Grundsätzliches zu Lernzirkel, Lernstationen oder Stationenarbeit
Die Lernstation ist ein einzelner Arbeitsauftrag, ein einzelnes Arbeitsangebot, das den Kindern im Rahmen des Lernens an Stationen zur Verfügung gestellt wird.
Lernen an Stationen beschreibt jeweils das zusammengesetzte Angebot mehrerer Lernstationen, das die Kinder im Rahmen einer übergeordneten Thematik bearbeiten und unter Umständen teilweise selbst mitgestaltet haben.
Beim Lernzirkel werden den Kindern Arbeitsstationen angeboten, an denen sie selbständig, in beliebiger Reihenfolge und meist auch in frei gewählter Sozialform arbeiten. Dabei gelten die Bedingungen, dass sie nur an eine freie Station gehen können und die angefangene Arbeit abgeschlossen werden muss. (Jede schulische Arbeit, die unfertig bleiben darf, wird in ihrer Bedeutung entwertet.)
Der Lehrer baut im Klassenzimmer und evtl. auch außerhalb unterschiedliche Stationen auf. Die Arbeitsanweisungen sollen von den Schülern ohne Hilfestellung des Lehrers ausgeführt werden können. Die Schüler arbeiten alle zur gleichen Zeit am gleichen Thema, an unterschiedlichen Stationen und somit unterschiedlichen Lerninhalten. Das Arbeitstempo bestimmen die Schüler selbst, in einem vorgegebenen zeitlichen Rahmen.
Der Schwerpunkt der Unterrichtseinheit wird an den Pflichtstationen festgehalten, zusätzliche Aufgaben für flinke Schüler an Auswahlstationen. Um allen Lerntypen entgegenzukommen, werden an den Stationen verschiedene Sinne angesprochen und Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad gewählt. Das Ergebnis kann durch Eigenkontrolle überprüft werden. Ich habe festgestellt, dass ein Laufzettel den Schülern die Orientierung erleichtert und sie auch zu konsequentem Arbeiten animiert. Dieses Arbeitsblatt, mit den schwerpunktmäßigen Inhalten des Zirkels, wird dann in der Mappe abgeheftet.
Lernzirkelarten
Erarbeitungszirkel
Die Schüler erhalten bei dieser Art des Lernzirkels über Arbeitsangebote die Möglichkeit, sich ein Thema völlig selbständig zu erarbeiten. Um die Inhalte für die Kinder auf unterschiedlichste Weise interessant und zugänglich zu machen, müssen die Angebote folgenden Gesichtspunkten genügen: Sie sollen
- informieren,
- Spannung und Fragwürdigkeit aufbauen,
- den unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten der Kinder entsprechen,
- für die Kinder selbst zu erarbeiten sein.
Der Vorteil eines Erarbeitungszirkels liegt darin, dass sich bei den Schülern erst im Laufe der Bearbeitung ein Gefühl für den Inhalt entwickeln kann und damit der Weg neben dem Ziel Gleichrang erhält.
Übungszirkel
Bei einem Übungszirkel werden den Kindern zu einem bestimmten Thema Übungsangebote umfassend und komplett angeboten.
Lerntheke
Die Lerntheke ist eine offene unterrichtliche Organisationsform, bei der zu einem Thema an einer Theke unterschiedliches Material zu Verfügung steht. Die Schüler wählen ihre Station selbständig aus, nehmen das Arbeitsmaterial mit an ihren Platz und bearbeiten die Aufgaben dort. Haben die Kinder ihre Arbeit erledigt, bringen sie die Aufgabenstellungen an die Station zurück. Zur Orientierung können die Aufgaben auf dem Laufzettel angekreuzt werden.
An der Lerntheke können neue Inhalte erarbeitet werden, als auch bekanntes geübt werden.
Organisatorisches
Das Lernen an Stationen erfolgt an einzelnen Arbeitsstationen im Klassenzimmer und evtl. auch außerhalb des Zimmers. Dabei sind an den Stationen die Arbeitsaufträge für die Schüler bereitgehalten.
Die Schüler- und Seitentische können gut in die Lernzirkelarbeit integriert werden. Die Arbeitsaufträge werden meist in schriftlicher Form den Schülern zur Verfügung gestellt. Wichtig dabei ist, dass der Schüler die Anweisungen selbständig erledigen kann. Je kürzer und prägnanter die Aufträge formuliert sind, desto leichter ist die Bearbeitung für die Schüler.
Um den Kindern einen Überblick zu gewähren, ist es empfehlenswert, die Stationen zu nummerieren und jede Station andersfarbig zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler gehen von Station zu Station und erledigen dort die Aufgaben. Regel: „Ich kann nur eine freie Station auswählen.“ Anders bei der Lerntheke. Hier holen sich die Kinder die Arbeitsaufträge an ihren Platz und erfüllen diese. Nach Beendigung der Aufgabe bringen sie das Lernmaterial an die „Theke“ zurück. In der Regel arbeiten die Schüler in freier Zeiteinteilung und freier Stationenwahl, aber bei manchen Zirkeln empfiehlt es sich die Stationen, rhythmisch zu wechseln und das natürlich in vorgegebenen Zeitabschnitten.
Bei einer „Außenstation“ ist es den Kindern möglich in Ruhe zu arbeiten. Außerdem können die Kinder lernen, verantwortlich zu handeln, d. h. dort muss auch leise gearbeitet werden, um andere Klassen oder Schüler nicht zu stören. Das Privileg, abseits der Klasse ungestört zu arbeiten, kann bei einem Regelverstoß wieder verloren gehen, zumindest für eine bestimmte Zeit.
Die Sozialformen sollten die Schüler nach Möglichkeit frei wählen können. Ist Teamarbeit zur Lösung der Aufgabe notwendig, wäre eine Kennzeichnung der Station mit einem entsprechenden Symbol für die Kinder hilfreich.
Arbeits- und Verhaltensregeln für die Lernzirkelarbeit werden mit den Kindern erarbeitet. Gemeinsam aufgestellte Regeln werden von den Schülern eher eingehalten. Diese Regeln sollten fixiert werden, damit jeder, also Lehrer und Schüler, jederzeit darauf verweisen können.
Die Ordnung an den Lernstationen muss zu einer Aufgabe der Kinder werden. Nur wer die schmerzhafte Erfahrung von unvollständigen oder vermischten Arbeitsmaterialien gemacht hat, wird sich künftig für die notwendige Ordnung einsetzen.
Die Anzahl der Lernstationen und die Anzahl der Arbeitsaufträge richtet sich nach der Klassenstärke. Insgesamt müssen mindestens so viele Arbeitsaufträge vorhanden sein, dass gleichzeitig alle Schüler eine Aufgabe bearbeiten können. Dies reduziert sich natürlich, wenn die Kinder in Partner- oder Gruppenarbeit an ihre Aufgaben gehen oder wenn die Aufträge in mehrfacher Ausfertigung angeboten werden.
Jeder Schüler erhält einen Laufzettel, auf dem er seine Erkenntnisse notiert. Wesentlich dabei ist, dass die Schwerpunkte des Lernzirkels festgehalten werden. Der Laufzettel wird als Arbeitsblatt abgeheftet, natürlich muss dies auch entsprechend ausgewertet werden. Das Arbeitsblatt ist auch für den Lehrer eine Kontrolle, in wie weit die Schüler den Lerninhalt aufgearbeitet und verstanden haben.
Die Reflexion des Lernzirkels ist natürlich auch in einem abschließenden Gesprächskreis möglich. Im Gesprächskreis können die Schüler berichten und sich austauschen. Eine Reflexion des Lernzirkels ist nach meiner Meinung unerlässlich, auch wenn an den einzelnen Stationen die Ergebnisse überprüft werden konnten.
Schülerinnen und Schüler können die Stationen frei wählen oder der Leherer/die Lehrerin gibt eine Reihenfolge vor. Dann wäre es möglich, die Anfangsstation auf dem Laufzettel zu kennzeichnen oder die Teams direkt den Stationen zuzuweisen.
Als, für die Lehrerin/den Lehrer organisatorisch sinnvoll hat sich der sogenannte „Check up“ erwiesen, auf dem die Station mit dem notwendigen Arbeitmaterial und die Medien festgehalten sind. So wird ein schneller Auf- und Abbau des Lernzirkels ermöglicht.
Bewertung/Beurteilung
Beim eigenständigen Lernen, also auch beim Stationenlernen, ist eine dauernde Kontrolle durch die Lehrkraft nicht leistbar und auch nicht erwünscht. Kinder können lernen, die Verantwortung für ihr Tun weitgehend selbst zu übernehmen.
Mithelfen, Beobachten, Impulse geben, Bestätigen und Unterstützen sind die Hauptaufgaben der Lehrkraft beim Lernen an Stationen. Es ist sinnvoll, Beobachtungen während des Stationenlernens festzuhalten. Klassenarbeiten, die sich an eine Lerneinheit anschließen, sind auch im Zusammenhang mit dem Lernen an Stationen denkbar und machbar. Gleichzeitig sei aber auch daran erinnert, dass schriftliche Leistungsmessung nicht in allen Bereichen erforderlich ist.
Risiken
Selbstverständlich sind auch Risiken bzw. Schwierigkeiten mit dem offenen Lernen verbunden:
- Der Vorbereitungsaufwand ist sehr hoch. Eine Zusammenarbeit mit dem Stufenlehrer ist empfehlenswert.
- Der Materialaufwand ist sehr hoch.
- Die direkte und dauernde Überprüfung der Kinder ist nicht möglich.
- Die Leistungsmessung wird zumindest scheinbar schwieriger.
- Eltern müssen an diese Lernform herangeführt werden, um diese als gewinnbringend zu erkennen.
- Aktion und Verantwortung müssen abgegeben werden, was manchem sehr schwer fällt.
Chancen, Möglichkeiten
Das Stationenlernen bietet Chancen und Möglichkeiten:
- Der direkte Handlungsdruck im Unterricht wird abgebaut.
- Die Lehrkraft erhält mehr Möglichkeiten zum distanzierten Beobachten.
- Die individuelle Auseinandersetzung mit einzelnen Kindern oder Gruppen wird stärker gefördert.
- Die Lehrkraft hat mehr Möglichkeiten, sich aus dem Mittelpunkt des Unterrichts herauszunehmen.
- Die direkte Beanspruchung (Energieaufwand) im Unterricht wird geringer (selbst eine intensive Vorbereitung von Lernstationen erfordert trotz höherem Zeitaufwand weniger Energie als die täglichen Anforderungen in einem eher lehrerzentrierten Unterricht).
- Unterschiedliche Arbeits- und Lerntempi werden zugelassen.
- Für den visuellen, den akustischen und den haptischen Lerntypen stehen Stationen zur Verfügung, alle Lernkanäle werden berücksichtigt.
- Erfolgserlebnisse motivieren Kinder, ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wird gestärkt.
- Dem Bewegungsdrang der Schüler wird entgegengekommen. Konzentrationsphasen und Pausen werden selbständig festgelegt.
- Die Schüler arbeiten eigenverantwortlich, sie eignen sich Lernstrategien an, üben Arbeitstechniken ein, erwerben soziale Grundfertigkeiten und lernen sich selbst einzuschätzen.
Autorin: Waltraud Lučić



