BILDUNGSPOLITIK

ISB-Studie: Zusätzliche Förderressourcen sehr hilfreich

„Integrationszuschlag“ und „Bedarfsorientierte Budgetierung“ auf dem Prüfstand  

Im Auftrag der Landeshauptstadt München hat das ISB kürzlich eine Studie vorgelegt, in der die Effekte zusätzlicher Ressourcen zur Förderung von Schülerinnen und Schülern an ausgewählten Münchner Schulen untersucht wurden – mit positiven Befunden.  

Seit dem Schuljahr 2012/13 gibt es für staatliche Grundschulen und Mittelschulen den „Integrationszuschlag“, die Stundenzuweisungen nimmt das Schulamt vor. Städtische Münchner Schulen werden hingegen vom RBS nach der „Bedarfsorientierten Budgetierung“ mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet – ebenfalls seit dem Schuljahr 2012/13. Gemeinsames Ziel der beiden Förderinstrumente ist es, den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu reduzieren.  

Während der „Integrationszuschlag“ ausschließlich in Form zusätzlicher Lehrerstunden zur differenzierten Förderung und schulischen Integration von Schülerinnen und Schülern ausgebracht wird, können die Schulen im Rahmen der „Bedarfsorientierten Budgetierung“ an Stelle zugewiesener Lehrerstunden teilweise auch Mittel beantragen, um beispielsweise einen Sozialpädagogen an der Schule anzustellen.  

Als Sachaufwandsträger hat die Landeshauptstadt München den Grundschulen und Mittelschulen im Projekt für die zweijährige Laufzeit der wissenschaftlichen Begleitung ein „Erweitertes Sachaufwandsbudget“ zur Verfügung gestellt, um die Stundenzuweisungen durch den „Integrationszuschlag“ auch auf der Sachaufwandsebene zu flankieren.  

Wichtige Ergebnisse in Kürze  

Fördermaßnahmen

Effekte

Staatlicher „Integrationszuschlag“ an Grundschulen und Mittelschulen

Differenzierungsformen im Unterricht mit zusätzlichen Lehrerstunden

in der Einschätzung der Lehrkräfte in vielen Fällen z. T. deutliche Steigerung individueller Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler; bei Sprachförderangeboten teilweise leicht positive Auswirkungen auf die Deutschnote

Erweitertes Sachaufwandsbudget

nachhaltiger Nutzen bei intensiv abgestimmter schulinterner Beschaffungspolitik

„Bedarfsorientierte Budgetierung“ des RBS an städtischen Schulen

Sozialpädagogik an Schulen

Einstieg in multiprofessionelles Arbeiten und gemeinsame Schulentwicklung am Standort

Lern- und Sozialcoaching

Abwendung vieler Versetzungsgefährdungen, weniger Disziplinarfälle

Lehrerfortbildung (Zusatzqualifikation „Schule der Vielfalt“ am PI)

geeignetes Fortbildungsformat, um Schulentwicklungsprozesse im Sinne der Ziele der „Bedarfsorientierten Budgetierung“ anzuregen

Unterricht in geteilten Deutschklassen

in der Einschätzung der Lehrkräfte verbesserte sprachliche Kompetenzen durch intensive Förderung; zukünftig muss die Deutschnote als Erfolgsindikator stärker in den Blick gerückt werden

Besonderes Lob für Grundschulen und Mittelschulen  

Das ISB hebt hervor: „Die Grundschulen und die Mittelschulen der wissenschaftlichen Begleitung sind hier sehr aktiv und engagiert, um mit eigenen Ideen und Konzeptentwürfen Schülerinnen und Schüler mit herkunftsbedingten Benachteiligungen passgenau zu fördern. Die hierfür notwendigen, häufig sehr spezifischen fachlichen Kompetenzen müssen sich die Lehrkräfte in der Regel eigenständig erarbeiten.“

 

Einschränkungen der Aussagekraft  

Die Studie konzentriert sich auf ausgewählte Schulen in München. Untersucht wurden nur Maßnahmen, die mit Ressourcen der genannten Kontingente realisiert werden. Weitere Förderangebote mit Lehrerstunden aus anderen „Töpfen“ wurden nicht direkt berücksichtigt, Wechselwirkungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Zudem beinhaltet das Untersuchungsdesign der Studie keine Vergleichsgruppe, die es ermöglichen würde, die Ergebnisse an den untersuchten Schulen einzuordnen.  

 

Fazit der Studie  

Die Auswertung der erhobenen Daten zeigte, dass die zusätzlichen Stundenbudgets aus der „Bedarfsorientierten Budgetierung“ bzw. dem „Integrationszuschlag“ sehr sinnvoll sind, um bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern. Damit die erarbeiteten Konzepte nachhaltig umgesetzt werden können, ist es entscheidend, dass die Schulen auch mittelfristig mit den Stundenzuweisungen rechnen können. „Beide Förderinstrumente erfahren durch die Schulen besondere Wertschätzung. Umso verständlicher ist der Wunsch der Schulen nach einer Beibehaltung oder – je nach Belastungslage vor Ort – teilweise auch einer Ausweitung der Stundenzuweisungen und nach Planungssicherheit“, so das ISB.  

 

Empfehlungen des ISB  

 

  • Die Studie zeigt neben den positiven Effekten auch einige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung auf:    
  • Auch wenn die Fördermaßnahmen durch die Lehrkräfte anhand selbst gesteckter Ziele als erfolgreich bilanziert werden, ist die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen – insbesondere mit Blick auf den formalen Bildungserfolg (z. B. Verbesserung der Schulnoten) – nur teilweise bzw. in Ansätzen erkennbar. Hier ist eine Nachjustierung angezeigt.
  • Zur weiteren Wirkungsoptimierung sollte die Verzahnung mit anderen Fördermaßnahmen stärker in den Blick genommen werden.
  • Das Erfahrungswissen der Schulen sollte gesichert und – z. B. über eine Plattform „Marktplatz der Fördermaßnahmen“ – allen Schulen zugänglich gemacht werden.
  • „An Grenzen stoßen Schulen immer dann, wenn die Schülerinnen und Schüler sich zwar an der Schule auf Integrationsangebote einlassen, ihnen im familiären Umfeld jedoch fortlaufend etwas anderes vorgelebt wird. Gelingende gesellschaftliche Integration ist sicherlich mehr als eine schulische Aufgabe und erfordert ressortübergreifendes Denken und Handeln.“  

Martin Göb-Fuchsberger

Kommentar

Was beim Schüler ankommt, zählt!

Jetzt ist es auch für Münchner Schulen durch eine wissenschaftliche Studie belegt: Wenn Schulen zusätzliche Ressourcen zur individuellen Förderung bekommen, bringt das was. So sind z. B. die 3 Millionen Euro, die die Stadt jährlich für die „Bedarfsorientierte Budgetierung“ in die Hand nimmt, wahrlich kein Pappenstiel und – amtlich bestätigt – sicher auch sehr gut angelegt.

Am Ende zählt allerdings das, was bei den <ins>Schülerinnen und </ins>Schülern tatsächlich ankommt. Einerseits ist es an den untersuchten Schulen offenbar weitestgehend gelungen, die Förderangebote auch bei höherem Vertretungsbedarf aufrecht zu erhalten; vom ISB wurden hier nur selten Ausfälle registriert. Dennoch bleibt… 

Das Kreuz mit den Noten

 

Die Studie stellt fest, dass sich die unbestreitbaren Erfolge individueller Förderung bisher nur teilweise in verbesserten Noten zeigen. Warum ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass die erzielten Fortschritte in der Regel bestenfalls ausreichen, um bei steigenden Prüfungsanforderungen im Lauf des Schuljahres die bisherige Note zu halten? Oder müssten die meisten <ins>Schülerinnen und </ins>Schüler noch viel intensiver gefördert werden, um wirklich in die „notenrelevanten“ Bereiche vorzudringen?<ins> </ins>M<ins>üsste</ins> dazu<ins> vielleicht </ins>auch die<ins> Zusammenarbeit </ins>aller<ins> Pädagoginnen und Pädagogen </ins>an der Schule noch weiter ausgebaut und mit Anrechnungsstunden unterstützt werden?

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