Jüdischen Lehrerinnen und Lehrern auf der Spur 

BLLV startet Biografieprojekt für Schüler und arbeitet damit ein dunkles Geschichtskapitel auf

Schüler arbeiten die Schicksale jüdischer Lehrer in Bayern auf. Im Rahmen des BLLV-Biographieprojekts "Erinnern" recherchieren sie deren Leben, Entrechtung und Verfolgung. Mit der Initiative beleuchtet der BLLV auch ein dunkles Kapitel seiner eigenen Geschichte.

 


In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in Bayern nach Recherchen des BLLV schätzungsweise 800 bis 900 Lehrerinnen und Lehrer jüdischen Glaubens. Sie unterrichteten an Gymnasien, Oberrealschulen, jüdischen Volksschulen und als Religionslehrer an allen Schularten. Dem BLLV sind nach mehrjähriger Archivrecherche 650 Lehrerinnen und Lehrer mit Namen und Kurzbiografien bekannt, darunter 121 Namen von ermordeten jüdischen Lehrerinnen und Lehrern aus Bayern (Stand  24.02.2012). 

 

Jüdische Lehrkräfte waren selbstverständlicher Teil des kulturellen Lebens in Bayern. Neben München, Augsburg, Nürnberg, Fürth, Regensburg und Würzburg gab es zahlreiche kleine jüdische Landgemeinden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Kultur vernichtet, die Lehrerschaft vertrieben, deportiert und ermordet.

 

Warnung vor den Folgen von Diskriminierung und Verfolgung

Mit dem Biografieprojekt "Erinnern" für den Geschichtsunterricht will der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) an die Lebensgeschichten  der jüdischen Lehrkräfte in Bayern erinnern. Heranwachsende sollen unter fachkundiger Betreuung ermutigt werden, auf Spurensuche zu gehen. Dabei sollen sie Einzelschicksale aus der Umgebung oder dem Wohnort recherchieren, um sich so dem jüdischen Leben in Bayern in den ersten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts und seiner Vernichtung durch den Nationalsozialismus zu nähern. In aktiven Lernprozessen wird die Lebenssituation jüdischer Lehrer in Bayern beleuchtet, insbesondere ihre stückweise Entrechtung, die Emigration ins Ausland und ihre Verfolgung und Ermordung.

 

 „Der Schwerpunkt liegt auf der Rekonstruktion von Biografien in der Zeit zwischen 1900 und 1942. Bisher gibt es dazu kaum Literatur“, erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel bei der Präsentation des Projekts. „Auch die bayerischen Lehrervereine haben in der Zeit des Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen“, erinnerte Wenzel. Als Berufsverband sehe sich der BLLV deshalb in der Verantwortung, das Gedenken an Leben und Wirken der jüdischen Kolleginnen und Kollegen in Bayern wach zu halten. Darüber hinaus mache das Projekt spürbar, welche Auswirkungen Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung, Terror, Gewalt, Gettoisierung oder Rassismus auf den Einzelnen haben können

 

„Wichtiger Baustein gegen das Vergessen“

Die systematische Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland habe auch vor jüdischen Schulen und jüdischen Lehrern nicht Halt gemacht, sagte der Präsident des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. Die Namen der jüdischen Lehrerinnen und Lehrer dem Vergessen zu entreißen, hätte eine große Bedeutung für die jüdischen Gemeinden und für die gemeinsame christlich-jüdische Geschichte in Bayern. „Bildung ist ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identität. Dazu gehören auch die jüdischen Schulen in Bayern und die jüdischen Lehrer in allen Schulen“, betonte er.  


Dr. Schuster  bezeichnete das Geschichtsprojekt als „einen sehr wichtigen Baustein gegen das Vergessen des dunkelsten Kapitels der deutsch-jüdischen Geschichte.“ Mit ihm werde ein „Beitrag gegen aktuelle Formen des Rassismus, Antisemitismus und der Ausgrenzung geleistet.“

 

Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung

Besonders begrüßte Schuster die Möglichkeit, dass im Rahmen des BLLV-Projekts Schülerinnen und Schüler Biografien jüdischer Lehrkräfte anfertigen könnten. Unabhängig von der wertvollen „Erinnerungsarbeit“ würden damit auch die jungen Menschen für Toleranz, Demokratie und Zivilcourage sensibilisiert. Schuster: „Durch solche Initiativen werden Jugendliche ermutigt, gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung aufzustehen. Die Nazigewaltherrschaft ist eine besondere Mahnung an alle Personen und Institutionen in Deutschland, jeder Bedrohung der Menschenrechte entgegenzutreten.“

 

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