Experten: Bayerns Schulen haben für Inklusion zu wenig Personal

Inklusionsstudie des Landtags bestätigt Forderungen des BLLV

 

Soll die Inklusion von Schülern an Bayerns Schulen gelingen, muss der Freistaat die Rahmenbedingungen dafür verbessern. Vor allem mehr Zeit, Personal und Geld wären nötig. Das ist die Quintessenz einer vom Bayerischen Landtag in Auftrag gegebenen Studie.

 

Der Landtag hatte Forscher der Universität Würzburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem dreijährigen Begleitforschungsprojekt „Inklusive Schulentwicklung in Bayern“ betraut. Jetzt stellten sie in München die Ergebnisse auf einer großen Abschlusskonferenz vor. Wie die Untersuchungen ergaben, fehlt es Lehrerinnen und Lehrer an Zeit, um Schüler mit Förderbedarf gut unterstützen zu können. Der Freistaat müsste also mehr Personal einstellen. So erhalten Schulen mit dem Profil Inklusion nur elf Unterrichtstunden sowie 13 Stunden für die Förderung von Schülern mit Förderbedarf extra. Aus Sicht der Experten ist das zu wenig. „Wenn wir Inklusion wollen, dann müssen wir auch deutlich sagen: Das kostet schon ein bisschen was“, sagte Prof. Dr. Joachim Kahlert von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) bei der Präsentation der Studienergebnisse. 

 

Inklusion muss zentraler Bestandteil der Aus- und Fortbildung werden

Mehr Geld und Personal reichen aus Sicht der Forscher aber nicht aus. Es fehlt nicht nur an praxisorientierten Fortbildungen für Lehrkräfte im Dienst, Inklusion müsste auch Teil der Lehrerbildung werden.  Vor Ort an den Schulen wäre eine enge Zusammenarbeit von Lehrkräften und zusätzlichen Fachkräften nötig, um sich gegenseitig zu unterstützen und Wissen weiterzugeben. Auch die Bewertung der Leistungen von Schülern mit Förderbedarf sollte überdacht werden, raten die Wissenschaftler. 

Die Expertenempfehlungen bestätigen die Haltung des BLLV. Der Verband fordert seit langem, für die Inklusion mehr Ressourcen bereitzustellen und Lehrkräfte in Aus- und Fortbildung darauf gründlich vorzubereiten. (Inklusionsstudie)    

 

 

Inklusion verändert Schule - zum Vorteil aller Schüler

Die Experten räumten auch mit Dogmen auf. Sie halten das Nebeneinander von Förderschulen und der Inklusion von Schülern in Regelklassen für sinnvoll und sehen Bayern hier auf einem guten Weg. „Man kann nicht sagen, dass es grundsätzlich für alle Kinder immer besser ist, mit Kindern ohne besonderen Förderbedarf zusammen zu sein. Es kommt auf den individuellen Fall an“, sagte Prof. Kahlert.

Anderseits profitierten auch Kinder ohne Förderbedarf von der Inklusion. „Die Lehrkräfte an allgemeinen Schulen müssen sich nun auf jene Kinder einstellen, die besondere Förderung brauchen. Dadurch werden alle stärker individuell angesprochen.“ Auch bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen wirkt sich Inklusion vorteilhaft aus, wie Prof. Dr. Ulrich Heimlich von der LMU München betont. „Die sozialen Erfahrungen, die Kinder in inklusiven Klassen zusätzlich zu all dem gewinnen, was an Bildungsinhalten vermittelt wird, sind unschätzbar.“

 

Mehr zum Thema:

 

Wenn Inklusion gelingt, profitieren alle – Interview mit Prof. Kahlert

Befragung Inklusion des BLLV

Website Begleitforschungsprojekt Inklusion in Bayern

 

 

 

Die wichtigsten Empfehlungen der Experten im Überblick:

An die Politik:

  • Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe vertreten
  • Ausbau wohnortnaher inklusiver Schulangebote ermöglichen
  • Inklusion in der Lehrerbildung wirksam verankern

An das Ministerium:

  • Praxisorientierte Lehrerfortbildung ausbauen
  • Inklusion in weiteführenden Schulen ausbauen
  • Regelschulen mit vergleichbaren Ressourcen wie an Förderschulen ausstatten
  • Anerkennung der erhöhten Anforderung schaffen, z.B. Anerkennungsstunden

An Schulleitungen:

  • Kollegiale Fallberatung unterstützen
  • Runde Tische Inklusion an Schulen einrichten
  • Einbeziehung der Eltern in den Schulentwicklungsprozess
  • Inklusion frühzeitig und langfristig vorbereiten und planen

An Lehrkräfte:

  • Neue Lernformen einsetzen
  • Veränderung der Rolle der Lehrkraft aktiv anstreben: Unterricht, Beratung, Kooperation, Anleitung und Lernbegleitung
  • Enge Zusammenarbeit unter Kollegen: Gegenseitige Unterstützung  und Beratung, Kompetenztransfer

 

 

Über das Begleitforschungsprojekt „Inklusive Schulentwicklung in Bayern“:

Über einen Zeitraum von drei Jahrne wurden vier Untersuchungen durchgeführt: Eine Befragung zur Umsetzung der Inklusion, eine Studie zur Analyse und Entwicklung inklusiver Unterrichtsformen, eine Untersuchung der Zusammenarbeit der Lehrkräfte an Profilschulen und allgemeinen Schulen, eine Analyse von schulischen und außerschulen Unterstützungssystem.

 

Für das Projekt verantwortlich zeichneten Prof. Dr. Joachim Kahler, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Ulrich Heimlich, Lehrstuhl für Lernbehindertenpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof Dr. Erhard Fischer, Lehrstuhl für Sonderpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Prof. Dr. Reinhard Lelgemann, Lehrstuhl für Sonderpädagogik II Julius-Maximilians-Universität Würzburg.


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