Kardinal Marx kritisiert Wortwahl in der Flüchtlingsdebatte

Erzbischof warnt Politiker davor, Ängste zu schüren

 

Kardinal Reinhard Marx hat davor gewarnt, Ressentiments gegen andere Kulturen und Religionen zu schüren. Er appellierte an die Politik, zu einer Sprache zurückzufinden, die sich an Problemen orientiert. Anlass für Marx' Kritik waren Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.


Reinhard Marx

Scheuer hatte kurz zuvor erklärt: „Entschuldigen Sie die Sprache. Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst Du nie wieder abschieben.“ Wenig später versuchte der CSU-Generalsekretär zu relativieren und sprach von einer „bewussten Zuspitzung“.

 

Dennoch fand Marx für Scheuers Ausspruch deutliche Kritik. Er sei „erschrocken und verärgert“ über Äußerungen, die nur darauf abzielten wie Deutschland Flüchtlinge loswerden könne, sagte er zum Auftakt der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. „Diese Tonlage ist nicht hilfreich für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge“.

 

Marx appellierte an die Politik, zu einer Sprache zurückzufinden, die sich an Problemen orientiere. Jeder Flüchtling, der an die Grenze komme, müsse menschenwürdig behandelt werden und ein faires Verfahren erhalten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich ebenfalls entsetzt über Scheuers Worte. „So redet man nicht über Menschen“, sagte er.

 

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