Klaus Wenzel

Präsident des BLLV  2007 – 2015

 

Würdigung durch Dr. h.c. Albin Dannhäuser, BLLV – Ehrenpräsident, Augsburg, 15. Mai 2015

Unser Präsident Klaus Wenzel hat bei dieser Versammlung sein Amt zurückgegeben. Klaus Wenzel  war acht Jahre lang das unverwechselbare Gesicht des BLLV. Er gab der Lehrerschaft eine unüberhörbare Stimme. Er war das unbestechliche  Auge der Schul- und Bildungspolitik. Er bewies sich als zuverlässiger  Anwalt von Kindern und Jugendlichen. Wir, die Delegierten, haben die ehrenvolle Aufgabe, ihm heute zu danken – im Namen unserer nahezu 60.000 Mitglieder - zu danken

 

1. für sein humanes und demokratisches Bildungsverständnis

 

Klaus Wenzel steht in der Tradition unseres BLLV für eine Bildungspolitik, die sich aus den Bildungsbedürfnissen und Bildungsrechten junger Menschen versteht. Das bedeutet für ihn: ganzheitliche, umfassende Menschenbildung durch bestmögliche Qualifikation und Förderung aller Kräfte – mit dem Ziel, dass möglichst alle am gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und demokratischen Leben teilhaben und teilnehmen können.

Deswegen kämpfte er für gleiche Bildungschancen. Für jedes einzelne Kind -  unabhängig von seiner sozialen oder ethnischen Herkunft, unabhängig von seinem Wohnort.

Bildung ist für ihn ein unveräußerliches Menschenrecht. Keine Frage der Geburt oder des Schicksals – oder Glücksache. Deshalb setzte er sich leidenschaftlich ein für die frühe individuelle Förderung. Deshalb verurteilte er die schulische Auslese zehnjähriger Kinder.  Deshalb schlug er für wohnortnahe Schulangebote pragmatische Organisationsformen vor und das Aufbrechen starrer Schulstrukturen.

 

Als hervorragend qualifizierter Lehrer plädierte er unverdrossen für eine nachhaltige Lernkultur, Deshalb forderte er mehr Zeit für Bildung. Deshalb genügte ihm in der Auseinandersetzung um das G8 bzw. G9 nicht die bloße Streckung um ein Schuljahr. Vielmehr regte er mit der Fachgruppe eine Weiterentwicklung des Lehrplans, der Fächerstruktur und der Prüfungskultur an.

Er hat Bewegung in die vorschulische Erziehung gebracht, in bedarfsgerechte Formen der Inklusion, in das Angebot von Ganztagsschulen, in die Verbesserung der Unterrichtsverhältnisse. Durch sein unbeirrbares Engagement hat er weitreichende Impulse gegeben und ihm ist in diesen Anliegen Vieles gelungen.

 

Wir haben Klaus Wenzel zu danken

2.    für seinen überzeugenden Einsatz für unsere pädagogische Profession

 

Klaus Wenzel war 23 Jahre lang Seminarrektor für Lehramts-Referendare. Er hat in seinem Wirkungskreis mehr als eine Lehrergeneration geprägt. Er verstand sich als Lehrerbildner und als Präsident aus der Gewissheit des BLLV, die er bereits 1863 definiert hatte: „Die Lehrerbildung ist Dreh- und Angelpunkt der gesamten Schulfrage.“

Als Präsident hob er die Leistungen der Lehrerschaft in Bildungs- und Erziehung immer wieder in das öffentliche Bewusstsein. Er untermauerte sehr überzeugend unsere herausragende Bedeutung für  die Entwicklung junger Menschen und für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Deshalb forderte er die bestmögliche Lehreraus- und Fortbildung für alle Schulstufen. Deshalb  verlangte er angemessene Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer. Deshalb reklamierte er immer wieder den Abbau bürokratischer Hemmnisse, mehr Raum für pädagogische Freiheit, die Förderung der Berufszufriedenheit und demokratische Mitwirkung.

Aus der Profession und Verantwortung unseres Berufs leitete er konsequent den Anspruch auf dienstliche und gesellschaftliche Anerkennung ab. Unter seiner Präsidentschaft ist dem BLLV ein entscheidender Einstieg in der Laufbahn gelungen. Durch sein Lehrerbild hat er unser Ansehen in der Öffentlichkeit geschützt und gemehrt.

 

 

 

Wir sind Klaus Wenzel zu Dank verpflichtet

 

3.    für die Schärfung und Festigung unseres verbandspolitischen Selbstverständnisses

 

Klaus Wenzel vdrängte unentwegt auf das gemeinsame Berufsverständnis aller Lehrer. Deshalb hat  den BLLV weiter und offensiv geöffnet für Lehrer und Erzieher aller Bildungs- und Schulstufen. Er hat die anachronistische Abschottung  zwischen den verschiedenen Lehrämtern aufgebrochen. Sehr viele Kolleginnen und Kollegen haben das Angebot angenommen.

 

Klaus Wenzel hat den bildungspolitischen Kernauftrag des BLLV stringent ausgeweitet. Er hat ihn konsequent in den Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen gestellt z.B. die Verantwortung für Kinder von Flüchtlingen und Asylbewerbern oder die Erziehung zu Toleranz und Zivilcourage angesichts rechtsextremer Umtriebe. Er hat die Bildungsfrage mit Herausforderungen der Zukunft verbunden  – sei es die exzessive Digitalisierung aller Lebensbereiche, der demografische Wandel oder das Problem der sozialen Gerechtigkeit. Der BLLV hat sich unter Klaus Wenzel als gesellschaftspolitische Kraft profiliert. Dieser übergeordnete Horizont der Bildungs- und Erziehungsverantwortung entspricht unserem beruflichen Selbstverständnis und schafft Identität.

 

Ein unbestreitbares Indiz ist die Steigerung der Mitgliederzahlen. Sie hat sich in seiner Amtszeit um  ca. 5.500 erhöht auf nun knapp 60. 000. Damit ist der BLLV die stärkste Landeslehrerorganisation in Deutschland. Entscheidende Ursache für die Zustimmung der Lehrerinnen und Lehrer zum BLLV ist seine absolute Unabhängigkeit:  parteipolitisch, weltanschaulich, finanziell. Wir sind keine Filiale einer Partei, kein verlängerter Arm der Administration, hängen nicht am Tropf der Wirtschaft.

Klaus Wenzel hat diese Unabhängigkeit zu seinem Markenzeichen gemacht:  Er deckte Widersprüche zwischen politischer Rhetorik und politischem Handeln schonungslos auf. Er spitzte seine Kritik bisweilen bis zur Schmerzgrenze zu -  weil er gelernt hatte, dass differenzierte Botschaften im politischen Geschäft nicht wahrgenommen oder bewusst missverstanden werden. Für manche war er ein Ärgernis, weil er einfache Wahrheiten schnörkellos auf den Punkt brachte. Eine verschwurbelte Diplomatensprache oder gar opportunistische Schöntuerei entsprechen  nicht seinem Naturell. Immer wieder war er als Verfechter der Sache ein produktiver Unruhestifter. Stürmen trotzte er  wie ein Fels in der Brandung –mit provozierender Gelassenheit-  mochten sich noch so viele an ihm reiben.

 

Wir danken Klaus Wenzel nicht zuletzt

 

4.    für  seine exzellente Führung des BLLV

 

Klaus Wenzel hat den BLLV mit großer Umsicht geführt und trotz mancher unterschiedlicher Sichtweisen in seiner Geschlossenheit gestärkt. Er war ein unermüdlicher Netzwerker in Bayern und im Bund. Als stellvertretender Bundesvorsitzender im Verband Bildung und Erziehung hatte seine Stimme besonderes Gewicht. Im bundesweiten Programm „Demokratisch handeln“  und in der „Stiftung  Lernen“ war seine Kompetenz geschätzt. Er ist Förderer des Bündnisses für Toleranz und unserer Kinderhilfe. Als Vorsitzender des „Forums Bildungspolitik in Bayern“ mit jetzt  46  Organisationen bündelt er wertvolle bildungspolitische Sichtweisen und Kräfte. Als Vorsitzender unserer Akademie vergewissert er sich aktueller wissenschaftlicher Ansätze.

 

Wir sind Klaus Wenzel sehr zu Dank verpflichtet. Aber nicht minder herzlich danken wir auch seiner Frau Theresia. Sie hat ihm den Rücken frei gehalten für seine vielfältigen und zeitraubenden Verpflichtungen. Sie hat ihn nach besten Kräften unterstützt. Sie hat sich mit der Idee des BLLV identifiziert und ihren Mann darin bestärkt.

Klaus Wenzel wird respektiert aufgrund seiner pädagogischen und bildungspolitischen Grundsatz –Stärke und er wird von nicht wenigen bewundert wegen seiner klaren Haltung und Unbestechlichkeit.

 

Er ist inspirieren in seinen Visionen. Er ist beispielgebend in deinem Pflichtbewusstsein. Er ist mitreißende in seiner Sprachgewalt. Er ist führungsstark in seiner Persönlichkeit.

Er hat das innovative Potential aller Mandatsträgerinnen und Mandatsträger freigesetzt und gefördert. Die Mitarbeiter/innen in der Landesgeschäftsstelle hat er zu Höchstleistungen motiviert – und diese genau so wenig geschont wie sich selbst.

Klaus Wenzel hat das Amt des Präsidenten hervorragend ausgeübt. Um es mit Max Weber zu sagen:  mit Verantwortungsgefühl, mit Leidenschaft und Augenmaß. Er war ein Präsident mit Prädikat.

Lieber Klaus, nachdem wir beide seit 40 Jahren sehr vertrauensvoll zusammen arbeiten, darf ich im Namen aller mit Fug und Recht und mit höchster Anerkennung feststellen:

Lieber Klaus, du hast dich um unseren BLLV verdient gemacht!

 

 

 

 

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