Gute Ganztagsangebote immer noch Mangelware
BLLV-Präsident Klaus Wenzel: „Die Angebote hinken der Nachfrage hinterher“ / Mit den Zahlen der Bertelsmann Studie sei „alles gesagt“
München - „Ganztagsschulen und -angebote sind in Bayern immer noch Mangelware. Die Angebote hinken der Nachfrage hinterher. Noch immer gehen zu viele Eltern, die für ihr Kind einen Ganztagsplatz suchen, leer aus.“ Mit diesen Worten hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, auf die heute von der Bertelsmann Stiftung vorgestellten Ergebnisse zum Ausbau von Ganztagschulen und -angeboten in Deutschland reagiert. Danach bildet Bayern das Schlusslicht im Ländervergleich: Verschwindende 4,3 Prozent der bayerischen Schüler besuchten im Schuljahr 2010/11 eine gebundene Ganztagsschule mit Unterricht am Nachmittag, nur jeder zehnte nahm ein Ganztagsangebot wahr.
„Mit diesen Zahlen ist eigentlich alles gesagt“, erklärte Wenzel. Er könne auch die Ankündigung aus dem Kultusministerium von heute nicht nachvollziehen, wonach Mittel bereit gestellt werden sollen, die es im kommenden Schuljahr 90 Prozent aller Schüler ermöglichen, ein Ganztagsangebot bzw. eine Ganztagsschule zu besuchen. Hinzu komme ein inzwischen unüberschaubarer begrifflicher Wirrwarr: „Ich habe das Gefühl, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr genau wissen, was mit Ganztagsangeboten, Ganztagschulen, offen, gebunden, echt oder rhythmisiert gemeint ist. Und ich habe das ungute Gefühl, dass dies auch gewollt ist.“
Die Bayerische Staatsregierung verkauft unter dem Label „Ganztagsschule“, verschiedenartigste Angebote, die sich qualitativ sehr voneinander unterscheiden: Die Formate heißen „offene Ganztagsangebote“, gebundene Ganztagsklassen“, „verlängerte Mittagbetreuung“ und „normale Mittagsbetreuung“.
Nur 4 bis 5% aller bayerischen Schüler besuchen derzeit eine echte, d.h. gebundene Ganztagsklasse (vgl. Bertelsmann Studie), wie sie auch der BLLV favorisiert. In offenen Ganztagsangeboten werden die Schüler nachmittags lediglich betreut - häufig von 400-Euro-Jobbern. Sie sind weder pädagogisch geschult, noch bringen sie Erfahrung oder Profession mit. Wenzel: „Ganztagsangebote in Bayern sind häufig mangelhaft ausgestattet. Die erfolgreiche Umsetzung ist nur mit einem hohen Zusatzaufwand an Organisation und Improvisation möglich.“ Das Kultusministerium unterstützte Schulleiter und Lehrkräfte nur wenig, bürde ihnen aber eine hohe Verantwortung auf. Darauf hatte der BLLV erst im November vergangenen Jahres aufmerksam gemacht.
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