04. Februar 2004

BLLV gegen Kürzung des Religionsunterrichts

Gersthofen – Um 400 Lehrerplanstellen einzusparen, plant das Kultusministerium in der 3. und 4. Jahrgangsstufe der Grundschule den Religionsunterricht um eine Stunde zu kürzen. Gegen diese Pläne hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser, bei einem Lehrertreffen seines Verbandes in Gersthofen in scharfer Form gewandt. "Lehrerinnen und Lehrer, die sich ihrer wertpädagogischen Aufgabe verpflichtet fühlen, wehren sich dagegen, wenn der Auftrag der Schule immer weiter reduziert wird auf die Vermittlung von Qualifikationen und Kompetenzen, die ökonomisch unmittelbar verwertbar sind. Wer nur in den Kategorien internationaler Vergleichsstudien denkt, wird dem umfassenden Bildungsauftrag der Schule nicht gerecht. Der Staat muss sich aktiv zum Erziehungsauftrag seiner Schulen bekennen. Dazu gehört nach unserem Grundverständnis und in unserer Tradition auch das Fundament der Religion."

"Angesichts allgemeiner Wertunsicherheit brauchen vor allem Kinder im Grundschulalter verlässliche Wertmaßstäbe", stellte der BLLV-Präsident fest. Deshalb komme dem Religionsunterricht die Aufgabe zu, humane und im Glauben gründende Werte bewusst zu machen. Im Religionsunterricht erhielten Kinder Orientierung und Lebensbegleitung aus religiöser Perspektive. "Der Religionsunterricht leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Er bietet Kindern vor allem Antworten auf Sinnfragen an, hilft ihnen bei der Entfaltung der eigenen Urteilsfähigkeit und bei der Begründung ihrer Gewissensentscheidungen", betonte Dannhäuser. Der Religionsunterricht vermittle darüber hinaus das Wissen um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen. Er trage heute wesentlich dazu bei, dass junge Menschen nicht radikal-fundamentalistischen Strömungen verfielen, sondern sich in ihrer religiösen Vielfalt gegenseitig tolerieren und respektieren.

Dannhäuser bedauerte, wie viele Religionslehrerinnen und -lehrer, dass leider viele Eltern aufgehört hätten, ihre Kinder mit der religiösen Gedanken-, Bild- und Symbolwelt vertraut zu machen. "Schülerinnen und Schüler haben in ihrem Elternhaus oft keine oder nur minimale religiöse Grunderfahrungen." Diese Tatsache beklagte ganz offensichtlich auch Ministerpräsident Stoiber als er als Kanzlerkandidat gegenüber den Kirchen betonte: "Weil immer mehr Kinder ohne Kenntnisse von Religion aufwachsen, müssen die Kirchen ein wesentlich größeres Augenmerk auf den Religionsunterricht richten."

Der BLLV-Präsident kritisierte in seiner Rede vor Lehrerinnen und Lehrern, "dass der rigorosen Sparpolitik eine Fülle pädagogisch wertvoller Leistungen unserer Schulen zum Opfer fallen würden." Dannhäuser warnte: "Alles, was an Bildung und Erziehung in jungen Jahren versäumt wird, ist später nur sehr schwer aufzuholen. Dagegen tragen Investitionen in Bildung Zins und Zinseszinsen bis Ain die nächste Generation." Besonders verärgert sei die bayerische Lehrerschaft, dass notwendige Schulreformen ausschließlich auf ihrem Rücken ausgetragen werden sollen. "Wer mit seinen Schulen in zehn Jahren unter den ersten fünf Spitzenländern in der Weltrangliste stehen will, darf nicht damit beginnen, die Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer zu verschlechtern und die Lehrerschaft durch eine dritte Erhöhung ihrer Arbeitszeit innerhalb von zehn Jahren noch weiter belasten."


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