Glossar

zum Film LEBEN AUSSER KONTROLLE und zum Thema Gentechnik

 

von Anita Idel

 

 

Antibiotikaresistenz-Gene

Auf Pflanzen werden bei der gentechnischen Manipulation nicht nur Sequenzen für die gewünschten Eigenschaften, sondern – aus technischen Gründen – auch sogenannte Antibiotikaresistenz-Gene übertragen. Sie werden als Marker-Gene, als Selektionsmarker benutzt, um diejenigen Pflanzen zu identifizieren, in deren Erbgut sich die gewünschten Gensequenzen integriert haben, denn alle anderen sterben bei einer Behandlung mit dem entsprechen-den Antibiotikum ab.

Die größte Gefahr liegt in der möglichen Übertragung von Antibiotikaresistenz-Genen auf Bakterien, die bis dahin mit dem entsprechenden Antibiotikum bekämpft werden konnten. In der EU sind bestimmte Antibiotika-Resistenzgene in transgenen Pflanzen für den kommerziellen Anbau seit 2005 und bei Freisetzungen / Feldversuchen seit 2009 verboten.

 

„Antimatsch-Tomate“

In den USA kam 1994 für kurze Zeit eine länger haltbare Tomate unter dem Namen FlavrSavr auf den Markt. Sie sollte durch bessere Lagerfähigkeit wirtschaftlich interessant für den Handel und die Supermärkte sein. Sie erwies sich aber als empfindlich und benötigte eine spezielle Verpackung. In der EU hatte FlavrSavr nie eine Zulassung.

 

Auskreuzung

s. a. Kontamination, Verunreinigung

Beispiel Raps: Raps hat in Deutschland die Verwandten Rübsen und Hederich. Durch Bestäuben dieser Verwandten mit Pollen von transgenem Raps, der resistent gegen ein Totalherbizid ist, würden aus den daraus entstehenden Samen gentechnisch veränderte Pflanzen, sogenannte Unkräuter, entstehen, die resistent gegen das Totalherbizid wären.

 

Bacillus thuringiensis (Bt)

s. a. Bt-Pflanzen

Bacillus thuringiensis ist ein Bodenbakterium, das verschiedene Toxine (Gifte) bildet, die für bestimmte Insekten bzw. ihre Larven- und Raupenstadien tödlich sind. Bt-Präparate werden in der ökologischen Landwirtschaft und in Naturschutzgebieten als Pestizide eingesetzt. Die Umweltverträglichkeit dieser Bt-Präparate beruht insbesondere darauf, dass sie nur einmalig angewendet und die Toxine durch UV-Licht schnell abgebaut werden. Im Gegensatz dazu bilden gentechnisch-veränderte Bt-Pflanzen permanent Bt-Toxine. Der dadurch verschärfte Selektionsdruck führt zur Resistenzentwicklung bei den Insekten.

 

Biologische Vielfalt

s. a. Übereinkommen zur Biologischen Vielfalt (CBD)

Wissenschaftliche Studien belegen die Bedrohung der biologischen Vielfalt durch transgene herbizidresistente Pflanzen (HR-Pflanzen) so z. B. die Reduktion von Wildpflanzen und davon lebender Insekten.

Siehe z. B. unter www.defra.gov.uk/environment/gm/fse/index.htm

 

Biotechnik, Biotechnologie

s. a. Gentechnik

Die Begriffe Biotechnik und Biotechnologie stehen für Verfahren, mit denen biologische Prozesse technisch nutzbar gemacht werden. Dazu zählen Techniken wie die Fermentation und Gärung zum Brotbacken oder Bierbrauen, aber auch die Fortpflanzungstechniken wie der Embryotransfer. Die gentechnische Manipulation, die willentliche Veränderung von Gensequenzen innerhalb des Genoms, stellt einen Teilbereich der Biotechnologie dar. Inzwischen wird der Begriff Biotechnologie aber häufig strategisch an Stelle von Gentechnik benutzt, so dass diese Grenzen verwischt werden.

 

Bt-Pflanzen

s. a. Bacillus thuringiensis (Bt)

Bt-Pflanzen sind gentechnisch so verändert, dass sie ein (oder mehrere) Bt-Gifte produzieren als Pestizid gegen bestimmte Schädlinge. Das Gift wird während des gesamten Lebens der Pflanze in allen Pflanzengeweben produziert. Bt-Pflanzen sind nicht generell resistent gegen Insekten, sondern gegen bestimmte, so dass beim Befall mit anderen Schädlingen weitere Pestizide eingesetzt werden.

 

Bt-Baumwolle

Bt-Baumwolle bildet Toxine des Bacillus thuringiensis. Sie soll dadurch resistent gegen den Baumwollkapselwurm und die Baumwollkapselraupe sein. Bt-Baumwolle ist zur Zeit (August 2009) die einzige transgene Pflanze, die in Indien für den kommerziellen Anbau zugelassen ist. In vielen Fällen erwies sich das teurere transgene Saatgut aber als nicht wirksam. Da viele Bauern ihr Saatgut auf Kredit erwerben, bedeutet es für sie den Ruin; denn wenn sie große Verluste bei ihren Ernten haben, reicht der Erlös nicht für die Kredittilgung bzw. den Kauf neuen Saatguts.

 

Bt-Mais

Bt-Mais bildet Toxine des Bacillus thuringiensis. Er soll dadurch resistent gegen den Maiszünzler und den Maiswurzelbohrer sein. Der Bt-Mais MON 810 ist die einzige transgene Pflanze (GVO), die in der EU für den kommerziellen Anbau zugelassen ist. Aber auf Grund ökologischer Bedenken haben Deutschland (2009), Österreich (1999), Ungarn (2005), Griechenland (2006), Frankreich (2008) und Luxemburg (2009) den kommerziellen Anbau von MON 810 verboten (Stand August 2009).

 

Deletion

s. a. Gentransfer

Unter Deletion wird das Entfernen von Gensequenzen aus dem Erbgut verstanden. Dies ist bei Bakterien möglich, führt aber bei Pflanzen und Tieren zum Absterben des Organismus. Möglich ist aber theoretisch, durch die Übertragung von Gensequenzen auf ein Tier oder eine Pflanze das Aktivwerden bestimmter Gensequenzen zu blockieren (Anti-Sense-Technik).

 

DNS (Desoxyribo-Nuklein-Säure), DNA

s. a. Gen und Epigenetik

Die Nukleinsäure besteht aus einem Doppelstrang mit den vier verschiedenen Basen, wobei sich jeweils Adenin und Thymin sowie Cytosin und Guanin Paare bilden. Die Struktur (Reihenfolge) der Basen bildet die Gen-Sequenzen und ist wesentlich für die Bildung des Gen-Produkts – eines Proteins. Genauso wichtig ist die Regulation der Aktivität der Gensequenzen, die Epigenetik.

 

Epigenetik

s. a. Gen-Umwelt-Interaktion

Der Regulation des Erbguts kommt eine ebenso wichtige Funktion zu wie seiner Struktur. Die Regulation bestimmt über die Aktivität der Gene darüber ob, wann und in welchem Ausmaß sie aktiv werden und das Genprodukt gebildet wird. Genprodukte sind Proteine (Eiweiße), aus denen unsere verschiedenen Gewebe bestehen. Das Aktivwerden der Gene im Erbgut ist artspezifisch. Beispielhaft für die Unterschiedlichkeit zweier Spezies trotz prozentual großer Ähnlichkeit des Erbguts sind Schimpansen und Menschen. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Spezies werden inzwischen entscheidend mit unterschiedlicher Regulation / Epigenetik begründet.

 

Expression

Die Expression ist das Aktivwerden von Gensequenzen: Ihre Regulation entscheidet darüber, ob, in welchem Gewebe, wann und in welchem Ausmaß sie aktiv werden und das Genprodukt gebildet wird: Proteine (Eiweiße), aus denen unsere verschiedenen Gewebe bestehen: Kollagen in Sehnen und Knochen, Aktin und Myosin in Muskeln sowie roter Blutfarbstoff (wie Hämoglobin), Regulationsproteine (wie Insulin), Immunglobuline (zur Abwehr) und Thrombin (zur Gerinnung) im Blut.

 

Freisetzung

Freisetzung ist der Anbau transgener Pflanzen zu Forschungszwecken – durch die Industrie oder staatliche Forschungseinrichtungen nach Erlaubnis der nationalen Behörde des EU-Landes, in dem die Freisetzung stattfinden soll. In Deutschland ist dies das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Produkte dürfen anschließend nicht in den Handel kommen; das Erntegut muss von den Feldern beseitigt werden. (Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG)

 

Gen, Gensequenz

s. a. Epigenetik, Gen-Regulation

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs Gen. Überwiegend wird darunter ein Segment aus DNA verstanden, eine Sequenz von Basenpaaren der DNA, deren Aktivierung zur Bildung eines oder mehrerer Proteine führt. Andere DNA-Abschnitte produzieren Moleküle, die nicht in Proteine übersetzt werden. Ihre Bedeutung wird zunehmend im Zusammenhang mit der Gen-Regulation, der Epigenetik, gesehen.

 

Genetisch veränderter Organismus

s. a. GVO

Nach der Definition der EU-Freisetzungsrichtlinie ist ein GVO „ein Organismus mit Ausnahme des Menschen, dessen genetisches Material so verändert worden ist, wie es auf natürliche Weise durch Kreuzen und/oder natürliche Rekombination nicht möglich ist“.

 

Genom, Erbgut

Die Begriffe Genom und Erbgut bezeichnen die Gesamtheit des genetischen Materials eines Organismus.

 

Gentechnik-freie Soja

Häufig wird behauptet, es gäbe nicht genügend gentechnik-freie Soja für Tierfutter. Tatsächlich aber werden größere Mengen gentechnik-freier Soja insbesondere im Norden von Brasilien und kleinere Mengen in Südeuropa und auch in Deutschland angebaut.

 

Gentechnik-freie Regionen

Gentechnikfreie Regionen sind freiwillige Zusammenschlüsse von LandwirtInnen. Unterstützt werden sie von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, teilweise auch von Kommunen und Vertretern von Landkreisen. 29.434  LandwirtInnen haben eine landwirtschaftliche Fläche von 1.052.813 Hektar schriftlich zur gentechnikfreien Region erklärt (Stand: 06.08.09).

Siehe unter www.gentechnikfreie-regionen.de

 

Gentechnik - Gesetzgebung

s. Freisetzung, kommerzieller Anbau, Kennzeichnung

 

Gentransfer, gentechnische Manipulation, gentechnische Veränderung

Unter gentechnischer Manipulation bzw. Gentransfer versteht man das Hinzufügen (Insertion) oder das Entfernen (Deletion) von Erbmaterial / Gensequenzen (DNA) aus dem Erbgut / Genom. Letzteres ist bei Bakterien möglich. Die DNA wurde vorher aus einem oder mehreren Organismen (Bakterien, Pflanzen, Pilze, Viren, Tiere, Menschen) isoliert. Für den Gentransfer auf Pflanzenzellen gibt es zwei verschiedene Techniken, die jeweils spezielle Risiken für unerwünschte Nebenwirkungen im und durch den GVO haben.

 

Gen-Umwelt-Interaktion

Inzwischen gilt die Existenz von Wechselwirkungen zwischen Erbgut und Umwelt als gegeben. Die Regulation wird inzwischen unter der Bezeichnung Epigenetik erforscht. Das Aktivwerden der Gene im Erbgut ist artspezifisch und erfolgt in Abhängigkeit des Entwicklungsstadiums, der Tages- und Jahreszeit sowie spezieller Lebensumstände.

 

 

 

Glufosinat und Glyphosat s. Totalherbizide

 

 

GVO

s. a. Genetisch veränderter Organismus

GVO ist die Abkürzung für Genetisch bzw. Gentechnisch Veränderter Organismus. Sie kann für (Mikro-)Organismen, Pflanzen oder Tiere verwendet werden, wenn diese transgen sind, das heißt, wenn zusätzliche Gensequenzen in ihrem Erbgut (Genom) vorhanden sind.

 

Haftung/Haftungssrecht

Nach deutschem Recht haften die Verursacher eines Schadens. Das gilt auch für gentechnische Kontaminationen. Wir hoch aber ein Schaden eingeschätzt wird, werden letztlich Gerichte entscheiden müssen.

 

„Heilsversprechen der Gentechnik-Industrie – ein Realitätscheck“

Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Dezember 2008, Autorin Ute Sprenger. Siehe www.bund.net  – unter Publikationen

 

Herbizide, Agrar-Gifte, Agro-Chemikalien, Pflanzenschutzmittel

In der konventionellen und industriellen Landwirtschaft werden routinemäßig Herbizide eingesetzt. Herbizide sind Pflanzengifte. Sie werden offiziell mit dem euphemistischen Begriff Pflanzenschutzmittel bezeichnet. Die meisten Pflanzengifte sind nur jeweils für bestimmte Pflanzen tödlich. Sie wirken selektiv. Allein in Deutschland werden pro Jahr ca. 40.000 Tonnen Gifte (Pestizide) angewendet. (In der ökologischen Landwirtschaft sind synthetische Pestizide verboten.)

 

Herbizid-resistente Pflanzen (HR - Pflanzen)

HR-Pflanzen (Baumwolle, Mais, Sojabohnen und Raps) sind transgene Pflanzen, die resistent gegen ein Totalherbizid (HR) sind. Zum Beispiel sind die Roundup-Ready-Pflanzen von Monsanto resistent gegen das Totalherbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat (Weltmarktführer unter den Pflanzengiften) und die Liberty Link-Pflanzen sind resistent gegen das von Bayer hergestellte Totalherbizid Glufosinat. Das heißt, wenn transgene Pflanzen eine Gensequenz haben, die sie gegen ein Totalherbizid resistent macht, dann werden bei Einsatz des Herbizids alle Pflanzen abgetötet – bis auf die resistenten.

 

Insertion

s. a. Gentransfer

Unter Insertion wird das Hinzufügen von Gensequenzen in das Erbgut eines Organismus verstanden.

 

„Junk-DNA“

Da nur circa fünf Prozent des Erbguts aus Gensequenzen bestehen, deren Aktivität zur Bildung von Proteinen führt, wurden die restlichen 95 Prozent jahrzehntelang für überflüssig gehalten: Formulierungen wie Junk-DNA und Waste (Müll) sind krasser Ausdruck dieser Fehleinschätzung, Begriffe wie stumme oder stille DNA sind moderater, zeugen aber immer noch von gravierender Fehleinschätzung. Inzwischen gilt als gesichert, dass die circa 95 Prozent nicht exprimierende DNA Bedeutung für die Regulation haben. Diskutiert wird die Bedeutung nicht exprimierender DNA für das Anpassungspotenzial von Arten an sich verändernde Umweltbedingungen.

 

Kennzeichnung

s. a. Freisetzung und kommerzieller Anbau

Gemäss der EU-Verordnung 1830/2003 müssen seit April 2004 alle Produkte die GV-Zutaten enthalten, mit den Worten gekennzeichnet werden „Dieses Produkt enthält gentechnisch veränderte Organismen.“ Die gravierendste Ausnahme sind tierische Produkte: Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren, die mit GV-Futtermitteln gefüttert wurden. Sie müssen nicht gekennzeichnet werden. Auch müssen Verunreinigungen – Spuren zugelassener GVOs in einer Menge die nicht mehr als 0,9% beträgt, vorausgesetzt, dass diese Spuren zufällig oder technisch nicht verhinderbar sind – nicht als GVO gekennzeichnet werden. (EU-Verordnung über gentechnisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel (1829/2003/EG) / EU-Verordnung über die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen (1830/2003/EG)). In Deutschland ist seit 2006 die Gentechnik-Kennzeichnungsverordnung in Kraft, die regelt, wie die Kennzeichnung erfolgen muss.

 

Koexistenz

Eigentlich bedeutet dieser Begriff „friedliches Miteinander“ - im Sinne von: „Keiner schadet dem anderen“. Das trifft aber auf die Agro-Gentechnik eindeutig nicht zu: Sie macht gentechnik-freie Landwirtschaft auf Dauer unmöglich. Für wie wahrscheinlich die EU die Möglichkeit von Kontaminationen hält, zeigt sich bei ihrer Kennzeichnungsregelung für GVO. Die EU legte extra einen Grenzwert fest. Somit müssen Produkte nicht bereits dann als GVO-haltig gekennzeichnet werden, wenn GVO nachgewiesen werden können, sondern erst ab einem GVO-Gehalt von 0,9 Prozent. Diese Regelung führt dazu, dass LandwirtInnen in Deutschland trotz der Haftungsregelung im Gentechnikrecht, bei einer Kontamination unter 0,9 Prozent, keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

 

Kommerzieller Anbau

Kommerzieller Anbau ist die Nutzung transgener Pflanzen mit EU-Zulassung durch LandwirtInnen. Die Produkte dürfen in den Handel kommen: Je nach Zulassung als Lebensmittel für Menschen, als Futtermittel für Tiere oder als Industriepflanze (GV-Lebens- und Futtermittel-Verordnung Nr. 1829/2003 EG). Bisher hat nur eine gentechnisch veränderte Pflanze, die Maislinie MON 810 von Monsanto, eine EU-Zulassung – und zwar zum direkten Verkauf nur als Futtermittel für Tiere. Aber inzwischen hat ein Viertel der EU-Mitgliedsstaaten den kommerziellen Anbau von MON 810 in seinen Ländern verboten: Deutschland (2009), Österreich (1999), Ungarn (2005), Griechenland (2006), Frankreich (2008) und Luxemburg (2009). Unklar ist die Situation in Polen.  Einige Mitgliedsstaaten wollen künftig generell selbst entscheiden, ob in ihrem Land eine gentechnisch veränderte Pflanze mit EU-Zulassung für den kommerziellen Anbau tatsächlich kommerziell angebaut werden darf.

Weltweit dominieren vier Pflanzenarten beim kommerziellen Anbau von GVOs: Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Sie machen 99 Prozent der transgenen Pflanzen aus. Auf 100 Prozent der Flächen mit kommerziellen GVOs stehen transgene Pflanzen mit einer Herbizid-Resistenz (HR) oder einer Insekten-Resistenz (Bt – von Bacillus thuringiensis) oder beide Resistenzen gemeinsam.

 

Kontamination, Verunreinigung

Kontaminationen mit gentechnisch veränderten Pollen, Samen, Pflanzen oder Verarbeitungsprodukten passieren während des Anbaus, bei der Ernte, beim Transport, sowie bei der Lagerung und der Verarbeitung (z. B. durch Windverwehungen, durch Bienen oder durch nicht vollständig gereinigte Mähdrescher bzw. andere Maschinen und Transportbehälter). Durch Sicherheitsabstände und vermehrte Reinigung lassen sich Risiken nur verringern, aber nicht ausschließen.

 

Liberty Link s. Totalherbizide 

 

 

Marker-Gen

s. a. unter Antibiotikaresistenz-Gene

Antibiotikaresistenz-Gene markieren transgene Zellen und werden deshalb auch als Marker-Gene bezeichnet. Beim Gentransfer fügen sich nur bei einem Bruchteil der Pflanzenzellen zusätzliche Gensequenzen ein. Das Marker-Gen – zur Zeit meist ein Antibiotika- oder Herbizidresistenz-Gen – wird zusammen mit der gewünschten Gensequenz übertragen. Bei einer anschließenden Behandlung mit dem jeweiligen Antibiotikum oder Herbizid überleben dann nur die Transgenen.

 

MON 810 s. Bt-Mais

 

Monsanto

Das Chemie- und Saatgutunternehmen Monsanto ist mit dem Pflanzengift Roundup Weltmarktführer bei Totalherbiziden. Monsanto ist seit 2005 das größte Saatgutunternehmen der Welt und inzwischen der größte Hersteller von gentechnisch-verändertem Saatgut mit einem Marktanteil von circa 90 Prozent. Dazu zählen die transgenen Roundup-Ready-Rapspflanzen – resistent gegen Roundup (Wirkstoff Glyphosat), das Totalherbizid von Monsanto. Ebenfalls hält Monsanto das Patent auf die einzige zur Zeit in der EU zugelassene gentechnisch veränderte Pflanze MON 810.

 

 

Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung

Seit dem 1. Mai 2008 gibt es in Deutschland die freiwillige-Kennzeichnung Ohne-Gentechnik. Alle Bio-Molkereien und die Upländer Bauern-Molkerei produzieren nur gentechnik-freie Produkte. Sie gaben bereits in der Vergangenheit die Gewissheit, dass die Futtermittel der Kühe, Schafe und Ziegen nicht von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen. Inzwischen nutzt z. B. auch die Molkerei Campina für ihre Landliebe-Produkte die Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung (Stand August 2009).

Wenn z. B. auf allen Produkten von Tieren, die mit GVO gefüttert worden sind, auch verpflichtend GVO draufstehen würde, wäre die Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung überflüssig. Aber die Industrie hat sich durchgesetzt. Das heißt: Die Masse der tierischen Produkte in den Regalen stammt von Tieren, die mit „Gen-Soja“ und “Gen-Mais“ gefüttert worden sind, ohne dass das auf der Verpackung stehen muss.

 

 

Ökologische Risiken (s. a. Antibiotikaresistenz-Gene)

Einmal freigesetzte Pflanzen – egal ob zu Forschungszwecken oder für den kommerziellen Anbau – sind nicht rückholbar. Es besteht dann auch kein Einfluss mehr darauf, ob sie andere Felder kontaminieren. Koexistenz ist für gentechnikfrei arbeitende LandwirtInnen auf Dauer nicht möglich. Die Masse der transgenen Pflanzen ist mit dem Einsatz von Giften verbunden. Damit wird diese industrielle Form der Landwirtschaft weiter festgeschrieben. Es besteht keine Notwendigkeit, gentechnisch manipulierte Pflanzen anzubauen. Somit werden ohne Not Umweltrisiken in Kauf genommen.

 

Plasmide

Der Austausch von Erbmaterial ist bei Bakterien möglich, weil bei ihnen ein Teil des Erbguts auf so genannten Plasmiden verankert ist, die für kurze Zeit auch außerhalb des Organismus existieren können. Bestimmte Eiweiße – Enzyme – sind in der Lage, Erbgut der Plasmide gezielt zu trennen oder zu verbinden. Gentechnisch wird diese Möglichkeit genutzt, um im Labor Erbmaterial in die Plasmide einzufügen oder Erbmaterial aus den Plasmiden zu entfernen, bevor diese mit dem gentechnisch veränderten Erbmaterial wieder auf Bakterien übertragen werden.

 

Patente auf Leben

Bis 1980 konnten Patente nur für Erfindungen und nur für tote Materie beantragt werden wie z. B. auf Kronkorken, und Maschinen. 1980 wurde erstmals ein Patent auf ein Lebewesen – ein transgenes Bakterium – erteilt. Das Kriterium Erfindung ist damals vom obersten amerikanischen Gericht so umdefiniert worden, dass künftig „anything under the sun made by man“ patentfähig wird.

Heutzutage ist jede transgene Pflanzensorte patentiert. Monsanto besitzt 90 Prozent des Marktanteils bei gentechnisch verändertem Saatgut. Mit der zunehmenden Zahl von Patenten schrumpft die Verfügbarkeit von Saatgut. LandwirtInnen dürfen transgenes Saatgut nur einmal anbauen; das heißt, sie dürfen von der Ernte nichts für die nächste Saat nutzen, ohne Lizenzgebühren dafür zu bezahlen. Sie müssen Saatgut für jeden Anbau neu kaufen. Bei Verstößen drohen Gerichtsverfahren und Strafen.

 

Percy Schmeiser

Der kanadische Landwirt Percy Schmeiser züchtete seit Jahrzehnten Raps für die dortigen regionalen Bedingungen. Den größten Teil seiner Ernte verkaufte er als Saatgut an andere Farmer und behielt von seiner Ernte jedes Mal soviel zurück wie er selbst als Saatgut für die nächste Aussaat benötigte, um seine Rapssorten besser an die regionalen Verhältnisse – Geologie, Klima – anzupassen. Percy Schmeiser produzierte gentechnikfrei, das heißt, er benutzte konventionelles und kein gentechnisch verändertes Saatgut. 

Seine gentechnikfreien Rapsfelder sind von Roundup-Ready-Rapspflanzen des Agro-Chemie-Konzerns Monsanto kontaminiert worden, der auf diesen Raps ein Patent besitzt. Im Folgejahr säte Percy Schmeiser daraus gewonnenes Saatgut auf einer Fläche von rund 400 ha aus, sodass auf seinen Feldern nun gentechnisch veränderter Raps wuchs. Daraufhin wurde er vom Herstellerkonzern Monsanto wegen Patentverletzung verklagt.

Percy Schmeiser erhielt zusammen mit seiner Frau Louise im Jahr 2007 den alternativen Nobelpreis für seinen Einsatz gegen die Agro-Gentechnik.

Siehe auch das Kapitel DER FALL PERCY SCHMEISER

 

Pflanzenschutzmittel s. Herbizide und Totalherbizide 

 

Resistente Unkräuter

Die Befürchtung, dass Unkräuter resistent gegen Totalherbizide werden und zu Superunkräutern werden könnten, ist durch den breiten Einsatz des von Monsanto hergestellten Unkrautvernichtungsmittels Roundup bereits wahr geworden. Ein Pigweed genanntes Unkraut verbreitet sich immer mehr und bedroht die Baumwoll- und Sojaernten in Teilen von Georgia, South Carolina, North Carolina, Arkansas, Tennessee, Kentucky und Missouri. Eine Pigweed-Pflanze kann 10.000 Samen auf einmal bilden und drei Meter hoch wachsen, wodurch die jungen Baumwollpflanzen erstickt werden.

 

Roundup s. a. Totalherbizide

 

Roundup ready Pflanzen

Gegen das Totalherbizid Glyphosat (Wirkstoff von Roundup) werden resistente Pflanzensorten unter dem Markennamen „Roundup Ready“ oder „RR“ verkauft.

 

Terminator-Technik, Terminator-Saatgut

Terminator-Techniken zählen zu der so genannten GURT (Genetic Use Restriction Technology - GURT). Ihr Zweck liegt somit in der biologischen Einschränkung der Nutzung von transgenem Saatgut – durch Sterilität. Denn Terminator-Pflanzen können nur einmalig keimen, so dass für die LandwirtInnen die Nutzung eines Teils der Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr unmöglich sein soll. Die ökologische Gefahr liegt in der Ausbreitung und Vermehrung im Freiland, die auch bei diesen Pflanzen ebenso wenig vollständig zu verhindern ist wie Kreuzungen mit herkömmlichen Sorten.

 

 

Totalherbizide

s. a. Herbizide

Totalherbizide wirken nicht selektiv, sondern töten alle Pflanzen ab. Um mehr Totalherbizide verkaufen zu können und das Anwendungsspektrum auf die Landwirtschaft auszuweiten, wurden und werden Pflanzensorten durch gentechnische Manipulation resistent gegen Totalherbizide wie Glyphosat und Glyphosinat gemacht – sogenannte HR-Pflanzen. In der Regel werden Glyphosinatresistente Pflanzen unter dem Markennamen „Liberty Link“oder „LL“ und Glyphosatresistente Pflanzen unter dem Markennamen „Roundup Ready“ oder „RR“ verkauft.

 

Transgen

Mit Transgen wird eine Gensequenz bezeichnet, die durch Gentransfer von einem auf einen anderen Organismus übertragen wird. Vielfach wird der Begriff auch als Adjektiv für gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen gebraucht.

 

 

Transgene Tiere

Transgene Tiere sind Tiere, die fremde Gene in ihrem Erbgut tragen, unabhängig davon, ob diese auch aktiv werden. Aufgrund biologisch-technischer Probleme sind bis heute weltweit keine Produkte von transgenen Tieren als Lebensmittel zugelassen worden. Es gibt zwar transgene Tiere in den Labors. Die Erfolgsquoten der Mikromanipulation liegen aber nach über 30 Jahren Forschung bei der Maus bei 5 Prozent, bei Schaf, Ziege und Schaf unter 2 Prozent und beim Rind unter 0,5 Prozent. An der Kombination Klonen plus Gentechnik wird geforscht.

 

 

Übereinkommen zur biologischen Vielfalt Convention on Biological Diversity (CBD)

Die CBD wurde auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 verabschiedet und trat Ende 1993 in Kraft. Die CBD hat inzwischen 192 Vertragspartner und wurde von 168 Staaten sowie der EU unterzeichnet (Stand August 2009). Sie basiert auf drei Säulen: Schutz der biologischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt und faires und gleichberechtigtes Teilen des Gewinns aus der Nutzung der genetischen Ressourcen.Vandana Shiva

Vandana Shiva ist indische Physikerin, Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Feministin. Sie unterstützt die einheimische Bevölkerung gegen internationale Wirtschaftsorganisationen und vor Übervorteilung durch staatliche Stellen. Shiva bekam 1993 den Alternativen Nobelpreis für ihr Engagement in der Frauen-, Ökologie- und Entwicklungspolitik. Im Kampf um den Erhalt der biologischen Vielfalt engagiert sich die Globalisierungskriterikerin gegen Patente auf Lebewesen und gegen transnationale Unternehmen. Vandana Shiva führt Projekte zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Indien durch.

 

Verunreinigung s. Kontamination

 

Vorsorgeprinzip

Nach dem Vorsorgeprinzip sollen Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt und die menschliche Gesundheit im Voraus vermieden oder weitestgehend verringert werden. Das Vorsorgeprinzip soll der Risiko- bzw. Gefahrenvorsorge dienen, in dem es gerade dann angewendet wird, wenn noch keine vollständige wissenschaftliche Gewissheit über ein Risiko besteht. Da einmal freigesetzte transgene Pflanzen nicht rückholbar sind, können Schäden für die Umwelt irreversibel sein. Deshalb ist es wichtig, Risiken ernst zu nehmen, bevor Schäden eingetreten sind.

Prinzip 15 der Erklärung von Rio zu Umwelt und Entwicklung: „Um die Umwelt zu schützen, müssen Staaten je nach ihren Möglichkeiten das Vorsorgeprinzip großzügig anwenden. Wo schwere oder irreversible Schäden drohen, darf Mangel an wissenschaftlicher Sicherheit nicht dazu benutzt werden, kostenintensive Maßnahmen zur Abwendung von Umweltschäden zu umgehen.“

 

Wahlfreiheit

Der Anspruch auf Wahlfreiheit im Zusammenhang mit der Gentechnik bei Lebens- und Futtermitteln bedeutet, dass die Verfügbarkeit gentechnikfreier Lebens- und Futtermittel nicht durch transgene Pflanzen eingeschränkt werden darf und transgene  Lebens- und Futtermittel als GVO (gentechnisch veränderter Organismus) gekennzeichnet werden müssen. Hinsichtlich beider Ansprüche ist die tatsächliche Wahlfreiheit aber beschränkt.

 

 

Weltagrarbericht (IAASTD)

Der UN-Bericht zur Welternährung und Landwirtschaft (Weltagrarbericht) fordert einen generellen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaftspolitik, -forschung und –lehre hin zu nachhaltiger Produktion durch die Förderung bäuerlicher Landwirtschaft, die Züchtung und den Anbau lokal und regional anpassungsfähiger Sorten und den Vorrang für die Produktion für heimische Märkte zu fairen Preisen. Hinsichtlich der Agro-Gentechnik kommt der Weltagrarbericht zu dem Schluss, dass sie die problematischen Tendenzen der industrialisierten Landwirtschaft verstärkt – den intensiven Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie Hochleistungssaatgut. Damit verbunden sind Monokulturen, hoher Energieaufwand, Wasservergeudung und der Verlust der biologischen Vielfalt.

Siehe unter www.weltagrarbericht.de und www.agassessment.org .

 

Welthunger

Die Gentechnik-Industrie wirbt für die Agro-Gentechnik mit dem Argument, der Anbau transgener Pflanzen leiste einen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers. Dem entgegen stehen zwei Hauptargumente:

•  Die Masse der transgenen Pflanzen wird für Tierfutter und Agro-Energie angebaut und nicht als Lebensmittel für die menschliche Ernährung.

•  Die Agro-Gentechnik verschärft die problematischen Tendenzen der industrialisierten Landwirtschaft durch hohen   Energie- und Ressourcenverbrauch sowie die Schädigung der Umwelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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