Historischer Hintergrund

Lehrer und Lehrerinnen jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens waren in Deutschland seit der Reichsgründung im Jahr 1871 gleichberechtigt tätig in staatlichen israelitischen Volksschulen, in staatlichen weiterführenden Schulen und in privaten jüdischen Schulen, die von jüdischen Kultusgemeinden eingerichtet und betreut wurden. In den staatlichen Schulen arbeiteten sie mit nicht jüdischen Kollegen und engagierten sich für das Wohl von Kindern christlichen und jüdischen Glaubens. In der Weimarer Republik erhielten alle Lehrer an staatlichen Schulen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit den Beamtenstatus. Im „Bayerischen Lehrerverein“ waren gleichberechtigt auch Lehrer „Israelitischen Glaubens“ organisiert.

 

Berufsausschluss und Deportation

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (7.April 1933) schuf bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die Grundlage für die Entlassung der ersten jüdischen Lehrer aus dem Schuldienst. Mit den sog. Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935  verloren  alle verbeamteten jüdischen Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeit, jüdische Schüler mussten die staatlichen Schulen verlassen. In den folgenden Jahren konnte ein Teil der Lehrer in neu gegründeten und meist durch die jüdischen Gemeinden finanzierten jüdischen (israelitischen) Schulen unterrichten. Ein Großteil der männlichen Lehrer und Schüler in Bayern wurde während der Reichspogromnacht verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Viele, die nicht mehr emigrieren konnten oder wollten, wurden schließlich Anfang der vierziger Jahre in die großen Vernichtungslager deportiert und ermordet.

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