in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen. Die bayerische Heimat ist aber nicht nur traditionell zu sehen, sondern auch als ein Land, das auch im Zuge der Globalisierung sich im stetigen Wandel befindet, technologisch und demographisch. Die Kinder mit Migrationshintergrund werden immer mehr. Man muss versuchen, dies als Chance zu sehen, neue kul-turelle Aspekte in unsere Heimat zu integrieren. Wir versuchen bei uns an der Schule, die Liebe zur bayerischen Heimat zu fördern, die beinhaltet, dass auch Kinder aus anderen Ländern ihre Liebe zu Bayern entdecken und ausleben können. Tradition und Moderne sollen bei uns zu einer Einheit verschmelzen, da sie sich nicht gegenseitig ausschließen. Gerade das soll die Tradition für Schülerinnen und Schüler im Zeitalter von Social Media und Smartphones interessant machen.

 

Wie steht es mit der Mundartkompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler?

Sie haben es an unserer Schule ja selbst hören können. Es wird Mundart gesprochen, sowohl von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, als auch von Lehrerinnen und Lehrern. Die Kinder haben bei uns keinen Nachteil, wenn sie Dialekt sprechen. Jedoch wird im Unterricht auch darauf Wert gelegt, dass sie sich sicher und differenziert ausdrücken können. Gerade in Referaten sollen sie lernen, sich in der Standardsprache auszudrücken, damit sie diese im späteren Berufsleben beherrschen.

 

Welche Themen enthalten die Lehrpläne zur bairischen Sprache und zur Mundart und können diese erfolgreich umgesetzt werden?

Das Thema „Vielfalt und Wandel der Sprache“ ist in Deutsch in jeder Jahrgangsstufe vorhanden. Speziell der Dialekt wird in der 8. Klasse behandelt, mit folgendem Lernziel: „Unterschiede zwischen Umgangssprache und Standardsprache sowie Dialekt und die jeweils spezifischen Verwendungsmöglichkeiten erkennen, die richtige Sprachebene situationsangemessen einsetzen.“ Dieser Lehrplanbereich wird erfolgreich umgesetzt und die Schülerinnen sowie Schüler haben meist sehr viel Spaß daran.

 

Soll Ihrer Meinung nach „Bairisch“ als Schulfach eingeführt werden?

Ich persönlich bin gegen eine Schulstunde „Bairisch“. Zum einen schon deswegen, weil es keinen verbindlichen bairischen Dialekt gibt, weder gesprochen noch geschrieben. Bereits von Dorf zu Dorf kann die Aussprache einiger Wörter variieren; also welche soll man dann lehren? Zum anderen kann dies leicht aufgesetzt wirken, wenn man den Schülerinnen und Schülern in 45 Minuten die bairische Sprache und Kultur nahe bringen will. So etwas kann man meiner Meinung nach nur vorleben und nicht lehren.

 

Auf Initiative des FBSD wurde 2006 vom bayerischen Kultusministerium die ISP-Lehrerhandreichung „Dialekte in Bayern“ erstellt. Kennen Sie dieses Werk?

Die Handreichung ist bei uns an der Schule vorhanden und wird auch eingesetzt. Häufig ist es jedoch so, dass die Stunden über den Dialekt ein „Eigenleben“ entwickeln, da Schüler alte bairische Ausdrücke sammeln und vorstellen wollen. Man muss diese Stunden als Lehrer nur wenig lenken, da die Aktivität hier meist sowieso von den Schülerinnen und Schülern ausgeht.

 

Das Interview wurde uns freundlicherweise vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

 

 

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