Gemeinsame Erklärung der abl und des BLLV

 

Hilfen für Flüchtlinge und Bildung nicht gegeneinander ausspielen!

 

Flüchtlinge suchen in Deutschland und Bayern Schutz vor Terror, Vergewaltigung, Verfolgung und Mord. Ein Ende ist nicht absehbar. Wir bayerischen Lehrerverbände wollen und müssen handeln – und das Gleiche erwarten wir von der Politik! Ausdrücklich begrüßen wir daher, dass die Bayerische Staatsregierung einen Nachtragshaushalt von 1,3 und 1,5 Milliarden Euro plant.

 

Asyl ist Menschenrecht. In Deutschland ist es zudem im Grundgesetz als Grundrecht festgeschrieben. Menschen haben ein Recht auf menschenwürdige Behandlung. Die Bayerische Verfassung beschreibt in Artikel 131 als Ziele der Bildung, Schüler zu erziehen zur „Achtung vor der Würde des Menschen“, zu „Verantwortungsgefühl“, „Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit“ und „im Sinne der Völkerverständigung“. Das gilt uneingeschränkt für geflüchtete Kinder und Jugendliche sowie deren Familien.

 

Mit Nachdruck wenden wir Lehrerverbände uns gegen alle Versuche, Ressourcen für Hilfen für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen gegen Ausgaben im Bildungshaushalt aufzurechnen. Es ist unmöglich, die Mehrbelastungen der Schulen in Folge der Aufnahme von Flüchtlingskindern mit den vorhandenen Mitteln zu finanzieren. Wir Lehrerverbände stellen uns dem gemeinsam entschieden entgegen. Mehr Flüchtlinge erfordern mehr Geld für ihre Beschulung. Bayern braucht beides: Unterstützung für Flüchtlinge und einen bestmöglich ausgestatteten Bildungsbereich.

 

Wir haben in Bayern motivierte Lehrer/innen, die gerne und engagiert arbeiten – egal ob mit deutschen Schüler/innen oder mit Flüchtlingen und Asylbewerber/innen. Doch dazu brauchen sie Zeit und Unterstützung.

 

Die bayerischen Lehrerverbände stellen klar:

  • Wir fordern, dass die Themen „Flüchtlinge“ und „Bildung“ nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer die Menschen vor eine solche Entscheidung stellt, provoziert Unzufriedenheit und Neid. Dadurch würde der soziale Frieden im Freistaat Bayern gefährdet. Es darf in diesem Zusammenhang kein „Entweder-oder“ geben.
  • Wir fordern zusätzliche Mittel für Flüchtlinge in unseren Schulen. Wir brauchen vor allem geschultes Personal, das auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angemessen eingehen kann: Psycholog/innen, Dolmetscher/innen und Lehrer/innen mit Kenntnissen in Deutsch als Zweitsprache etc.
  • Wir fordern einen angemessenen Anteil aus dem geplanten Nachtragshaushalt für den Bildungsbereich. Die Vorstellung, dass die Hilfe für Flüchtlinge aus den vorhandenen Mitteln des Bildungsetats bestritten werden könnte, ist absurd. Der Bildungsetat ist angesichts gewaltiger Herausforderungen (individuelle Förderung, Ganztag, Inklusion) bereits jetzt unterfinanziert.
  • Wir fordern eine bedarfsorientierte und unbürokratische Verteilung der zusätzlichen Mittel! Wir favorisieren die Bildung einer „Task-Force Flüchtlinge“. Dabei soll entsprechend geschultes Personal möglichst mit Erfahrungen im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ schnell und unkompliziert eingesetzt werden. Geeignete Angebote zur Nachqualifikation sind schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen. Ausgebildete Lehrkräfte sind ausreichend vorhanden (arbeitslose Junglehrer/innen und Wartelistenbewerber/innen).
  • Wir bieten unsere Hilfe an. Für Fragen der Bildung und der Beschulung von Flüchtlingen sind wir kompetente Ansprechpartner. Wir kennen die Herausforderungen der Praxis und bündeln wertvolles Know-how. Wir fordern eine Arbeitsgruppe des Kultusministeriums mit den Lehrerverbänden und weiteren Experten. Sie soll einen Masterplan erstellen, wie die Schulen in die Lage versetzt werden, die Flüchtlinge aufzunehmen.

 

Wir Lehrerverbände bekennen uns zu den Grundrechten und der konsequenten Umsetzung des Bildungsauftrags unserer bayerischen Verfassung für alle Menschen.

 

gez.

Jürgen Böhm
Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv)

Simone Fleischmann
Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV)

Ursula Lay
Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl)
Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern (KEG)

 

Max Schmidt
Erster Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv)

Jürgen Wunderlich
Landesvorsitzender des Verbandes der Lehrer an Beruflichen Schulen (VLB)

 

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