Denkmal
Gymnasium neu denken
Alte Krusten aufbrechen
Mit vorliegendem Positionspapier will der BLLV eine überfällige Diskussion über die Zukunft des Gymnasiums in Bayern anstoßen, die weit über das G8 hinausgeht. Hierbei geht es um eine Überwindung weitverbreiteter „Denkverbote“ und die Entwicklung eines neuen offenen Gymnasiums, in dessen Mittelpunkt ein neuer Lernbegriff und die neuen pädagogischen Aufgaben stehen.
Dies schulden wir den Tausenden neuer Kolleginnen und Kollegen, die in den nächsten Jahren ihren Dienst am Gymnasium antreten. Und das schulden wir unseren Schülern, die eine moderne, leistungsfähige und gerechte Gesellschaft im 21. Jahrhundert gestalten müssen. Nur wenn wir Visionen haben, können wir uns auf den Weg machen und unsere Schulen neu gestalten.
Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion um das Gymnasium endlich führen ohne ideologische Grabenkämpfe, Vorurteile und Ängste.
Klaus Wenzel,
Präsident des BLLV
Menschen statt Statuen
Die Demonstrationen gegen das G8 und die Hochschulsituation zeigen vor allem eines: Unsere Jugend, die lange als unpolitisch und karriereorientiert charakterisiert wurde, fühlt sich von diesem Bildungssystem im Stich gelassen. Die Einführung des G8 hat die Menschen, die an diesen Bildungseinrichtungen lernen und arbeiten, aus den Augen verloren. Die Demonstrationen der Schüler und Studenten sind der GAU der Bildungspolitik. Es ist alarmierend, wenn Zehntausende von jungen Menschen sich gegen ihre eigenen Bildungseinrichtungen wenden. Im Kern ist es ein Verzweiflungsschrei geboren aus Überforderung und existentieller Zukunftsangst.
Aus lauter Verliebtheit in alte Strukturen oder aus ideologischer Verblendung schrauben wir beim Gymnasium an tausend kleinen Schräubchen ohne eine Vision für diese einst so stolze Schulart zu haben. Vielmehr soll das leitmotivisch immer wieder durchscheinende überkommene Konzept der sog. „höheren Bildung“ als Turboversion und als Massenveranstaltung im 21. Jahrhundert überleben. Das kann ebenso wenig funktionieren wie die Rückkehr zum elitären Gymnasium. Die elitären Privatschulen, auf die unsere gesellschaftliche Führungsschicht ihre Kinder längst schickt, arbeiten durch die Bank mit einem reformpädagogischen innovativen Konzept, in dem der junge Mensch im Mittelpunkt steht.


