Schule darf keine finanzielle Belastung sein
BLLV- Präsident Klaus Wenzel fordert: "Beste Schulbildung muss allen Kindern ermöglicht werden" / Arbeitslosengeld II anheben und Büchergeld abschaffen
München - Als unerträglich bezeichnete der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, die Tatsache, dass der Schulbeginn immer mehr Familien in Bayern vor unlösbare finanzielle Probleme stellt. "Bildung wird mehr und mehr zum Privileg Wohlhabender", kritisierte Wenzel, "obwohl jeder weiß, dass Bildung der entscheidende Schlüssel ist, dem Teufelskreis von Armut, Ausgrenzung und sozialem Abstieg zu entkommen." Er unterstützte die heutige Forderung des Diakonischen Werks Bayern, das Arbeitslosengeld II anzuheben. "Kindern und Jugendlichen aller sozialer Schichten muss die Teilhabe an Bildung ermöglicht werden." In diesem Zusammenhang sprach sich Wenzel erneut für die sofortige Abschaffung des Büchergeldes aus. "Es ist völlig unnötig und gegen das Prinzip der Lernmittelfreiheit gerichtet, Familien zusätzlich mit diesen Beträgen zu belasten."
Wenzel bezeichnete es als bedrückend, dass in Bayern immer mehr Kinder und Jugendliche in Haushalten leben, die Arbeitslosengeld II beziehen (im November 2006 waren es weit über 150.000). In Deutschland befinden sich rund 37% der Familien mit Minderjährigen in einer armutsnahen Lage. "In den Schulen bündeln sich soziale Spannungen, Verwerfungen und Nöte wie in einem Brennglas. Pädagogen sind immer stärker gefordert, Gegensätze auszugleichen, die Ausgrenzung von Kindern zu verhindern und ihnen menschlich zu helfen, weil ihre Lebensprobleme die Lernprobleme überlagern", erklärte Wenzel.
Die sozialen Gegensätze zeigen sich tagtäglich sehr konkret: In einem einzigen Klassenzimmer sitzen Kinder nebeneinander in sündhaft teurer Markenkleidung und Kleidern aus Secondhandshops. Da gibt es Jugendliche mit eigenen Kreditkarten und Jugendliche, denen das Geld für Schulbücher, für den Schulausflug oder für einen Aufenthalt im Schullandheim fehlt. Wenzel: "Von 100 Kindern, die bereits im Kindergarten arm waren, schaffen lediglich vier den Sprung ins Gymnasium. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationshintergrund." Sie besuchen häufiger Förder- und Hauptschulen. 20% von ihnen erreichen keinen Schulabschluss. "Inzwischen sind Schüler, die sich keine private Nachhilfe leisten können, deutlich im Nachteil", kritisierte Wenzel. "Während die Nachhilfe boomt und Milliardenbeträge für Leistungen ausgegeben werden, die eigentlich das öffentliche Schulsystem erbringen müsste, geraten die Schüler ins Abseits, die finanziell nicht mithalten können. Bildung in Deutschland ist längst eine Frage des Einkommens und der Herkunft der Eltern."
Der BLLV- Präsident warnte vor den Folgen dieser verantwortungslosen und kurzsichtigen Bildungspolitk: "Schüler ohne Schulabschluss haben keine Chance im Berufsleben Fuß zu fassen. Wer keine Perspektive hat, fühlt sich ausgegrenzt und wird für politisch extreme Gruppierungen anfälliger."
Neben der Anhebung des Arbeitslosengeldes II forderte Wenzel:
- mehr pädagogisches Personal: Lehrer, Förderlehrer, Sonderpädagogen, Schulpsychologen und Sozialpädagogen
- mehr Zeit und Freiräume für die Erziehungsaufgabe, für die Gestaltung des Schullebens und für Beratung, wie für die Zusammenarbeit mit Eltern und außerschulischen Einrichtungen
- kleinere Klassen und Lerngruppen: In der Grundschule dürfen nicht mehr als 20 Kinder in einer Klasse sitzen und in der Sekundarstufe muss die Obergrenze bei 25 Schülern sein.
- Dateien:
20070905_02.pdf35 K


