21. November 2011

BLLV und ABJ übergeben Petition „Notprogramm Bildung“

Erster Erfolg der Online-Aktion zeichnet sich ab: Koalition beschließt Mehrausgaben für Bildung / Wenzel und Westphal: „Massiver Lehrermangel muss gestoppt werden“

München - Die vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) im Juli initiierte Online-Petition „Notprogramm Bildung“ wird morgen Nachmittag an Landtagspräsidentin Barbara Stamm übergeben. Die Petition wurde von über 7500 Internetnutzern unterzeichnet. In ihr fordern der  BLLV und die im BLLV organisierte Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) die Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen. „Mindestens zehn Prozent der Steuermehreinnahmen müssen dafür als Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann der  massive Lehrermangel an Bayerns Schulen gebremst werden“, erklärten BLLV-Präsident Klaus Wenzel und die ABJ-Vorsitzende, Evelyn Westphal, einen Tag vor der Übergabe in München. Die hohe Beteiligung an der ausschließlich im Internet laufenden Unterschriftenaktion zeige, wie groß die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der derzeitigen Schul- und Bildungspolitik ist. „Eltern wissen, dass Sparvorhaben fast immer zu Lasten ihrer Kinder gehen“, betonte Westphal. An vielen Schulen sei die Situation dramatisch, vielfach müsse Unterricht ersatzlos gestrichen werden. „Die Forderungen des BLLV sind nicht maßlos und es ist erfreulich, dass die Koalition am Wochenende erste Zugeständnisse gemacht hat“, sagte Wenzel.  Ohne entsprechende personelle Ausstattung könnten die Schüler nicht individuell gefördert, die Klassen nicht kleiner, Ganztagschulen nicht ausgebaut und Inklusion nicht umgesetzt werden. „Der massive Lehrermangel muss gestoppt werden.“

 

Aufgrund des öffentlichen Drucks, der nicht zuletzt wegen der ABJ-Kampagne zustande gekommen war, hatte der Koalitionsausschuss bereits Mitte September bekannt gegeben, eine halbe Milliarde der Steuermehreinnahmen in die Politikfelder Bildung und Energie fließen lassen zu wollen. Nach Bekanntwerden der zusätzlichen Steuereinnahmen (1,7 Mrd. Euro) hat nun die bayerische Regierungskoalition festgelegt, Mittel für zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung zu stellen. „Das ist ein erster großer Erfolg“, freute sich Wenzel. Wir sind aber noch nicht am Ziel“. ABJ und BLLV erwarten nun, dass die Landtagsabgeordneten bei der Festlegung des Nachtragshaushaltes „schüler- und lehrerfreundliche Beschlüsse“ fassen.

 

Die von Kultusminister Spaenle angesichts der hohen Unterrichtsausfälle verordnete Mehrarbeit ganzer Kollegien bezeichnete er dagegen als Zumutung: „Während über 5000 junge Lehrerinnen und Lehrer auf der Straße stehen, weil sie keine Anstellung gefunden haben, geht eine ganze Berufsgruppe in die Knie, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist. Viele aktive Lehrkräfte gehen täglich an die Grenze ihrer persönlichen Belastbarkeit.“      

 

BLLV und ABJ schlugen bereits Mitte Juli Alarm und prognostizierten für den Herbst einen massiven Lehrermangel. „Unsere Sorge, dass es zu massiven Unterrichtsausfällen kommt, bewahrheitet sich jetzt“, sagte Westphal. Die Lehrerversorgung sei auf Kante genäht und viele Schulen könnten gerade so noch den grundlegenden Unterricht anbieten. „Alles, was darüber hinaus geht, muss gestrichen werden: z. B. Arbeitsgruppen, Projektunterricht, Sport- oder Musikangebote. Viele Lehrkräfte, die in Bayern nicht untergekommen sind, wanderten in andere Bundesländer ab, suchten sich Jobs in der freien Wirtschaft oder kamen in privaten Bildungseinrichtungen unter. Viele sind auch noch arbeitslos. Gleichzeitig reißen die Klagen über Unterrichtsausfall wegen Lehrermangels nicht ab.“

 

In vielen Gegenden Bayerns ist die Mobile Reserve seit Wochen verplant, so dass bei zusätzlichen Erkrankungen Unterricht ausfallen muss. Die Schüler werden in solchen Fällen lediglich betreut, erhalten aber keinen Unterricht nach Stundenplan. Oftmals fallen Fächer wie Deutsch oder Mathematik aus. Die Schüler müssen sich auf dauernd wechselnde Lehrkräfte einstellen. Für Grundschulkinder ist dies besonders problematisch, weil in diesem Alter die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler intensiv ist. Dennoch zählt das Kultusministerium bei den Erhebungen zum Unterrichtsausfall Stunden, in denen lediglich Vertretungen zur oftmals auch noch klassenübergreifenden Betreuung eingesetzt werden, zum regulären Unterricht. „Das ist Augenwischerei“, so Wenzel.

 

„Wir können jetzt nur noch hoffen, dass der Bayerische Landtag für den Nachtragshaushalt mindestens zehn Prozent der Steuermehreinnahmen für die Finanzierung von Lehrerstellen genehmigt“, erklärten Wenzel und Westphal. Besonders ärgerlich sei es, dass der Kultusminister nicht müde werde, seine ambitionierten Ziele wie individuelle Förderung von Schülern, Umsetzung der Inklusion oder Ausbau von Ganztagsangeboten, rhetorisch in den Mittelpunkt rücke, gleichzeitig aber tatenlos zusehe, wie die Schulen personell ausbluten würden.

 

„Wir brauchen dringend zusätzliche Planstellen.“ Wenzel bekräftigte erneut seine Forderung nach 20.000 zusätzlichen Lehrerplanstellen. 

 

_______________________________________________________________________________

 

Mehr Informationen zum „Notprogramm Bildung“ und zur Petition unter  www.bllv.de oder http://www.bllv.de/Petition.7022.0.html.

 

 

Die Petitionsübergabe mit BLLV-Präsident Klaus Wenzel und Vertreter/innen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer im BLLV (ABJ), findet am 22. November 2011, um 16.30 Uhr, im Bayerischen Landtag statt. In der ABJ sind derzeit rund 10.000 junge Lehrerinnen und Lehrer vertreten.   


Dateien:
20111121.pdf36 K