KOMMENTAR

Was beim Schüler ankommt, zählt!  

Jetzt ist es auch für Münchner Schulen durch eine wissenschaftliche Studie belegt: Wenn Schulen zusätzliche Ressourcen zur individuellen Förderung bekommen, bringt das was. So sind z. B. die 3 Millionen Euro, die die Stadt jährlich für die „Bedarfsorientierte Budgetierung“ in die Hand nimmt, wahrlich kein Pappenstiel und – amtlich bestätigt – sicher auch sehr gut angelegt.  

Am Ende zählt allerdings das, was bei den Schülerinnen und Schülern tatsächlich ankommt. Einerseits ist es an den untersuchten Schulen offenbar weitestgehend gelungen, die Förderangebote auch bei höherem Vertretungsbedarf aufrecht zu erhalten; vom ISB wurden hier nur selten Ausfälle registriert. Dennoch bleibt…  

Das Kreuz mit den Noten  

Die Studie stellt fest, dass sich die unbestreitbaren Erfolge individueller Förderung bisher nur teilweise in verbesserten Noten zeigen. Warum ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass die erzielten Fortschritte in der Regel bestenfalls ausreichen, um bei steigenden Prüfungsanforderungen im Lauf des Schuljahres die bisherige Note zu halten? Oder müssten die meisten Schülerinnen und Schüler noch viel intensiver gefördert werden, um wirklich in die „notenrelevanten“ Bereiche vorzudringen? Müsste dazu vielleicht auch die Zusammenarbeit aller Pädagoginnen und Pädagogen an der Schule noch weiter ausgebaut und mit Anrechnungsstunden unterstützt werden?  

Wie auch immer: Motivierend ist die Botschaft nicht, die bei unseren Schülerinnen und Schülern ankommt, im Gegenteil! Sie werden nicht etwa mit besseren Noten für ihre Mühen und Fortschritte belohnt, sondern bekommen immer wieder schwarz auf weiß attestiert, dass sie weiterhin hinterher hinken. Und auch das Schulsystem verfehlt im Kern – trotz beträchtlicher Investitionen – das erklärte Ziel, Bildungserfolg unabhängiger von der sozialen Herkunft zu machen. Dieser wird ja bekanntlich am Ende ebenfalls in Noten ausgedrückt. Lösungsvorschläge für dieses Dilemma hat der BLLV schon vor Jahren vorgelegt.  

Aussichten  

Da sich jedoch in absehbarer Zeit nichts am Notensystem ändern wird, bleibt Stadt und Staat vorläufig nur eine zentrale Stellschraube: Weitere Schippen drauflegen, volle Kraft voraus! Bekanntlich wird es aber momentan immer schwieriger, weil die „Köpfe“ fehlen, die die nötigen Lehrerstunden leisten könnten. Entspannung ist keine in Sicht. Vielmehr werden überall an den Grundschulen und den Mittelschulen zusätzliche Stunden und bewährte Förderangebote wie etwa die Ü-Klassen zusammengestrichen, um wenigstens die Grundversorgung zu sichern. Die Rückkehr zum G9 wird sich auf die Lage an den Gymnasien auswirken… Hinzu kommt, dass der Dienst in München deutlich attraktiver werden muss, damit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bezirken gerne zu uns kommen und bleiben wollen. Außerdem wird es höchste Zeit, den Kollegen Computer mit effektiven Förderprogrammen fit zu machen, um zumindest ein Stück weit in die Bresche springen zu können.  

Wege gibt es viele, gehen muss man sie.  

Martin Göb-Fuchsberger  

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