BILDUNGSPOLITIK

Verleihung der Kerschensteiner Medaille an Christian Marek

Christian Marek zählt zu den engagiertesten Lehrern Münchens der vergangenen Jahrzehnte. Als Dank für seine Verdienste hat Bürgermeisterin Christine Strobl dem früheren Rektor der Grundschule an der Oselstraße und dem MLLV–Ehrenvorsitzenden im Rahmen eines Festakts im Alten Rathaus im November 2017 die Kerschensteiner-Medaille überreicht.

Die Landeshauptstadt München vergibt seit dem Jahr 1995 einen Preis zu Ehren von Georg Kerschensteiner. Geehrt werden Personen oder Organisationen, die sich um die Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in München verdient gemacht haben. Eine elfköpfige Jury, die sich aus Stadtratsmitgliedern, Stadtschulrätin Beatrix Zurek, Vertreterinnen und Vertretern der Erwachsenenbildung, Eltern- und Lehrkräftevertretungen und Repräsentantinnen und Repräsentanten der Wirtschaft zusammensetzt, entscheidet unter Vorsitz von Bürgermeisterin Christine Strobl über die Preisträgerinnen und Preisträger. Christian Marek bekam als 21. Pädagoge diese Medaille.  

Ein kleiner Kreis aus dem Kammerorchester „DIE ZARGE“ eröffnete den Bildungsempfang. Christian Marek gründete vor 48 Jahren dieses Kammerorchester. Er spielt Bratsche. Johann Marek, seine Frau spielt Geige. Sie ließ es sich nicht nehmen bei der Ehrung ihres Mannes im alten Rathaus den Bildungsempfang festlichen zu eröffnen. Stadtschulrätin Beatrix Zurek begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter auch einige Trägerinnen und Träger der Medaille aus den letzten Jahren.  

Die Laudatio für den Preisträger hielt die Schulbürgermeisterin Christine Strobel.

„Traditionen erhalten und gleichzeitig innovative Wege beschreiten“, das zeichnete die Arbeit Christian Mareks aus. Sowohl als Lehrer als auch als Schulleiter zeigte er große Innovationsbereitschaft, die über die eigene Schule hinaus Maßstäbe setzte. So führte er zum Beispiel pädagogische Jahresprojekte durch, bei denen Experten aus dem kulturellen Leben wie Maler, Bildhauer, Fotografen, Goldschmiede, Kammermusiker für eine Woche an die Schule kamen, um mit den Kindern ein Projekt aus ihrer Lebenswelt durchzuführen. Das Projekt „Kinder treffen Sportler“ im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland (2006) war auch durch die schuleigene „Osel-Weltmeisterschaft“ ein großer Erfolg. Vier Jahre später folgte das Projekt „Kinder treffen Leute von Presse, Rundfunk und Fernsehen“. Die Schülerinnen und Schüler fertigten mit den Experten eine eigene Zeitung und eigene Nachrichten an, die auf einer selbst erstellten Homepage präsentiert wurden. Diese Art von Projekten wird inzwischen bayernweit mit großem Erfolg durchgeführt. Auch im Bereich der Inklusion handelte Christian Marek vorbildhaft. Als erste Münchner Grundschule kooperierte seine Schule bereits im September 2002 mit der Otto-Steiner-Förderschule, einer Einrichtung des Heilpädagogischen Centrums Augustinum.  

25 Jahre lang war Christian Marek Vorsitzender des Personalrats München-Stadt. Von 1985 bis 2000 stand er dem Münchner Lehrerinnen- und Lehrerverband MLLV vor, heute ist er dessen Ehrenvorsitzender. Er organisierte zahlreiche Münchner Lehrertage und Führungstage für Schulleiter und Lehrer mit Ambitionen.  

Nach der Laudatio nahm Marek die Kerschensteiner Medaille entgegen. Nicht seine erste Auszeichnung, 2017 erhielt er bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande aus den Händen von Staatssekretär Georg Eisenreich.

Zunächst bedankte sich der Preisträger bei denen, die ihm in seinem Leben beiseite standen, bei Kolleginnen und Kollegen, Verbandsmitstreiterinnen und -mitstreitern, anderen Schulleitern, Personalratskolleginnen und - kollegen, bei dem von ihm gegründete Orchester und allen voran bei seiner Frau und seinem Sohn. „Am liebsten würde ich diese Medaille mit euch allen teilen“, sagte Marek.

In seiner Rede formulierte er Gedanken zur Pädagogik, die ihm am Herzen lagen. Vertrauen sei stärker als Misstrauen. „Damit meine ich nicht naive Vertrauensseligkeit, sondern die ansteckende Kraft des positiven Denkens. Nur aus diesem Selbstvertrauen wachsen die gestalterischen Kräfte, die eine zukünftige demokratische und soziale Gesellschaft formen können.“, so Marek.

Man sollte den Kindern nicht nur den digitalen Zugang zu allen Formen der Medienwelt, sondern auch reale Erlebnisse in der Natur, in der realen Umwelt und in unserer reichen, gewachsenen Kultur ermöglichen. Denn „nur wer die Welt in der Wirklichkeit erlebt, kann auch mit der virtuellen Welt verantwortungsvoll umgehen“, findet der MLLV – Ehrenvorsitzende.

Des Weiteren betonte er die enorme Vorbildwirkung von Pädagoginnen und Pädagogen. Demokratische Erziehung gelinge nur, wenn Kinder auch Demokratie erleben und da mitreden, wo sie mitreden können.   Die Idee für die Kerschensteiner Medaille hatte Christian Marek übrigens vor 23 Jahren selbst. Damals wies er den Oberbürgermeister Georg Kronawitter darauf hin, dass es in der Schulstadt München keine Ehrung für Pädagoginnen und Pädagogen gebe. Bereits ein Jahr später wurde die Kerschensteiner Medaille das erste Mal verliehen.  

Katharina Stein  

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