121 Rosen in der Mitte des Saals zogen bei der Gedenkfeier die Blicke auf sich. Jede Rose symbolisiert einen ermordeten jüdischen Lehrer. (Bildergalerie - bitte anklicken)

Den Opfern ein Stück ihrer Würde zurückgeben

BLLV erinnert bei Festakt an ermordete jüdische Lehrer und bekennt sich zu seiner Schuld

Hunderte von Lehrerinnen und Lehrer jüdischen Glaubens wurden in Bayern während der Nazidiktatur verfolgt. Etwa 150 von ihnen wurden deportiert und umgebracht. Mit einer bewegenden Feier gedachte der BLLV am Mittwoch dieser Menschen.  Beim Festakt wurden die Namen und Schicksale von 121 ermordeten jüdischen Pädagogen verlesen, die bislang in mehrjähriger Arbeit recherchiert werden konnten. „Damit wollen wir ihnen ein Stück ihrer Würde zurückgeben“, sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel in seiner Rede.

 

Die Gedenkfeier stellt den vorläufigen Höhepunkt eines Projektes dar, das der BLLV 2008 angestoßen hat. Unter dem Motto „AUFSTEHEN: Gegen Vergessen und Unrecht“ arbeitet der Verband die Geschichte der jüdischen Lehrerinnen und Lehrer in Bayern auf und stellt sich damit einem traurigen Kapitel der eigenen Vergangenheit: Der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von jüdischen BLLV-Mitgliedern.

 

„Bildung als Menschenrecht ist nicht nur eine Leitidee, sondern eine grundlegende Verpflichtung. Diese Verpflichtung führt dazu, dass wir uns auch mit den dunkelsten Jahren unserer Verbandsgeschichte beschäftigen“, sagte Wenzel vor den geladenen Gästen, darunter Landtagspolitiker, Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden, der Konfessionen sowie des Kultusministeriums. Eine Lehrerin und eine Schülerin vom Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium trugen die Ergebnisse ihre Forschungen vor: die Lebensläufe von drei jüdischen Lehrern, die ins Ausland emigrierten.

 

Bekenntnis zur eigenen Schuld

Der BLLV versteht sich seit seiner Gründung im Jahr 1861 als überkonfessioneller Verband. Von Anfang an fanden hier israelitische Lehrer gleichberechtigt neben allen anderen Mitgliedern eine Heimat. Darauf wies BLLV-Präsident Klaus Wenzel hin. Die gelebte Toleranz nahm ein jähes Ende, als am 25. April 1933 eine Gruppe nationalsozialistischer Lehrer die Führung des damaligen Bayerischen Lehrerverbands bei einer außerordentlichen Hauptversammlung an sich zog. Vorsitzender wurde Josef Bauer, in den 1920er Jahren ein enger Weggefährte Adolf Hitlers.

 

„Der BLLV hat in seiner Geschichte Schuld auf sich geladen“, sagte Wenzel. Es habe keinen erkennbaren Widerstand gegen die Übernahme des BLV durch die Nationalsozialisten gegeben. Fast alle der Mandatsträger hätten geschwiegen, als jüdische und sozialdemokratische Lehrer ausgegrenzt und verfolgt wurden. „Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung. Diese Scham wird uns immer begleiten.“

 

Berechtigte Mahnung vor Ausgrenzung und Verfolgung

Mit „AUFSTEHEN: Gegen Vergessen und Unrecht“ will der BLLV sich seiner Verantwortung stellen. Im Rahmen dieses Biografie-Projektes recherchieren Schüler die Schicksale von jüdischen Lehrern. „Erinnern heißt, Menschen der Vergessenheit zu entreißen“, sagte Wenzel. Damit wolle der Verband den Opfern ein kleines Stück ihrer Würde zurückgeben.

 

Eine Geste, die aus aktuellem Anlass ihre Berechtigung hat: In Toulouse erschoss im März ein mutmaßlicher Antisemit vier Menschen  vor einer jüdischen Schule. Darauf wies Dr. Josef Schuster hin. „Wenn Menschen sterben müssen, nur weil sie Juden sind, ist es notwendig die Erinnerung an den Naziterror wach zu halten“, betonte der Präsident des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland.

 

Lehrer liefen in Scharen der NSDAP zu

Kultusstaatssekretär Bernd Sibler betonte in seiner historischen Rückschau, dass Lehrkräfte eine maßgebliche Rolle in der NSDAP gespielt hätten. In den drei Monate Monaten nach der Machtergreifung durch die Nazis im Februar 1933 seien rund 70.000 Lehrer in die NSDAP eingetreten – in der Hoffnung auf schnellen beruflichen Aufstieg. Der Ministeriumsvertreter würdigte das Biografie-Projekt als beispielhaft. „Mit diesem legen sie ein klares Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass ab“, sagte Sibler.  Hier werde vorgeführt, wie entdeckendes Lernen funktionieren könne. Es gehe nicht nur um Faktenwissen, sondern auch um emotionale Anteilnahme. "Ich danke dem BLLV, dass er sich auf diese Weise des Themas so sensibel angenommen hat.“

 

Mehr zum Thema:

»Rede von BLLV-Präsident Klaus Wenzel
Ȇber das Projekt
»Projekt-Website mit ausführlichen Informationen
»Bilder von der Gedenkfeier
»Bericht des Bayerischen Fernsehens

 

 

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